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Ausschreitungen im Kapitol in Washington: Trump gießt Öl ins Feuer

Ausschreitungen im Kapitol in Washington : Und Trump gießt noch Öl ins Feuer

Schon früh hat Donald Trump auf die Macht der Straße gesetzt. Nun ist die Lage am Kapitol in Washington eskaliert. Doch anstatt seine Anhänger zu beruhigen, unterstützt Trump die gewaltbereiten Demonstranten weiter.

Bereits im Wahlkampf sprach Donald Trump davon, dass die Wahl manipuliert sei, falls er nicht als alter und neuer Präsident der USA daraus hervorgehen werde. Immer wieder rief er seine - durchaus gewaltbereiten - Anhänger zu Protesten auf. Alle Hebel hat Trump in Bewegung gesetzt, um im Weißen Haus zu bleiben.

Am Mittwoch schließlich spricht Trump vor dem Weißen Haus selbst zur Menge seiner demonstrierenden Unterstützer und fordert sie auf, zum Kapitol zu marschieren. "Wir werden niemals aufgeben. Wir werden uns niemals geschlagen geben", sagt der 74-Jährige. Und kündigt sogar vollmundig an, er werde mit ihnen ziehen. Im Kapitol hatte sich der Kongress zur Zertifizierung der US-Wahlergebnisse getroffen, quasi die Kür Joe Bidens zum neuen Präsidenten. Kostenpflichtiger Inhalt In der Hauptstadt der mächtigsten Demokratie der Welt eskalieren die Spannungen, die Trump seit Monaten geschürt hat.

Denn Trumps Anhänger nehmen ihr Idol beim Wort: Doch sie stoppen nicht vor den Toren des Parlamentsgebäudes, sondern stürmen das Kapitol und liefern sich Scharmützel mit der Polizei. Vier Menschen kommen laut der Polizei bei der Besetzung ums Leben. Erst nach mehr als einer Stunde versucht Trump schließlich, die Lage zu beruhigen. Allerdings mit wenig tauglichen Mitteln. Auf seinem Lieblingsmedium Twitter ruft er seine Anhänger zunächst lediglich auf, friedlich zu "bleiben" - eine schräge Formulierung angesichts des gewaltsamen Sturms auf das Kapitol. In einer Videoansprache appelliert der Präsident schließlich an seine Anhänger, "nach Hause" zu gehen. Zugleich aber versichert er ihnen "Wir lieben euch" - und gießt mit der Wiederholung seiner Wahlbetrugsvorwürfe erneut Öl ins Feuer.

Dann schieben Twitter und Facebook Donald Trump vorübergehend einen Riegel vor. Er darf für 24 Stunden keine Posts bei Facebook mehr absetzen. Twitter blockierte Trumps Account für zwölf Stunden und drohte ihm mit einer dauerhaften Sperrung. Er hatte in einer Reihe von Tweets nach den chaotischen Szenen seine haltlosen Vorwürfe von Wahlbetrug bekräftigt und Verständnis für die wütende Menge geäußert. Der Account des Präsidenten entfernte diese Postings und ein Video nach Angaben von Twitter - ansonsten hätte eine Verlängerung der Blockade gedroht.

In der entfernten Video-Botschaft sagte Trump: „Ich kenne euren Schmerz. Ich weiß, dass ihr euch verletzt fühlt. Aber ihr müsst jetzt nach Hause gehen.“ Er sagte: „Wir können diesen Leuten nicht in die Hände spielen. Wir brauchen Frieden. Also geht heim. Wir lieben euch. Ihr seid etwas ganz Besonderes.“ Später schrieb er: „Das sind Dinge und Ereignisse, die passieren, wenn ein ehrwürdiger Erdrutschsieg bei einer Wahl ohne viel Federlesen und auf so bösartige Weise großen Patrioten entrissen wird, die so lange schlecht und unfair behandelt worden sind.“ Er schrieb: „Geht in Liebe und Frieden nach Hause. Erinnert euch für immer an diesen Tag.“

Längst gibt es auch bei unzähligen Republikanern nur noch Kritik und Unverständnis für Trump. Stephanie Grisham, eine langjährige Beraterin der First Lady Melania Trump, ist nach den Ausschreitungen zurückgetreten. Dies bestätigte sie gegenüber "The Hill" am Mittwochabend. Grisham diente als Kommunikationsdirektorin und Stabschefin der First Lady, mit einer kurzen Zwischenstation als Pressesprecherin des Weißen Hauses. Ihr Rücktritt kam als Reaktion auf die Ereignisse im Kapitol, wie CNN berichtet. Melania Trump hat sich noch nicht öffentlich zu den Ereignissen geäußert.

Stunden nach den Ausschreitungen haben die Abgeordneten des US-Kongresses ihre Sitzung für die Zertifizierung des Ergebnisses der Wahl fortgesetzt. „Wir werden nicht aus diesem Sitzungssaal von Schlägertypen, Mobs oder Bedrohungen herausgehalten werden“, sagte der Fraktionschef der Republikaner, Mitch McConnell. „Wir werden unsere verfassungsgemäße Verpflichtung für unsere Nation erfüllen. Und wir werden dies heute Nacht tun.“

(top/mit dpa/ap/afp)