Kaderschmiede für den Klerus: Weltweit gibt es 56 päpstliche Unis

Hochschule : Kaderschmiede für den Klerus

Weltweit gibt es 56 päpstliche Universitäten. Die Lateran-Universität in Rom gibt sich modern und weltoffen.

Jeder, der einmal in rom war, kennt wohl Petersdom und Vatikan. Zwischen beiden Sehenswürdigkeiten liegt, der von vielspurigem Verkehr umflossene Lateran am anderen, östlichen Rand der römischen Altstadt etwas abseits. Dafür sind Basilika und Universität besser mit der Metro erreichbar. Weil Papst Clemens XIV. 1773 den Jesuitenorden verboten und dessen Kaderschmiede geschlossen hatte, musste er eine neue Hochschule gründen, um seinem Klerus eine gediegene Ausbildung zukommen zu lassen. In den bald 250 Jahren seit ihrer Gründung erweiterte die Lateran-Universität ihr Lehrangebot und wechselte mehrfach den Standort.

Heute befindet sie sich dort, wo Anfang des 4. Jahrhunderts die Unterkünfte der berittenen Elitetruppen von Kaiser Maxentius standen. Nachdem dessen Niederlage 312 n. Chr. gegen Konstantin ließ dieser die Kaserne schleifen und baute dort die künftige Bischofskirche Roms, die Lateranbasilika. Daneben, ebenfalls auf exterritorialem Gelände des Vatikan, ist heute der hochmoderne Campus der „Lateranense“ untergebracht.

Rund 4.000 Frauen und Männer studieren dort Philosophie, katholische Theologie, kanonisches und ziviles Recht. Unter ihnen sind neben den Priesteramtskandidaten des Bistums Rom Anwärter anderer italienischer Diözesen, einige ausländische Seminaristen sowie zahlreiche andere Studentinnen und Studenten aus insgesamt rund 100 Ländern.

Neben den vier Fakultäten gibt es angegliederte Institute und Lehrstühle. Zuletzt wurde im Februar auf Anregung des aktuellen Bischofs von Rom ein Studiengang zur Ausbildung von Friedensarbeitern eröffnet. Dieser ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität und eines vor einem Jahr gegründeten eigenen Lehrstuhls „Gaudium et spes“, welcher wiederum zu dem 1981 gegründeten „Päpstlichen Institut Johannes Paul II.“ gehört.

Wie viele katholische Hochschulen ist auch die Lateran-Universität national und international mitunter komplex vernetzt. So gehört zu ihr auch die Päpstliche Akademie Alfonsiana, ein höheres Bildungsinstitut für Moraltheologie; das befindet sich allerdings im Stadtviertel Esquilino.

Die jährlichen Orientierungstage für Oberschüler, mit denen die Universität des Papstes für sich wirbt, stecken ziemlich genau das Terrain ab, auf dem sich die angehenden Geisteswissenschaftler fortbilden können. Angeboten werden an diesen Tagen Vorlesungen und Diskussionen zu „Beziehungen zwischen Philosophie und Wissenschaft“, „Recht und Gesetz als Spielregeln einer Gesellschaft im Wandel“ sowie „Politik und Institutionen im Dienst des Friedens“.

Seit gut einem Jahr steht erstmals ein Nicht-Kleriker an der Spitze der Universität des Papstes: Franziskus ernannte den Juristen Vincenzo Buonomo, zuvor Dekan der zivilrechtlichen Fakultät, zum Rektor. Buonomo ist Experte für Internationales Recht und leitete zudem die Vertretung des Heiligen Stuhls bei den Einrichtungen der Vereinten Nationen in Rom.

Ursprünglich war die Lateran-Universität eine reine Ausbildungsstätte für den Klerus des Bistums Rom: eine eigene Fakultät für Theologie und Philosophie für die Priesteranwärter des Papst-Bistums. Leo XII. verlegte deren Sitz 1824 in den Palazzo di Sant‘Apollinare nördlich der Piazza Navona, Pius IX. errichtete dort 1853 zusätzlich Fakultäten für Kanonisches Recht und Zivilrecht sowie das Päpstliche Institut utriusque iuris.

Pius XII. verlegte 1958 den Sitz der mittlerweile als „Athenaeum Lateranense“ bezeichneten Bildungseinrichtung auf den Lateran, neben die Basilika und das Priesterseminar. Ein Jahr später, 1959, verlieh Johannes XXIII. ihr den Titel „Päpstliche Lateran-Universität“. Das Amt des Großkanzlers der Universität wird regelmäßig vom Kardinalvikar des Bistums Rom ausgeübt, aktuell von Kardinal Angelo De Donatis.

Den Titel einer Päpstlichen Universität tragen weltweit 56 Hochschulen. In Rom gehören zu den „Päpstlichen“ sonst vor allem die Universitäten großer Ordensgemeinschaften: das Antonianum der Franziskaner, die Gregoriana der Jesuiten, die der Salesianer Don Boscos, Santa Croce der Laienbewegung Opus Dei, Thomas von Aquin der Dominikaner sowie die Urbaniana der Kongregation für die Evangelisierung der Völker.

Auf den Titel „Universität des Papstes“ legten insbesondere Johannes Paul II. (1978-2005) und Benedikt XVI. (2005-2013) großen Wert. Beide suchten die Hochschule zu fördern. Nach dem Papst aus Deutschland ist auch das „Auditorium maximum“ benannt. Neben der üblichen Infrastruktur mit Hörsälen, Seminarräumen, Bibliotheken und Mensa und Cafeteria bietet die Uni, wie es sich für eine katholische Einrichtung gehört, zwei Mal täglich eine Messe an: meist in der modern gestalteten, weiß und gelb gehaltenen Kapelle, größere Gottesdienste in der benachbarten Kathedrale.

In den Wochen vor Ostern gibt es zudem geistliche Einkehrtage außerhalb Roms. Die 2012 vorgestellte offizielle Universitätshymne trägt den programmatischen Titel „Christus unsere Weisheit, Same unserer Hoffnung“.

Der Name Lateran übrigens geht auf die ursprünglichen Eigentümer dieses Hügelareals zurück: die römische Familie der Laterani. Nachdem Kaiser Nero deren Grundstück im Jahr 65 konfiszierte, nutzten er und seine Nachfolger den Hügel für diverse Zwecke.

(kna)
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