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So gut ist "Artemis" von Andy Weir, dem Autor von "Der Marsianer"

Buchkritik "Artemis" : Originell genug

Fünf Millionen Mal hat sich "Der Marsianer" weltweit verkauft. Der Nachfolger "Artemis" ist Ganoven-Thriller statt Kammerspiel, etwas konventioneller, aber ebenso leicht verdaulich trotz schwerer Nerdigkeit.

In den 2080er Jahren ist der Mond permanent, wenn auch rudimentär besiedelt: Die erste und bislang einzige Kuppel-Kleinstadt Artemis wurde der lebensfeindlichen Umgebung von einer patenten Unternehmerin aus Kenia abgetrotzt. Zwischen Atomkraftwerk, Aluminiumhütte und dem Apollo-11-Freilichtmuseum wächst Jasmine "Jazz" Bashara auf, die hochbegabte, aber rebellische Tochter eines Schweißers, die sich mit Mitte zwanzig als Paketbotin und Schmugglerin durchschlägt – arm, aber frei.

Die Protagonistin ist ein Verschnitt aus viel Han Solo ("Star Wars") und etwas Captain Kirk ("Star Trek"), ihre streng hierarchisch organisierte Welt erinnert an jene der Netflix-Serien "The Expanse" und "Ascension" - im Grundsatz originell ist das nicht, aber originell genug, weil souverän zitiert und neu zusammengesetzt. Und erneut verwandelt der spätberufene Autor Andy Weir sein hemmungsloses Nerdtum in ein erstaunlich leicht lesbares Buch (40-seitige Leseprobe hier).

Dabei spielt er mit Stereotypen über Nationalitäten, Religionen und sexuelle Orientierungen: Angenehm vertraut wirken deshalb etwa Jazz' grummeliger, streng muslimischer Vater, der ukrainische Hacker Svoboda sowie der Sicherheitschef der Mondstadt, der zuvor lange als berittener Polizist ("Mountie") in Kanada für Recht und Ordnung gesorgt hatte.

Trotzdem sind es am Ende weniger die Charaktere, die dafür sorgen, dass der klassische Verschwörungs-Thriller-Plot nicht langweilig wird. Es ist das in angenehmem Maße exotische und futuristische, maximal glaubhafte Universum, das Weir schafft - bevölkert von Menschen mit Ehrgeiz und Talenten, aber auch Kleingeistigkeit, Gier und Hang zur Gewalt.

Der Mann im Mond ist nicht besser als wir. Woher auch?