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Johan Simons krempelt Schauspiel Bochum um

Schauspielhaus : Simons krempelt Bochumer Theater um

Der frühere Chef der Ruhrtriennale hat eigenwillige Pläne für das Theater in der Ruhrgebietsstadt.

Der Antritt von Johan Simons als Intendant des Bochumer Schauspielhauses ist auch eine Geschichte der Verschmelzung zweier Systeme: In den vergangenen drei Jahren hat der 71-jährige Niederländer die Ruhrtriennale geleitet und dabei das freie, genreübergreifende und produktionsorientierte Arbeiten für ein internationales Festival-Publikum schätzen gelernt. Mit seinem Dramaturgie-Team aus dieser Zeit überträgt er jetzt Elemente davon auf das traditionsreiche Ruhrgebiets-Theater, das kaum jemals solch eine tief greifende Umwälzung erlebt hat.

Natürlich hat Johan Simons das Ensemble fast komplett neu aufgestellt – große Schauspieler sollen weiter den Kern des Hauses bilden: Neben Stars wie Sandra Hüller und Jens Harzer, die in Simons‘ Koproduktion mit den Salzburger Festspielen „Penthesilea“ auf der Bühne stehen, sind das Darsteller wie Mourad Baaiz oder Jing Xiang, die kulturelle Einflüsse aus der ganzen Welt mitbringen. „Es geht um Vielheit“, sagt Chefdramaturg Vasco Boenisch, „darum, die heutige Gesellschaft besser abzubilden.“

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Simons wird selbst drei weitere von 17 Neuinszenierungen besorgen: Die Eröffnung mit Lion Feuchtwangers „Die Jüdin von Toledo“ am 1. November, die Zusammenführung zweier Romane Michel Houellebecqs „Plattform / Unterwerfung“ und einen weiblich besetzten „Hamlet“. Daneben inszenieren Regisseure wie Theatertreffen-Dauergast Herbert Fritsch (Marquis de Sades „Die Philosophie im Boudior“), Milo Rau (eine moderne „Oresteia“) und Liliane Brakema („Leonce und Lena“).

Wie radikal Johan Simons das System Stadttheater in eine offenere Zukunft führen will, wird allerdings jenseits der Ensemble- und Repertoire-Entscheidungen deutlich: Die Kammerspiele macht er zum „En Suite“-Theater, das heißt Inszenierungen wie das dataistische Cyber-Acapella-Musical „New Joy“ von Eleanor Bauer werden dort mehrere Wochen am Stück zu sehen sein – und sind dann abgespielt. „Das hat den Vorteil, dass die Künstler praktisch im Bühnenbild wohnen können und es nicht immer wieder abgebaut werden muss“, sagt Simons, der generell weg will von knappen Vorbereitungs- und Probenzeiten.

Das ehemalige Theater Unten wird zum „Oval Office“, einem täglich bei freiem Eintritt geöffneten Raum für (Klang-)Kunstinstallationen. Ab April zeigt dort zum Beispiel der dann 83-jährige Minimal-Music-Pionier Terry Riley seinen „Time Lag Accumulator III“. Und mit der Zeche 1, die genau wie das Tanz- und Performance-Zentrum PACT Zollverein in Essen eine ehemalige Waschkaue ist, holt sich das Schauspielhaus Bochum einen Raum zurück, in dem in den 1990er Jahren Reinhild Hoffmann legendäre Tanz-Produktionen erarbeitet hat. Auch Johan Simons will dort eine eigene Tanz-Sparte etablieren, die Uraufführungen produziert.

Nach 17 Jahren am Berliner Ensemble wirkt Miriam Lüttgemann in Bochum als stellvertretende Intendantin. Sie sagte auf der Spielzeitvorstellung Sätze, die aufhorchen ließen: „Der VfL Bochum spielt in der zweiten Liga, das Schauspielhaus Bochum hoffentlich bald wieder in der ersten. Vielleicht auch, indem wir Leute zurückbringen nach Bochum: Claus Peymann, Leander Haußmann.“ Man darf gespannt sein, was daraus wird.