Studienstart: Wie Buddys Studierenden aus Nicht-Akademikerfamilien helfen

Hochschule : Mit Buddys durchs erste Semester

An der Heinrich-Heine-Uni gibt es ein neues Hilfsprogramm für Studierende aus Nichtakademiker-Familien.

Die ersten Tage an der Hochschule sind schon verwirrend genug: Neue Leute, neue Umgebung, neue Anforderungen. Doch wenn man dann auch noch nie von Tutorien, Einführungswochen und Modulhandbüchern gehört hat, mit der Finanzierung des Studiums kämpft und überhaupt der erste aus der Familie ist, der an der Uni lernt, dann ist es doppelt schwer. Deshalb hat die Heinrich-Heine-Uni Düsseldorf das neue Programm „1stGeneration@HHU“ ins Leben gerufen, bei dem Erst- und Zweitsemester-Studierende von Buddys aus höheren Semestern unterstützt werden.

Das neue Programm reagiert auf eine weiterhin bestehende Einstiegshürde für das Studium von Kindern aus Nichtakademiker-Familien: Gemäß des Hochschulreports 2020 des Stifterverbandes nehmen von 100 Grundschülern aus solchen Familien später nur 21 ein Studium auf, wohingegen es bei Akademikerfamilien 74 von 100 Kindern sind. Die erfahrenen Senior-Buddys kommen dabei oft selbst aus Familien, in denen sie die Ersten sind, die ein Studium aufnehmen. Entsprechend teilen sie die Erfahrungen der neuen Studierenden.

Marie-Luise Hebestreit ist eine der acht Senior-Buddys, die jeweils einen Junior-Buddy bei seinem Einstieg ins Studium unterstützen. Sie promoviert inzwischen in Chemie und war in ihrer Familie selbst die erste, die studiert. „Ich habe es am Anfang nicht leicht gehabt, habe das Fach gewechselt. Ich hätte gerne jemanden gehabt, der mir auf Augenhöhe Tipps geben kann.“ Auch für Chiara Kunkel lief der Studieneinstieg nicht optimal: „Ich konnte durch das Nachrückverfahren erst verspätet in mein Studium starten und habe dadurch alle Einführungsveranstaltungen verpasst. Ich musste mir also alles selbst heraussuchen und mich am Campus und im Studium zurechtfinden.“ Zudem finanziert sich die 26-Jährige das Anglistik-Studium mit einem Kellner-Job. „Die Finanzierungsfrage ist gerade für Studierende aus Nichtakademiker-Familien ein Problem“, sagt Anna Hollstegge von der Koordinierungsstelle Diversity der Heine-Uni, die das Projekt betreut. „Die Eltern können sie in vielen Fällen nicht unterstützen. Zudem verstehen sie häufig nicht, was die Kinder mit einem Studium anfangen wollen. Gerade wenn es nicht auf klare Berufsbilder wie Arzt oder Anwalt hinausläuft.“

Mit ihrer Studienerfahrung helfen die Buddys den Jüngeren mit vielen Tipps rund um das Unileben und geben ihnen das Gefühl, nicht allein zu sein. „Ziel ist es, den Junior-Buddys den Studienstart und das Studium zu erleichtern und ihnen die vielseitigen Unterstützungsangebote auf dem Campus vorzustellen. Ein schöner Nebeneffekt ist dabei, dass sich engagierte Persönlichkeiten vernetzen und sich gegenseitig bis zum erfolgreichen Abschluss unterstützen können“, sagt der Prorektor für Strategisches Management und Chancengerechtigkeit, Professor Klaus Pfeffer. Außerdem erhalten die Senior-Buddys ein Zertifikat über ihren Einsatz, das Bewerbungen um Jobs und Stipendien bereichern kann.

Mit ihren Junior-Buddys kommunizieren Marie-Luise, Chiara und die anderen übrigens oft über WhatsApp, es gibt aber auch Treffen und gemeinsame Veranstaltungen. „Eine Frage, die wirklich alle beschäftigt, ist die, wie man eine Hausarbeit schreibt“, sagt Buddy Fabian Gümüsdagli, der Psychologie im Master studiert. „Da herrscht eine große Unsicherheit und Angst davor, etwas falsch zu machen. Meinem Junior-Buddy hat zum Beispiel auch noch nie jemand erklärt, wie man ein Referat sinnvoll strukturiert. Dabei helfe ich ihm.“ Durch das Projekt erhalten die Studienanfänger das geballte Schwarmwissen der erfahrenen Buddys und außerdem Infos zu Angeboten auf dem Campus, wie etwa Workshops zum Thema „Wissenschaftliches Schreiben“ oder das Sozialreferat des Astas, das rund um Studienfinanzierung und Bafög berät.

Die wichtigsten Tipps der Buddys für Erstsemster lauten übrigens: „Es kann durchaus mal richtig schwierig werden mit dem Studieren. Gerade auch wenn man zweifelt, ob das Studium das richtige ist. Man sollte auf jeden Fall den Mut haben, Hilfe anzunehmen. Man muss es nicht alleine schaffen“, sagt Marie-Luise Hebestreit. Fabian Gümüsdagli rät, sich intensiv damit zu beschäftigen, welche Fächer man wirklich belegen muss, Stichwort Modulhandbuch. „Sonst will ich nachher eine Prüfung machen, habe aber gar nicht die nötigen Kurse dafür gemacht. Aber Spaß haben sollte man natürlich auch“, sagt er.

Das findet auch Chiara Kunkel: „Man sollte die Studienzeit genießen. Wichtig ist auch zu wissen: Man muss nicht in der Regelstudienzeit fertig werden. Viele Arbeitgeber schätzen auch, wenn man nebenbei gearbeitet hat oder sich ehrenamtlich engagiert hat.“ Also genau so wie die Buddys es tun.

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