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Reiner Calmund sieht Chancen für Bundesliga-Rückkehr ab Mai 2020

Reiner Calmund zu Bundesligaspielen ab Mai : „Ich sehe für den Start absolut realistische Chancen“

In den kommenden Tagen dürfte absehbar werden, ob die Bundesliga ab Mai mit Geisterspielen zurückkehren kann. Dafür, dass das klappt, spricht vor allem, dass die Klubs die strengen Hygienevorschriften bewerkstelligen können. Ein Gastbeitrag von Ex-Bundesligamanager Reiner Calmund.

Den Fußball muss man in diesen Corona-Zeiten in zwei oder sogar drei Lager trennen. Für alle Fußballer ob jung, alt, Profi, Amateur oder Jugendspieler sind die Regeln gleich: elf gegen elf, gleiches Spielfeld, gleiche Tore etc. Finanziell rollt das Leder dagegen auf völlig verschiedene Ebenen. Da gibt es es die Profiklubs aus der 1. und 2. Liga, eine Mischung 3. und 4 Liga, mit Semi-Profis, und es gibt den großen Rest an begeisterten Amateur-, Tradions- und Jugendfußballern. Für die 1. und 2. Liga sind Geisterspiele kein Problem, weil die wirtschaftliche Bedeutung der TV-Präsenz viel entscheidender ist als Zuschauer-Einnahmen. Mit der Flimmerkiste wird der Großteil des Geldes erwirtschaftet. Die Vereine in der 3.Liga und Regionalliga sind dagegen auf Zuschauer-Einnahmen angewiesen, sie können sich vorwiegend keine Geisterspiele vor leeren Rängen leisten.

Die Bundesliga und 2. Liga verfolgen an jedem Wochenende mehr als 20 Millionen Menschen bei Sky, ARD, ZDF, RTL und vielen regionalen bzw. Sport-Kanälen. Das ist ein riesiger Unterhaltungsdampfer. Die Klubs kassieren dafür jährlich 1,5 Millarden Euro für TV und zusätzlich noch eine Milliarde für Werbung. Neben 1,5 Milliarden Euro Personalkosten zahlen die Profiklubs pro Jahr auch rund 1,4 Milliarden Euro an Steuern und Sozialabgaben. Es geht jetzt darum, wie man die Nummer wieder ans laufen bekommt.

Ich sehe für den Start absolut realistische Chancen. Die Szenarien für den Spiel- und Trainingsbetrieb mit besonderer Beachtung auf Hygiene und Gesundheit können alle Klubs in den ersten beiden Ligen mit hochqualifiziertem Personal leisten. Beim offiziellen Spiel gibt es zusätzlichen einen inneren Kreis von von TV-Technikern, Journalisten und Sicherheitspersonal, das sind maximal insgesamt 200 bis 300 Personen pro Partie. Die werden alle engmaschig kontrolliert, gibt es einen positiven Fall, wird er gleich rausgezogen. Vor allem müssen die Spieler diszipliniert sein und sich an die Regeln halten.

Am Ende ist das alles aber kein Machtspiel, keine Frage, welcher Politiker sich mit seiner Position durchsetzt. Kostenpflichtiger Inhalt Armin Laschet wird das als Ministerpräsident von NRW genau so wenig entscheiden können wie unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel und oder Markus Söder im Süden. Es geht hier nicht um Wahlkampf.

In der Haut der Politiker möchte ich ohnehin nicht stecken. Die Verantwortlichen in der Regierung treffen zwar letztlich die Entscheidungen, doch alle sind in erster Linie vom Urteil der Virologen, Wissenschaftler und Experten abhängig. Nur wenn es vertretbar ist, gibt es grünes Licht für die Geisterspiele. Klar ist: Alle wollen das. 20 Millionen Fans – auch ich sehne mich nach dem Fussball zurück, selbst nach Geisterspielen. Die Klubs bereiten sich auf den Tag X mit ihren Trainern und Spielern vor. Die nächsten entscheidende Sitzung der DFL mit seinen 36 Profi-Klubs findet übrigens erst am 23. April statt. Diskutiert wird dann ein möglicher Start Mitte oder Ende Mai.

Selbst ein Start im Juni wäre spieltechnisch kein Problem.