Holpriger Start im Early Access „No Rest for the Wicked“ – wie gut läuft der neue Titel der Ori-Macher?

Düsseldorf · Mit „No Rest for the Wicked“ wagen sich die österreichischen Entwickler der Moon Studios in ungewohnt brutale Gefilde. Kannte man sie bisher doch von so freundlichen Spielen wie „Ori and the Will of the Wisps“.

Die Geschichte wird in schön gezeichneten Zwischensequenzen erzählt.

Die Geschichte wird in schön gezeichneten Zwischensequenzen erzählt.

Foto: Moon Studios GmbH/Screenshot

No Rest for the Wicked“ (deutsch: Keine Ruhe für die Gottlosen) ist am frühen Abend des 18. April 2024 auf Steam im Early Access gestartet. Doch die Bilanz der Bewertungen dort ist drei Stunden später durchwachsen. Von 909 Einträgen sind nur 59 Prozent positiv. Kein guter Start. Wir haben die Zeit genutzt und uns selbst ein Bild gemacht.

Was ist „No Rest for the Wicked“?

„No Rest for the Wicked“ sieht aus wie ein Hack&Slay à la Diablo, setzt aber auf Mechaniken wie Dark Souls. Die Kämpfe müssen mit Bedacht geführt werden. Wer die Bewegungen des Gegners nicht liest und hastig zuschlägt, wird unweigerlich auf die Mütze bekommen.

Erholt wird sich an Lagerfeuern, ganz wie in Dark Souls. Aber anders als dort, gibt es noch einmal andere Punkte zum Speichern. Auch ist eher die Ausrüstung für den Spielstil entscheidend, die Attributspunkte der Spielfigur dienen eher unterstützend. Wer sich zu viel auflädt, muss mit einem langsameren Charakter zurechtkommen. Wer in Geschicklichkeit Punkte steckt, sollte Waffen verwenden, die von diesem Attribut profitieren.

 Lagerfeuer dienen zur Erholung und zum Zubereiten von Speisen.

Lagerfeuer dienen zur Erholung und zum Zubereiten von Speisen.

Foto: Moon Studios GmbH/Screenshot

Standesgemäß hat der Entwickler seinem Titel ein aufwendiges und ungewöhnliches Artdesign spendiert, das auf starke Kontraste und kräftige Farben setzt. Flora, Fauna und Figuren wirken wie mit dem Pinsel gemalt. Die Spielwelt steckt zudem voller versteckter Ecken, die es sich zu erkunden lohnt. Auch das Freischalten von Abkürzungen, ganz wie in Dark Souls, gehört dazu. Ebenso wie das Anschleichen und der mächtige Backstab-Angriff.

Warum sind die Bewertungen auf Steam so schlecht?

Die Beschwerden auf Steam lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Probleme mit der Performance und nicht erfüllte Erwartungen.

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Foto: Square Enix

Zur Performance: Auf unserem System (AMD Ryzen 5700X, 32GB Ram, Nvidia RTX 4070 Super) läuft das Spiel weitestgehend reibungslos im Bereich von 60 Bildern pro Sekunde. Es gibt immer mal kleinere Ruckler, die insbesondere beim Zerschlagen von Fässern und Kisten auftreten. Eine Unspielbarkeit, von der auf Steam berichtet wird, können wir jedoch nicht feststellen. Auch läuft das Spiel bei uns problemlos in einer 21:9-Auflösung von 3440x1440.

Allerdings nimmt das Spiel schon ganz ordentlich Ressourcen in Anspruch. Wir verbuchen grob zehn Gigabyte belegten Grafikspeicher, was für ein Spiel dieser Bauart ungewöhnlich ist. Auch läuft die GPU durchweg im 90+ Prozentbereich. Nvidia hatte einen entsprechenden GameReady-Treiber noch am gleichen Tag veröffentlicht, den man definitiv installiert haben sollte. Die CPU hingegen scheint nicht der limitierende Faktor zu sein.

Wer einen tieferen Einblick bekommen möchte, welche Technik im Spiel steckt und warum die Hardware-Anforderungen so sind wie sie sind, dem sei das Video der Digital Foundry empfohlen.

An diesen blau leuchtenden Stellen kann der Fortschritt gespeichert werden.

An diesen blau leuchtenden Stellen kann der Fortschritt gespeichert werden.

Foto: Moon Studios GmbH/Screenshot

Zu den unerfüllten Erwartungen: Viele Spieler klagen darüber, dass die Kämpfe zu langsam seien, das Inventar zu klein, die Steuerung nicht anpassbar und DLSS ist auch noch nicht verfügbar. Wer sich zuvor Trailer angeschaut hat, müsste eigentlich erkannt haben, dass Moon Studios den Dark-Souls-Weg geht und dürfte über eine gewisse Trägheit der Spielfigur und die üblichen Einschränkungen im Inventar nicht überrascht sein.

Eine anpassbare Steuerung kann man zwar beklagen, aber vielleicht nicht am ersten Tag des Early Access. Das Gleiche trifft auf die DLSS-Unterstützung zu, die im Menü des Spiels schon hinterlegt, aber nicht freigeschaltet ist.

Was wir zu meckern haben

Viel haben wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht auszusetzen. Effekte und Texturen wirken zuweilen etwas überscharf und körnig. Ein aktiviertes DLSS wird das vermutlich ohne größere Probleme wegglätten. Auch die Performance dürfte dann einen ordentlichen Schub erhalten.

Die Tutorial-Einblendungen zu Beginn des Spiels tauchen an festen Punkten auf, was mitunter dafür sorgen könnte, dass man an ihnen vorbeiläuft. Zumindest scheint das einigen Spielern auf Steam passiert zu sein.

Wovor wir Angst haben und unser Fazit

Bis jetzt mussten wir noch keinen Tod sterben und uns daher nicht zum x-ten Male durch dieselben Gegner kämpfen. Eine Erfahrung, die das Vorbild Dark Souls nicht unbedingt schöner macht, außer man mag Selbstgeißelung. Aber „No Rest for the Wicked“ ist gerade zu Beginn noch sehr verzeihend, wenn man mal nicht perfekt ausweicht. Wir sind also guter Dinge.

Wer sollte jetzt also schon kaufen? In erster Linie Spieler, die wissen, worauf sie sich bei „Early Access“ einlassen und die damit klarkommen, kein schnelles Diablo zu bekommen. Auch wenn das Spiel auf den ersten Blick so aussieht. „No Rest for the Wicked“ ist fordernd und man muss sich „darauf einlassen“, wie es so schön heißt.

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