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Craigslist: Im Internet auf Schnäppchenjagd

Total Digital : Im Internet auf Schnäppchenjagd

Der Internet-Marktplatz Craigslist lässt mobile Flohmarkt-Apps alt aussehen. Dabei hat sich das Design der Website seit 2006 nicht verändert. Den Nutzern ist das offenbar egal.

Seit der vergangenen Woche besitze ich vier Fahrräder. Zu meinem uralten Rennrad und einem Billig-Mountainbike sind nun noch ein richtig gutes Rennrad und ein richtig gutes Mountainbike hinzugekommen. Beides waren echte Schnäppchen, gefunden auf dem Internet-Marktplatz Craigslist.

Die lokale Handelsplattform ist ein echtes Phänomen und im amerikanischen Alltag allgegenwärtig. In Deutschland sagt man "Maggi" zu Suppenwürze. In den USA stellt jemand etwas bei Craigslist ein, wenn er etwas loswerden will, was er nicht mehr braucht.

Die Website ist in Internetjahren gemessen fast schon ein Dinosaurier. Sie existiert seit 2006 und ist mittlerweile weit über die USA hinaus in mehr als 700 Städten in 70 Ländern aktiv. In Deutschland hat sich die Seite allerdings bisher nicht wirklich durchgesetzt. Das ist im Heimatland USA anders.

Mit seinen kostenlosen Annoncen, die nach und nach immer mehr Sparten umfassen und inzwischen teilweise kostenpflichtig sind, hat Craigslist-Gründer Craig Newmark in den USA quasi im Alleingang das Kleinanzeigengeschäft der lokalen Zeitungsverlage halbiert. Mittlerweile macht sein Unternehmen rund 870 Millionen Euro Umsatz pro Jahr. Neben Fahrrädern und Trödel aller Art werden Gebrauchtwagen, Ferienwohnungen, Jobangebote und Dienstleistungen gehandelt.

Inzwischen gibt es längst schickere mobile Flohmarkt-Apps mit integrierten Bezahlfunktionen und GPS-basiertem lokalem Radar. Craigslist bietet weder eine Möglichkeit zum sicheren Geldtransfer an (wozu auch, die Ware wird vor Ort gegen Bargeld übergeben), noch eine Möglichkeit, sich in den verwirrenden Untermenüs zurechtzufinden (so sucht man eben wie in der Internetfrühzeit, bevor es Google gab). Das Design der Seite hat sich seit 2006 nicht verändert. Dennoch können die innovativeren Wettbewerber mit dem altmodischen Craigslist bislang nicht mithalten. Der Netzwerkeffekt greift bei dieser Plattform ebenso wie bei Ebay, Amazon oder Facebook: Es ist sinnvoll, dort zu sein, wo alle anderen auch sind.

Seine große Stärke entfaltet Craigslist vor allem beim Handel mit Gegenständen, deren Versandkosten den Restwert übersteigen würden. Ein Kicker für 13 Euro, ein Airhockeytisch für weniger als 18 Euro - mein Haus ist voll von solchen Dingen, die ich irgendwann mal bei Craigslist gefunden habe. Zwei alte Fahrräder muss ich jetzt demnächst mal loswerden. Jetzt raten Sie mal, wo...

Ulrike Langer ist freie Korrespondentin an der US-Westküste und Digital-Expertin. Ihre Meinung? Schreiben Sie der Autorin: kolumne@rheinische-post.de

(RP)