1. NRW
  2. Städte
  3. Dormagen

Sporthochschule Köln schlägt Sportinternat vor: Wird Knechtsteden Zentrum des Spitzensports?

Sporthochschule Köln schlägt Sportinternat vor : Wird Knechtsteden Zentrum des Spitzensports?

Von Carsten Sommerfeld

Von Carsten Sommerfeld

Noch ist es eine Idee, bleiben viele Fragen - aber Knechtsteden und das Norbert-Gymnasium könnten zu einem Zentrum des Spitzensports werden. Die Sporthochschule Köln, die seit Jahren mit dem Kreis kooperiert, sieht dort einen hervorragenden Standort für ein Sportinternat. Kreis Neuss und Schule wollen das Projekt vorantreiben. Stellten die Pläne für das Sportinternat vor: (v.l.) Dezernent Tillmann Lonnes, Professor Volker Rittner, Schulleiter Josef Zanders, Handball-Bundestrainer Heiner Brand, Uli Derad, TSV Bayer Dormagen, und Heinz-Peter König vom Teilzeit-Internat.

Mit der Vorstellung der Pläne am Mittwoch gab Professor Volker Rittner vom soziologischen Institut der Sporthochschule einen erste Teil der Vorschläge preis, die die Hochschule im Rahmen des "Masterplans Leistungssport" im Auftrag des Kreises Neuss erarbeitet. Am 29. September sollen die Ergebnisse präsentiert werden. Ziel ist es, die Potenziale im Leistungssport zu erkennen, zu bündeln und besser auszuschöpfen. Bedarf dafür sieht die Sport-Welt im und außerhalb des Kreises auf jeden Fall: "Die Zeiten sind einfach vorbei, dass wir Sportler zufällig im Spitzensport platzieren konnten. Der Trainingsaufwand ist heute zu groß", meint Handball-Bundestrainer Heiner Brand.

  • Sprecher für 34.000 organisierte Sportler in Neuss : Sport-Talk auf dem NGZ-Sofa mit SSV-Chef Meinolf Sprink
  • Mögliche Zeugen werden gebeten, sich mit
    Polizei prüft, ob Staatsschutz eingeschaltet wird : Unbekannte beschmieren Gesamtschule in Schermbeck
  • Gastgeber Josef Stepprath (von links) vom
    Sportwissenschaftler aus Brüggen ist Corona-Opfer : Trauer um Ehrenbürger Wildor Hollmann

Auch Karl-Martin Dittmann, Generalsekretär des Deutschen Ringerbundes, beobachtet in seiner Disziplin Probleme bei der Nachwuchs-Gewinnung - es hapere bereits an der Freistellung in den Schulen. Und Wolfram Ruth, Bundestrainer der Leichtathletik-Junioren, stellte fest: "Wir haben den besten Nachwuchs auf der Welt, aber wir haben ihn oft nur kurz. Viele gehen schnell." Ein kritischer Faktor sei die Zeit: "Jugendliche müssen im Leistungssport fünf bis zehn Mal wöchentlich trainieren." Da falle es schwer, Sport mit Schule oder Ausbildung zu vereinbaren. Und das macht sich bundesweit bemerkbar - die Zahl der Olympioniken sei deutlich niedriger als etwa vor zehn oder 15 Jahren. Erfolge in den neuen Bundesländern mit Internatsschulen zeigen laut Kreissportdezernent Tillmann Lonnes, dass in den alten Bundesländern noch ein gewaltiges Potenzial brach liegt - in Nordrhein-Westfalen gibt es nur vier Internate dieser Art.

Ein solches Sportinternat könnte nach den Vorstellungen des Kreises und der Sporthochschule nun in Knechtsteden entstehen. Sportwissenschaftler Rittner jedenfalls sieht viele Trümpfe: "Der Kreis und die Stadt Dormagen verfügen mit fünf Landesleistungsstützpunkten beim TSV Bayer Dormagen, dem Teilinternat Dormagen, dem Norbert-Gymnasium, Kloster Knechtsteden und dem Nievenheimer See sowie einer Tradition einer erfolgreichen Spitzensportförderung über ausgezeichnete infrastukturelle Voraussetzungen." Und auch der Zeitpunkt sei günstig - sozusagen "just in time", meint Rittner mit Blick auf aktuelle Äußerungen von Landesminister Dr. Michael Vesper. Viele Voraussetzungen sind bereits gegeben: Unterbringungsmöglichkeiten sieht Schulleiter Josef Zanders nebenan im Libermannhaus. "Dort könnten 50 bis 60 Internat-Plätze entstehen."

Natürlich muss auch der Spiritaner-Orden dieser Nutzung zustimmen. Und im Norbert-Gymnasium selbst - Weltklasse-Stabhochspringer Lars Börgeling etwa lernte schon dort - entstünden mit der Junior-Management-School und dem Medienzentrum neue Bausteine, die sich ideal für die Internatschüler nutzen ließen. Schließlich bräuchten Leistungsportler Medienkompetenz, und in der Junior-Management-School könnten die Jugendlichen praxisnah auf die Anforderungen der Wirtschaft vorbereitet werden. Acht Unternehmen haben bereits eine Zusammenarbeit zugesagt - darunter Gerling und Ford. "Man darf sich nicht auf die Produktion von Spitzenleistungen konzentrieren. Das pädagogische Konzept für das Sportinternat muss eine ganzheitliche Ausbildung vorsehen", ergänzt Professor Rittner - natürlich auch, um Sportlern nach der Karriere den beruflichen Wechsel zu erleichtern.

Seit Jahren nimmt sich die Stiftung Sport bereits dieser Aufgabe an. Positive Erfahrungen mit Internat-Lösungen liegen in Dormagen bereits vor: Auf dem Höhenberg wird seit 1997 ein Teilzeit-Internat für Nachmittagsstunden betrieben - in Zusammenarbeit des TSV Bayer Dormagen, des AC Ückerath, des Norbert-Gymnasiums und der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. Leiter Heinz-Peter König verweist auf Erfolge etwa im Fechten - so nahmen Internatsteilnehmer an Deutschen und Weltmeisterschaften teil. Das Teilzeit-Internat soll in das neue Sportinternat einbezogen werden. Zunächst aber sind etliche Fragen von der Finanzierung bis zur Trägerschaft zu klären. Auch die Schwerpunkt-Disziplinen stehen noch nicht fest. Nun sollen Gespräche des Kreises mit der Sportstiftung NRW und dem Land folgen. Und natürlich muss zunächst die Politik Grundsatzentscheidungen treffen.

(NGZ)