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Kolumne: Total Digital: Auf der Suche nach W-Lan und Strom

Kolumne: Total Digital : Auf der Suche nach W-Lan und Strom

Drei Tage Offline-Urlaub auf unbekanntem Terrain wurden digitaler als gedacht. Die Wünsche gingen allerdings auf Kosten der Haarpflege.

Zurzeit habe ich Besuch von Freunden aus Deutschland. Am Wochenende waren wir drei Tage zelten auf San Juan Island bei Vancouver. Auf der ganzen wunderschönen Insel gibt es praktisch keinen Mobilfunkempfang außer dem kanadischen Roger-Netz, das vom nahegelegenen kanadischen Vancouver Island herüberstrahlt. Da sich unsere Smartphones ständig per Roaming ins teure Auslandsnetz einklinken wollten, waren wir nahezu immer im Flugzeugmodus.

Außer natürlich auf unserem Campingplatz, denn dort gab es freies W-Lan. Wir waren nicht die einzigen, die morgens und abends die Bänke vor der kleinen Hütte belagerten. Stets gab es dort eine kleine Traube von Gästen, die ihre E-Mails abriefen, Google-Karten speicherten und von ihren Erfahrungen und Plänen erzählten. Früher brüteten Reisende an solchen Treffpunkten gemeinsam über Landkarten, heute schickt man sich gegenseitig Links.

Die Suche nach W-Lan zog eine weitere Konsequenz nach sich: die Suche nach Steckdosen. In meinem Jeep kann ich zwar zwei Smartphones per USB-Adapter im Zigarettenanzünder gleichzeitig aufladen. Da wir das Auto aber kaum bewegten, hätte das ständige Aufladen im Stand die Autobatterie zu sehr belastet. Auch mit diesem Problem waren wir nicht allein: In den Toiletten und Duschräumen war jede freie Steckdose ständig mit einem Smartphone im Ladezustand belegt. Wer sich dort etwa föhnen oder elektrisch rasieren wollte, hatte schlechte Karten. Doch ich habe nicht mitbekommen, dass sich jemand beschwert hätte. Dass digitale Bedürfnisse auf Kosten trockener Haare und glatter Gesichtshaut gestillt werden müssen, war Konsens.

Der beste Service war allerdings der Ladekiosk an der Empfangshütte. Bis zu fünf Smartphones oder Mini-Tablets konnten hier gleichzeitig in kleinen Schließfächern aufgeladen werden. Dazu schloss man sein Mobilgerät an ein passendes Kabel an und steckte seine Kreditkarte in den Automaten. Die Karte wurde nicht belastet, denn das Aufladen war kostenlos. Sie diente nur der Identifizierung zum Schließen und Öffnen des Faches. Meine deutschen Freunde kamen aus dem Staunen kaum heraus. Ich selbst nehme es inzwischen fast selbstverständlich hin, dass ich in den USA beinahe an jeder Burgerbude freies W-Lan und eine Steckdose bekomme. Auf einem Campingplatz hätte ich allerdings auch nicht damit gerechnet. So wurde der Kurztrip dann doch digitaler als geplant.

Ulrike Langer ist freie Korrespondentin an der US-Westküste und Digital-Expertin. Ihre Meinung? Schreiben Sie unserer Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)