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Absolventen der Kunstakademie Düsseldorf zeigen ihre Abschlussarbeiten

Absolventen der Kunstakademie in Düsseldorf : Picknick im Atelier

Auf dem nachgeholten „Rundgang" bietet die Düsseldorfer Kunstakademie wie immer viel Malerei. Doch erfreulicherweise hat auch Crossover seinen Platz.

DÜSSELDORF Endlich heraus aus coronabedingter Vereinzelung, endlich wieder Gemeinschaft: Die 17 Studentinnen und Studenten der Klasse von Professorin Yesim Akdeniz brauchten samt einer Anzahl von Gaststudenten nicht lange zu überlegen, wie sie sich diesmal am traditionellen „Rundgang" der Düsseldorfer Kunstakademie beteiligen. Sie funktionierten ihr Atelier zu einem Gemeinschaftsraum auf Rollrasen um, so anheimelnd, dass man sich auch als Gast am liebsten sofort auf den Collagen und Ornamenten aus Stoff niederließe. Nur zu, betreten ist hier erlaubt, allerdings sollte man zuvor die Schuhe ausziehen.

Man wird sich kaum satt sehen können an den Lieblingsmotiven, die den Studenten offenbar locker von der Hand gingen: Wolf und Schlange spielen eine Rolle, Spielkarten und dazu vieles, das zu enträtseln wäre. Ein solcher Quilt, eine Steppdecke aus mehreren Textilschichten also, ruft das Leben der frühen amerikanische Siedler in Erinnerung. Aus Mangel an großen Stoffstücken führten sie das Quilten zusammen mit dem Patchwork zu einer noch heute gepflegten handwerklichen Kunst, in bestimmten Gegenden der USA wie auch in Deutschland.

 Eine Installation haben sich die Studenten der Klasse Marcel Odenbach – darunter Beater Gärtner – zur Pensionierung ihres Lehrers erdacht.
Eine Installation haben sich die Studenten der Klasse Marcel Odenbach – darunter Beater Gärtner – zur Pensionierung ihres Lehrers erdacht. Foto: Endermann, Andreas (end)
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Für jeden Tag des Rundgangs gibt es ein Programm aus Musik, Lesungen, Spielen und Essen, am Samstag zum Beispiel eins mit dem geheimnisvollen Titel „Tante Selvas Kaffeesatz". Antonia Jücht, Pauline Rintsch, Alissa Ritter und ihre Tutorin Marie Schubert, die uns das Quilt-Ambiente stellvertretend für alle Beteiligten erläuterten, haben ganze Arbeit geleistet.

 Jiseong Boo aus der Klasse Dirk Skreber lässt auf seinem Ölgemälde „Lieferandino" zwei schnelle affenähnliche Lieferer vorüberfahren.
Jiseong Boo aus der Klasse Dirk Skreber lässt auf seinem Ölgemälde „Lieferandino" zwei schnelle affenähnliche Lieferer vorüberfahren. Foto: Endermann, Andreas (end)

Crossover-Kunst, die Verbindung unterschiedlicher Materialien, Stile und Genres, hat auch sonst ihren Platz auf dem Akademierundgang, wenn auch längst nicht so viel wie die in Düsseldorf schon immer bevorzugt gepflegte Malerei. Maya Spelleken aus der Klasse Gregor Schneider verbindet in ihrer Installation ein sieben Meter hohes, drei Meter breites Gemälde auf einem einzigen Stück Papier mit einer Neon-Schrift „The End". Sie will dieses Ensemble als Paradies und gleichzeitig als Hölle verstanden wissen. Einerseits stellt sie in wallenden Formen eine Neugeburt dar, eine innere Heilung, damit zugleich aber einen anstrengenden, schmerzhaften Prozess. Für alle ihre Arbeiten wählt sie ein solch riesiges Format. „Wenn ich male, kann ich nicht mehr aufhören", erläutert sie. "Bei mir kommt alles direkt aus dem Kopf, in einem Rutsch, ohne Vorzeichnung. Es ist wie ein Aderlass."

Gänzlich unsentimental wirkt dagegen eine Installation, die die Studentinnen und Studenten der Klasse Marcel Odenbach ihrem Lehrer zu dessen Pensionierung erdacht und ausgeführt haben. Ein Tischlein aus Dutzenden Exemplaren eines Buches, das sie zum Anlass verfasst haben, darüber eine Glühbirne in einer kargen Fassung, dahinter ein Stuhl – so minimalistisch erweist die Klasse dem weltbekannten Videokünstler die Ehre. Beate Gärtner, eine seiner Studentinnen, nennt den Titel der Publikation: „Sollte es zu Schwierigkeiten kommen".

Als Königsdisziplin der Kunst gilt Traditionalisten nach wie vor die Malerei, ihr Hort ist in der deutschen Hochschullandschaft die Düsseldorfer Akademie. Beim Rundgang bestimmt sie die überwiegende Fläche im zweiten Stockwerk. Nur hier und da greift sie zaghaft in die dritte Dimension aus, meistens bleibt sie ganz bei sich, während zumal in der Klasse Gregor Schneider Video, gefilmte Malerei, Objektkunst und Performance lebhaft zueinanderfinden. So geht es heute zu in Kunsthäusern und Akademien, nur nicht in Düsseldorf. Dort wird vor allem weiter gemalt, in der Klasse von Professor Andreas Schulze immerhin in Kombination mit Fotografie.

Auch in der Malerei hat Covid Spuren hinterlassen. Jiseong Boo aus der Klasse Dirk Skreber lässt auf seinem Ölgemälde „Lieferandino" zwei schnelle affenähnliche Lieferer vorüberfahren, während sich dahinter in einem gardinenlosen Mietshaus nicht minder affenhafte Menschen ihren Freizeitvergnügungen hingeben. Mag sein, dass bloß die Masken sie so tierisch verfremden.