Dennis Schröder: Von Atlanta nach Oklahoma - Deutscher Nationalspieler wird wieder Co-Star

Dennis Schröder: Künftig wieder Co-Star

Deutschlands aktuell bester Basketballer wechselt innerhalb der NBA den Verein. Nach fünf Jahren bei den Atlanta Hawks spielt Dennis Schröder künftig für die Oklahoma Thunder. Ein Transfer mit vielen Gewinnern.

Gegen 21 Uhr verließ Basketball-Star Dennis Schröder am Donnerstagabend die Zuschauertribüne der Chemnitzer Messehalle. Während die deutsche U20-Nationalmannschaft dort gegen die Türkei den Einzug ins Halbfinale der Heim-Europameisterschaft schaffte, erreichte Schröder ein Anruf. Möglicher Gesprächspartner auf der anderen Seite: Sam Presti, der Manager der Oklahoma City Thunder. Gerade hatte sich das NBA-Team die Dienste des deutschen Nationalspielers gesichert und im Tausch den einstiegen Topstar Carmelo zu Schröders bisherigem Team, den Atlanta Hawks geschickt. Über den Deal berichteten am Abend verschiedene US-Medien, in der Nacht bestätigte auch Schröder selbst den Wechsel.

Nach fünf Jahren verlässt Schröder also die Hawks, die ihn 2013 aus Braunschweig in die USA und die beste Basketballliga der Welt holten. Der heute 24-Jährige war 2015 Teil des besten Teams, das der Klub jemals hatte. Genauso war er in der vergangenen Saison Teil eines der schlechtesten Teams in der Hawks-Geschichte. Gleichzeitig steigerte er Jahr für Jahr seine eigenen sportlichen Leistungen. Mit 23,7 Punkten im Durchschnitt war er zuletzt der beste Spieler des Teams.

Dass Schröders Zeit in Atlanta dennoch zu Ende geht, kommt nicht überraschend. Abseits des Spielfelds schrieb der Deutsche Ende September 2017 durch eine Schlägerei samt Festnahme negative Schlagzeilen. Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an, Schröder sagt: „Ich denke, dass sich die Sache bald erledigt hat.“ Doch als Aushängeschild des Vereins war der deutsche Spielmacher seit dem Vorfall nicht mehr tragbar. Nach Saisonschluss trennte man sich von Trainer Mike Budenholzer, der Schröder stets unterstützte. Im Anschluss holte man mit Trae Young einen hochtalentierten Konkurrenten auf Schröders Position und wenig später mit Jeremy Lin einen dritten Spielermacher, der obendrein ein echtes Saubermann-Image mit in den Südstaat Georgia bringt.

Spätestens zu diesem Moment war klar, dass die Hawks nun schnellstmöglich Schröder loswerden würden. Die Oklahoma Thunder um Manager Sam Presti wollten selbiges mit Carmelo Anthony. Der einst beste Punktesammler der Liga hat mit 34 Jahren seinen Zenit mittlerweile überschritten, in der Kabine gilt er seit jeher als problematisch und mit einem Jahressalär von 28 Millionen Dollar wäre er kommende Saison obendrein ein Topverdiener bei den Thundern gewesen.

Die Manager beider Teams verabredeten also einen Tausch, durch den die Thunder nun kurzfristig nicht nur viel Geld sparen – Schröder verdient kommende Saison über zwölf Millionen Dollar weniger als Anthony –, sie erhalten mit dem Braunschweiger gleichzeitig eine deutlich jüngere und ehrgeizigere Ergänzung für ihr Team.

Für Schröder kam der Transfer weder unerwartet noch unerwünscht. In der Vergangenheit hatte er sich stets aufgeschlossen für einen Vereinswechsel gezeigt. „Wenn es in Atlanta nicht mehr weitergeht, dann will ich gehen“, sagte er noch vor wenigen Tagen im Pressegespräch. Schon Ende letzten Jahres hatte er im Gespräch mit unserer Redaktion angedeutet, an einem langwierigen Neuaufbau mit vielen Niederlagen bei den Atlanta Hawks wenig Interesse zu haben.

An diesem Neustart wird Schröder mehr Teil haben - genauso wenig wie Tauschpartner Carmelo Anthony. Die werden Hawks ihre jüngste Neuverpflichtung in den kommenden Tagen entlassen und ihm sein letztes Vertragsjahr ausbezahlen. Ein im US-Sport nicht ungewöhnliches Modell. Denn auch Atlanta will die abnehmenden sportlichen Leistungen von Anthony in Kombination mit dessem zweifelhaften Image nicht im Kader haben. Zumal auch die Hawks durch den Deal einige Millionen einsparen: Schröders verbliebene drei Jahre Vertragslaufzeit haben einen Gesamtwert von 46,5 Millionen Dollar, diesen Vertrag ist Atlanta nun los. Sobald auch Anthonys Vertrag im kommenden Sommer aus den Büchern ist, sind die Hawks für die Zukunft deutlich flexibler aufgestellt.

Sein Geld wird Schröder künftig aus Oklahoma bekommen, für den deutschen Nationalspieler verändert sich mit dem Wechsel vor allem die sportliche Rolle. Statt als Anführer wird er seine Spielzeit in Oklahoma vor allem von der Bank bekommen - als Nummer zwei hinter Superstar Russell Westbrook. Thunder-Trainer Billy Donovan kann seinem Topscorer, der in der vergangenen Saison in Ermangelung von Alternativen im Schnitt 36,4 Minuten zum Einsatz kam, nun die nötigen Auszeiten gönnen.

Auch Schröder und Westbrook gemeinsam zu bringen, wäre eine Alternative. Oklahoma wäre mit den beiden auf Anhieb das wohl schnellste Team der Liga. Gleichzeitig könnte es für Schröder mit „OKC“ in den Play-offs weit gehen, denn neben Westbrook steht mit Paul George ein weiterer Superstar im Kader.

Kein Wunder, dass Schröder angesichts dieser Aussichten geradezu euphorisch auf den Wechsel reagierte: Auf seinem Instagram-Account zeigte Schröder statt eines Profilbildes den Schriftzug "Oklahoma City 17" auf blauem Grund und postete eine Fotomontage von sich im Oklahoma-Trikot. In Richtung der Hawks-Fans schrieb er: "Ich habe fünf Jahre alles gegeben. Ich bin Atlanta sehr dankbar."

(cbo)