Verfahren in New York Jury für Trumps Schweigegeld-Prozess komplett

New York · Nach einer zähen Suche nach geeigneten Kandidaten ist die Jury für den Schweigegeld-Prozess gegen Donald Trump komplett. Am Donnerstag verständigten sich die Verteidigung, die Staatsanwälte und Richter Juan Merchan auf sieben weitere Geschworene, nachdem zuvor bereits fünf ausgewählt worden waren.

Donald Trump: Auftritt beim Auftakt des Schweigegeld-Prozesses​
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Donald Trumps Auftritt beim Auftakt des Schweigegeld-Prozesses

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Foto: AP/Angela Weiss

Zu den zwölf Jury-Mitgliedern kam ein Ersatzkandidat hinzu, bis zum Ende der Woche sollen noch fünf weitere Ersatzjuroren gefunden werden. Anfang kommender Woche könnten dann Eröffnungsplädoyers der Staatsanwälte beginnen.

In der Jury sitzen nun unter anderen ein Vertriebsmitarbeiter, ein Software-Ingenieur, eine Lehrkraft, eine Logopädin, etliche Juristen, ein Investmentbanker und ein pensionierter Vermögensverwalter. Sie sollen zum Abschluss des ersten Strafprozesses gegen einen früheren US-Präsidenten das Urteil fällen. Trump machte einmal mehr deutlich, dass er seine juristischen Probleme im Wahljahr zu seinem Vorteil ummünzen will.

Nach Abschluss der Geschworenen-Auswahl am Donnerstag beklagte er vor Reportern, dass er draußen Wahlkampf betreiben sollte, nun aber für ein „sehr unfaires Verfahren“ im Gerichtssaal sein müsse. „Jeder ist empört darüber“, sagte er. „Wissen Sie, die ganze Welt verfolgt diese New Yorker Farce.“

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Foto: AFP/CHRISTIAN MONTERROSA

Vorgeworfen wird Trump, Geschäftsunterlagen gefälscht zu haben, um den wahren Zweck von Zahlungen zu verschleiern, mit denen er seinem früheren Anwalt Michael Cohen eine Zahlung von 130.000 Dollar an die Pornodarstellerin Stormy Daniels erstattet haben soll. Nach Cohens Angaben handelte es sich um Schweigegeld, mit dem Daniels davon abgehalten werden sollte, mit einer angeblichen sexuellen Begegnung mit Trump an die Öffentlichkeit zu treten, zu der es nach Angaben des Ex-Präsidenten nie gekommen war. Cohen bekannte sich 2018 in einem Bundesverfahren schuldig und dürfte im nun laufenden Prozess gegen Trump als Kronzeuge der Staatsanwaltschaft auftreten.

Der 77-jährige Trump ist der erste Ex-Präsident in der Geschichte der USA, der sich in einem Strafprozess verantworten muss. Er ist noch in drei weiteren Fällen strafrechtlich angeklagt, unter anderem wegen versuchten Wahlbetrugs und der illegalen Mitnahme und Verwahrung von geheimen Regierungsdokumenten aus dem Weißen Haus.

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Foto: AP/Andrew Harnik

Trump hat auf unschuldig plädiert und die Anklage ebenso wie andere Verfahren als Versuch demokratischer Staatsanwälte kritisiert, seine erneute Kandidatur für das Präsidentenamt zu torpedieren. Noch ist offen, ob die anderen drei Strafverfahren noch vor der Wahl im November in die Prozessphase eintreten. Grund sind Berufungsklagen und anderweitiges juristisches Gezerre, was für Verzögerungen gesorgt hat.

Als langwierig erwies sich auch die Geschworenenauswahl im diese Woche angelaufenen Schweigegeld-Prozess, was auf den ebenso heiklen wie historischen Fall zurückging. Potenzielle Kandidaten wurden über ihr Posting-Verhalten in sozialen Medien, ihr Privatleben und ihre politischen Ansichten ausgefragt, um jeglichen Verdacht auf mögliche Voreingenommenheit auszuschließen.

Am Donnerstag waren zwei der bereits ausgewählten Geschworenen wieder aussortiert worden. Eine weibliche Geschworene gab zu, sie zweifle inzwischen an ihrer Fähigkeit, im Strafverfahren gegen Trump völlig unabhängig zu sein. Bedenken seien bei ihr auch aufgekommen, als Aspekte ihrer Identität öffentlich gemacht worden seien, sagte die Frau den Anwälten und Richter Merchan. Dieser ordnete daraufhin an, dass Journalisten im Gerichtssaal nicht über Antworten potenzieller Juroren zu ihren aktuellen und früheren Arbeitgebern berichten dürften. Bei einem anderen bereits ausgewählten Juror hätten sich Zweifel geregt, ob er bei der Befragung potenzieller Geschworener über Vorstrafen die Wahrheit gesagt hatte. Auch er wurde dann wieder ausgeladen.

(felt/dpa)
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