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Borussia Mönchengladbach: Laszlo Bénes trifft beim 1:0-Sieg gegen Hertha

Borussia Mönchengladbach : Bénes belohnt Heckings Mut

Beim 1:0-Sieg über Hertha BSC Berlin trifft der Slowake Laszlo Bénes und vertritt die arrivierten Kräfte auf der Doppelsechs neben Mo Dahoud gut.

Laszlo Bénes war ehrlich in einem seiner ersten großen Interviews: Nein, gerne sei er nicht zur Schule gegangen, aber er wollte halt etwas lernen. "Das Einzige, was mir überhaupt nicht liegt, ist Mathe", sagte er im vergangenen September. Dass es einer Quote von gut 90 Prozent entspricht, wenn 77 von 85 Pässen ankommen, dürfte Bénes vielleicht im Kopf überschlagen können. Und dass das für einen defensiven Mittelfeldspieler ziemlich gut ist, weiß er als Vollblutfußballer mit Sicherheit.

Nicht immer ging Bénes das ganz große Risiko beim 1:0-Erfolg gestern gegen Hertha BSC, mit dem Borussia sich in der Einstelligkeit der Tabelle zurückgemeldet hat. Einmal allerdings wagte er Entscheidendes. In der 16. Minute zog Bénes mit seinem linken Fuß ab, Herthas Torwart Rune Jarstein kam nicht schnell genug runter. Die Führung sollte Gladbach bis zum Ende behalten. Damit hatte Bénes nach 26 Bundesligaminuten das geschafft, was Borussia Dortmund am Dienstag erst nach 2353 Minuten in dieser Saison gelang: ein Tor von außerhalb des Strafraums.

Trainer Dieter Hecking blieben seit dem 0:0 bei Eintracht Frankfurt, als er auch noch seinen Sechser Tobias Strobl verlor, vier Tage Zeit zum Brainstorming. "Mal schauen, ob wir das gegen Hertha so offensiv angehen wollen", hatte er unmittelbar nach dem Spiel seine ersten Vorschläge kommentiert, Bénes und Jonas Hofmann. Derart lang brauchte Hecking nach eigenem Bekunden nicht für eine Entscheidung, wie er verriet. "Für mich war relativ schnell klar, dass Laszlo die Chance bekommt." Die Option Tony Jantschke hätte er zunächst noch gehabt, doch der musste dann aufgrund von Muskelproblemen passen. Seine Aufstellung habe das aber nicht beeinflusst, sagte Hecking: "Selbst wenn Tony fit gewesen wäre, hätte Laszlo gespielt."

Der 19-Jährige konnte sich demnach in Ruhe vorbereiten auf sein erstes Spiel von Beginn an. Kommentieren wollte er es im Anschluss nicht, es war also an seinen Vorgesetzten, eine Bewertung abzugeben. "Ich bin eigentlich kein Freund davon, junge Spieler nach ihrem ersten Spiel von Beginn an zu sehr loben. Aber er hat es sich heute verdient. Er hat ein herausragendes Spiel gemacht", sagte Hecking. Die Doppelsechs gegen Berlin war enorm jung, aber nicht die jüngste der Vereinsgeschichte. Auf 40 Jahre und 302 Tage kamen Bénes und Dahoud, 190 mehr als Dahoud und Andreas Christensen in der vergangenen Saison bei der Niederlage gegen Hannover 96.

Es lag nahe, die beiden Sechser gestern zu vergleichen. Als Bénes in der 85. Minute mit leichten Wadenproblemen vom Platz ging, hatten er und Dahoud jeweils 11,1 Kilometer abgespult, nur Jonas Hofmann kam auf mehr. Mit seiner Passquote stach Bénes den Partner auf der Sechs knapp aus, der Slowake eroberte zudem vier Bälle, Dahoud drei. "Er ist ein Stück weit ein anderer Spieler als Mo. Aber wir haben in der Vergangenheit immer wieder gezeigt, dass wir solche Spieler auf die Platte bringen können. Von Laszlo halten wir sehr viel", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Als Aktiver hat er mit dem ersten und bis Bénes einzigen Slowaken in Borussias Historie zusammengespielt. Igor Demo wurde in Gladbach "Fußballgott", sein Kommentar zum Treffer seines Landsmannes kam per Emojis in einer SMS: Daumen hoch, Ball, Victory-Zeichen. Demo hat sich seit dem vergangenen Sommer um Bénes' Integration gekümmert, doch er konnte schnell kürzertreten. "Laszlo spricht schon sehr gut Deutsch. Als er hierher kam, konnte er gar nichts. Seine Integration ging sehr schnell vonstatten", sagte Eberl. "Er will Fußball spielen, keine Interviews geben." Das verbindet ihn mit Dahoud. Nur wird Bénes in der nächsten Saison noch in Gladbach sein. Für die Borussen ist das spätestens seit gestern eine gute Nachricht.

(RP)