RWTH Aachen und Uni Bonn als Elite-Unis ausgezeichnet - millionenschwere Förderung

Köln verliert Titel : Aachen und Bonn als Elite-Unis ausgezeichnet

Zwei NRW-Hochschulen dürfen sich „exzellent“ nennen – sie bekommen millionenschwere Fördermittel. Die Universität Köln hingegen verliert den Titel. Heidelberg punktet trotz Skandal.

Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und die RWTH Aachen sind von Bund, Ländern und Wissenschaftlern mit dem Prädikat „exzellent“ ausgezeichnet worden. Das teilte am Freitag Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) im Namen der Exzellenzkommission in Bonn mit. Damit erhalten die Hochschulen für die kommenden sieben Jahre eine jährliche Förderung von insgesamt 148 Millionen Euro. 75 Prozent davon bezahlt der Bund, 25 Prozent das Land. Die Förderung beginnt Anfang November.

Neben den zwei NRW-Hochschulen erhalten den Exzellenzstatus auch die TU Dresden, die Uni Hamburg, die Uni Heidelberg, das Karlsruher Institut für Technologie, die Uni Konstanz, die LMU München, die TU München, die Uni Tübingen sowie der Forschungsverbund aus Berliner Humboldt-Uni, der dortigen TU und der Freien Universität. Ihren Status verloren haben die Unis in Köln und Bremen. „Wir mussten uns heute noch einmal für die Besten der Besten entscheiden“, sagte Karliczek über die Auswahl. An der Kölner Uni, die seit 2012 den „Exzellenz“-Titel getragen hatte, war die Enttäuschung nach der Verkündung groß. „Wir sind in einem harten Wettbewerb mit den besten deutschen Universitäten unterlegen“, sagte Rektor Axel Freimuth.

Insbesondere die erneute Auszeichnung der Universität Heidelberg überrascht. Denn die Hochschule hatte zuletzt mit einem Skandal Schlagzeilen gemacht. Im Februar hatte die Uniklinik mit einer groß angelegten Kampagne einen Bluttest zur Brustkrebs-Früherkennung vorgestellt. Der Klinikleitung war zu diesem Zeitpunkt jedoch bewusst, dass die Wirksamkeit des Tests wissenschaftlich bisher nicht nachweisbar war.

In der ersten Phase der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern hatten im vergangenen September bereits 34 Unis Geld für bestimmte Forschungsfelder erhalten. So wird in Bonn ein Robotik-Projekt unterstützt, in Bochum eines zu Cyber-Sicherheit. In Münster wird eine Untersuchung zur Verflechtungen von Religion und Politik gefördert. Diese sogenannten Exzellenzcluster, in denen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Institutionen an einem Projekt zusammenarbeiten, bekommen insgesamt 385 Millionen Euro im Jahr. Bei den nun gekürten Exzellenzuniversitäten steht dagegen die dauerhafte Strategie zur Spitzenforschung im Fokus. Nach Angaben der Landesregierung nimmt NRW mit zwei Exzellenz-Unis sowie 14 Exzellenzclustern bundesweit eine Spitzenposition ein und hat seine Bilanz im Vergleich zur Entscheidung von 2012 um vier Cluster ausgebaut.

Bund und Länder hatten sich erst 2016 nach monatelangem Gezerre auf eine Fortsetzung der Exzellenzinitiative geeinigt – unter dem neuen Namen „Exzellenzstrategie“. Der Wettbewerb war im Jahr 2005 zum ersten Mal ausgelobt worden und fand nun zum vierten Mal statt. Für die Universitäten ist der diesjährige Durchgang von besonderer Bedeutung (hier finden Sie alle wichtigen Infos zu den Unis in NRW). Denn der Status „exzellent“ wird quasi auf Dauer vergeben. Nach der siebenjährigen Förderung müssen die Unis lediglich wieder zwei erfolgreiche Cluster-Anträge durchsetzen. Experten zufolge ist dieses Kriterium leicht zu erfüllen.

Studentenvertreter verschiedener Hochschulstädte sprachen sich in einer gemeinsamen Erklärung gegen den Wettbewerb aus. Sie sehen die Gefahr eines „Zwei-Klassen-Systems“ und kritisieren, dass einige wenige Universitäten nun in den Genuss einer massiven finanziellen Unterstützung kämen, während der Rest mit enormen finanziellen Problemen kämpfen müsse.

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