Mutmaßlicher Pädokriminellen-Ring: Polizei in NRW ermittelt gegen 14 Beschuldigte

Mutmaßlicher massenhafter Kindesmissbrauch : Polizei in NRW ermittelt gegen 14 Beschuldigte

Im Fall des massenhaften Missbrauchs von Kindern in NRW haben Polizei und Staatsanwaltschaft Köln neue Details bekanntgegeben. Demnach sind 14 Beschuldigte aus NRW im Visier der Ermittler. Zudem wurde ein weiterer Verdächtiger in Sachsen-Anhalt festgenommen.

Die Taten haben sich der Mitteilung von Donnerstag zufolge in Bergisch Gladbach, Viersen, Krefeld, Dortmund, Aachen, Alsdorf, Kamp-Lintfort und Langenfeld ereignet. Insgesamt werde gegen 14 Beschuldigte aus Nordrhein-Westfalen wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes kinderpornografischer Schriften ermittelt.

Zudem kündigten die Behörden an, wegen der „sich fortlaufend entwickelnden Ermittlungen“ künftig jeweils donnerstags eine kurze Übersicht über den Ermittlungsstand zu veröffentlichen. In NRW sitzen derzeit acht Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Am späten Nachmittag teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Köln in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Magdeburg zudem mit, dass ein 38-Jähriger aus Sachsen-Anhalt festgenommen wurde. Die Festnahme sei am Dienstagabend erfolgt, der Mann soll ein Mädchen aus seinem unmittelbaren Lebensumfeld missbraucht haben.

„Aufgrund erster Auswertungen von Chats, Videos und Fotos war Eile geboten, um die andauernde Gefahr für das Mädchen abzuwehren“, wird Einsatzleiter Michael Esser in der Mitteilung zitiert. Die Beweismittel seien nachts nach Magdeburg transportiert worden, die dortige Staatsanwaltschaft habe seine Wohnung durchsuchen lassen. Danach wurde der 38-Jährige festgenommen und sitzt inzwischen in Untersuchungshaft. Auch in Rheinland-Pfalz und in Hessen wurde jeweils ein Verdächtiger festgenommen.

Der Fall war Ende Oktober mit der Festnahme eines 42-Jährigen in Bergisch Gladbach ins Rollen gekommen. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung und seines Handys fanden die Ermittler Hinweise auf das Netzwerk.

Mehr als 200 Ermittler aus ganz NRW arbeiten an dem Fall, unter anderem geht es dabei um die Sichtung und Bewertung des kinderpornografischen Materials. Die Verdächtigen sollen dieses in Chat-Gruppen mit mehr als 1800 Mitgliedern ausgetauscht haben. Die Bilder und Videos sollen zudem teilweise den Missbrauch der eigenen Kinder der Beschuldigten zeigen.

Nach Recherchen unserer Redaktion gab es in dem Fall zudem eine Behördenpanne: Bereits am 10. Juni übergab die Polizei der Staatsanwaltschaft Kleve Akten über einen mutmaßlichen Täter im Großraum Wesel. Festgenommen wurde dieser aber erst am 25. Oktober. Auf eine Hausdurchsuchung bei dem Mann, die frühere Hinweise auf den mutmaßlichen Täterring hätte zutage fördern können, veranlasste die Staatsanwaltschaft Kleve nicht. NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) hat die Fehler bei den Ermittlungen kürzlich eingeräumt.

(kess)
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