Kolumne Studentenleben Brotlose Kunst?

Den Lebensunterhalt mit künstlerischer Arbeit verdienen kann manchmal schwerer sein als in anderen Berufen. Mit der richtigen Einstellung und Engagement kann es gelingen.

Luis Küffner studiert Generative Kunst an der Universität der Künste in Berlin.

Luis Küffner studiert Generative Kunst an der Universität der Künste in Berlin.

Foto: privat

Wie werde ich einmal mein Geld verdienen? Gibt es überhaupt feste Arbeitsplätze oder Arbeitgeber, die zu meinem Profil passen? Oder werde ich selbstständig arbeiten? Fragen wie diese haben sich mir immer wieder zu verschiedenen Zeitpunkten während meines künstlerisch-musikalischen Studiums gestellt. Während bei vielen Studiengängen nach dem Abschluss ein mehr oder weniger sicherer Arbeitsplatz feststeht, ist dies bei künstlerischen Ausbildungen oft weniger der Fall.

Das liegt vor allem daran, dass es für künstlerische Berufe eine schwächer ausgeprägte Infrastruktur zur Monetarisierung gibt. Man überlegt also, welche Art von Dienstleistungen man anbieten kann oder in welchen Branchen es überhaupt feste und inhaltlich passende Stellen gibt. Genauso wird einem bewusst, dass Kulturförderungen und Institutionen eine große Rolle spielen, schließlich fließt dort das meiste Geld.

Den Lebensunterhalt mit freier künstlerische Arbeit verdienen zu können, ist Privileg, Herausforderung und Traum zugleich. Denn nicht jede Person kann einfach so Kunst machen, ohne sich dabei Gedanken zur Selbstfinanzierung zu machen. Ein verbreitetes und häufig anzutreffendes Klischee ist es, dass Kunstschaffende entweder aufgrund von Erbschaft oder der großzügigen finanziellen Unterstützung ihrer reichen Eltern abgesichert sind. Genauso ist aber in den Köpfen das Bild des armen Künstlers präsent, der sich zwar vollständig seiner Kunst verschrieben hat, aber dennoch am Existenzminimum lebt. Stichwort brotlose Kunst. Es ist schließlich eine Herausforderung, künstlerisch zu arbeiten und damit ein vernünftiges Einkommen zu generieren. Ursachen sind dafür unter anderem geringe Vergütungen, häufig unbezahlt verrichtete Arbeit und eine generell unsichere Auftragslage, die meist mit Ausschreibungen und Wettbewerben verknüpft ist. Für viele ist es daher ein Lebensziel, eine Existenz allein durch ihre künstlerischen Fähigkeiten aufzubauen.

Dennoch sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken. Es gibt durchaus Möglichkeiten, durch eine proaktive, offene, aber auch realistische Haltung, ein Einkommen durch künstlerische Arbeit im weitesten Sinne zu erzielen. So kann künstlerische Arbeit auch nur einen Teil des Einkommens ausmachen, wenn der andere beispielsweise aus einem regelmäßigen Arbeitsverhältnis stammt. Indem man alternative Lebensentwürfe zum „Nine-to-five“-Job ernst nimmt und wertschätzt, gibt man sich die Möglichkeit und Hoffnung, ein künstlerisch erfülltes Leben führen zu können – und das ganz ohne Existenzängste.

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