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Düsseldorf: Erster Abschnitt der neuen Umweltspur ab den Herbstferien

Start in den Herbstferien : Neue Umweltspur verengt wichtige Pendlerroute durch Düsseldorf

Das erste Stück der großen Umweltspur in Düsseldorf wird bald markiert. Bis zu 20 Prozent weniger Autos kommen dann im morgendlichen Berufsverkehr durch. Autofahrer sollen umsteigen.

Die Stadtspitze hat die Pläne für die neue Umweltspur von  Wersten bis in die Innenstadt im Detail vorgestellt. In den Herbstferien soll der erste Abschnitt der neuen Sonderspur eingerichtet werden, für die ein Auto-Fahrstreifen wegfällt. Start ist Montag, 14. Oktober. Die Umweltspur beginnt südlich der Innenstadt hinter der A46-Ausfahrt „Düsseldorf-Zentrum“ und endet am Beginn der Corneliusstraße. Die Spur wird vorerst nur stadteinwärts markiert. Zugleich wird nördlich der Innenstadt über Kaiser- und Fischerstraße ein Radweg markiert, der später ebenfalls zur Umweltspur ausgebaut werden soll. Auch diese Spur wird nur stadteinwärts markiert. Die wichtigsten Infos:

Grund Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) verwies darauf, dass die drohenden Fahrverbote der Anlass für die Umweltspuren sei. Die von der Stadt ausgewählte Achse Südpark/Nordstern umfasst die Corneliusstraße, an der die offizielle Luftmessstation des Landesumweltamts steht. Weil dort die Grenzwerte für Stickoxide deutlich überschritten werden, droht das gerichtlich angeordnete Fahrverbot. Vorerst wird auf der Corneliusstraße selbst keine Umweltspur eingerichtet. Dies begründet die Stadt mit den schwierigen Bedingungen, unter anderem der geringen Breite. Allerdings erwartet die Stadt, dass der Autoverkehr durch die Verengung der Zulaufstrecke zurückgeht. Geisel betonte zugleich, dass die Umweltspuren nicht nur eine Reaktion auf die drohenden Fahrverbote seien. „Wir wollen Anreize für den Umstieg vom Auto auf leistungsfähigere Systeme schaffen“, sagte er. Geisel nannte insbesondere den öffentlichen Nahverkehr. Die Stadt will auch mehr Menschen zum Umstieg aufs Rad motivieren. Die Umweltspur ist in dieser Form eine Düsseldorfer Erfindung. Die Spuren sind freigegeben für Linienbusse, Fahrräder, E-Autos und Taxen. Dazu kommt inzwischen auch eine Freigabe für Fahrgemeinschaften mit drei oder mehr Insassen – ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt.

 Unsere Grafik zeigt den Verlauf der Umweltspur durch Düsseldorf.
Unsere Grafik zeigt den Verlauf der Umweltspur durch Düsseldorf. Foto: Ferl

Die „große“ Spur Die dritte, erheblich längere Spur war vom Verkehrsausschuss des Stadtrats Ende August genehmigt worden. Dabei kam es zu politischen Turbulenzen, weil die FDP überraschend nicht zustimmen wollte – obwohl sie bislang die Entwicklung der Umweltspuren befürwortet hatte. Die Liberalen befürchteten zu große Staus. Am Ende stand aber eine Mehrheit aus SPD, Grünen und Linken, die wegen der Sitzverteilung in dem Ausschuss ausreichte.

Die größte Änderung an der Strecke durch Wersten ist die Kreuzung der Umweltspur mit der Straße Auf’m Hennekamp. Autofahrer müssen sich von Wersten aus kommend an eine komplett andere Spurführung gewöhnen, es lässt sich aber weiterhin links und rechts abbiegen. Die Stadt will mit Info-Tafeln die Autofahrer leiten.

Die Umweltspur wird die Kapazität für den Autoverkehr auf der Strecke Südpark-Innenstadt deutlich verringern, da eine Fahrspur wegfällt. Im Tagesmittel werden nach Berechnungen der Stadt rund zehn Prozent weniger Pkw durchkommen, im morgendlichen Berufsverkehr geht die Kapazität um bis zu 20 Prozent zurück. Andererseits könnten Rheinbahn und Radfahrer schneller durchkommen. Geisel erhofft sich, dass die Gesamtzahl der Autos sinkt, weil viele Menschen wegen der neuen Schnellspur auf den ÖPNV oder auf Fahrgemeinschaften umsteigen. Dann würde auch der Autoverkehr flüssiger laufen. Die Spuren sind ein Verkehrsversuch. Die Folgen auf den Verkehrsfluss und die Luftqualität werden gemessen, nach einer Testphase soll über eine Weiterführung entschieden werden. Falls die Staus zu massiv werden, soll der Versuch sofort abgebrochen werden.

Die Umweltspur soll in mehreren Teilstücken eingerichtet werden, die Politik soll schon im November die nächsten Beschlüsse fällen. Das erste Teilstück im Norden der Innenstadt wird zunächst nur als Radweg markiert. Dies liegt laut Stadt daran, dass über die Strecke Kaiserstraße/Fischerstraße bis auf ein kurzes Teilstück kein Linienbus fährt. Um Verwirrung zu vermeiden, dürfen auf diesem Teil vorerst auch keine Fahrgemeinschaften verkehren. Die Spur wird aber so breit angelegt, dass sie später auch für den motorisierten Verkehr geöffnet werden kann, so lange die Fahrzeuge die Bedingungen der Umweltspur erfüllen.
Stärkung des ÖPNV Geisel und Verkehrsdezernentin Cornelia Zuschke berichteten von Bemühungen, um den Umstieg auf Bus, Bahn und Rad attraktiver zu machen – allerdings bei den meisten Punkten ohne Zeitplan. Vor allem Park&Ride steht im Fokus. Ein Parkhaus soll am Südpark entstehen. Auf der Ickerswarder Straße wird bald ein Parkplatz eingerichtet. Zuschke berichtet von Gesprächen mit umliegenden Kommunen über große Parkplätze, Düsseldorf hofft, dass viele Pendler vor der Stadtgrenze ihr Auto stehen lassen. Außerdem laufen Gespräche mit großen Arbeitgebern über Shuttle-Angebote. Geisel räumte ein, es wäre richtiger gewesen, mit den großen Park&Ride-Anlagen anzufangen und erst danach die Spuren zu markieren. Es herrsche aber durch das laufende Gerichtsverfahren Zeitdruck.