US-Repräsentantenhaus: Massaker an Armeniern war Völkermord

Mehr als 100 Jahre danach : US-Repräsentantenhaus erkennt Massaker an Armeniern als Völkermord an

Der Deutsche Bundestag hatte bereits im Juni 2016 in einer Resolution von Völkermord gesprochen. Auch Staaten wie Frankreich, Russland und die Niederlande werten Massaker im Osmanischen Reich als Genozid durch das Osmanische Reich. Nun folgen die USA.

Das US-Repräsentantenhaus hat die Massaker an den Armeniern im Osmanischen Reich während des Ersten Weltkrieges mit überwältigender Mehrheit als Völkermord anerkannt. Die entsprechende Resolution wurde am Dienstag (Ortszeit) mit 405 zu 11 Stimmen angenommen.

In der Resolution heißt es, die USA würden den Völkermord an den Armeniern anerkennen und die Tötung von 1,5 Millionen Armeniern durch das Osmanische Reich verurteilen. Die Türkei als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches erklärte am Mittwoch, die Regierung und das Volk hielten die Resolution für „völlig null und nichtig“.

Die Türkei gesteht zwar den Tod von 300 000 bis 500 000 Armeniern während des Krieges zu, weist aber die Einstufung als Völkermord strikt zurück. Während des Ersten Weltkrieges waren Armenier systematisch verfolgt worden und unter anderem auf Todesmärsche in die syrische Wüste geschickt worden. Historiker sprechen von Hunderttausenden bis zu 1,5 Millionen Opfern.

Das türkische Außenministerium erklärte der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge, die Resolution sei offenbar „für den inländischen Konsum verfasst und herausgegeben“ worden und habe keine „historische oder rechtliche Grundlage“. Sie sei rechtlich nicht bindend und ein „bedeutungsloser politischer Schritt“. Sie richte sich nur an die armenische Lobby und anti-türkische Gruppen.

Der Deutsche Bundestag hatte im Juni 2016 in einer Resolution ebenfalls von Völkermord an den Armeniern gesprochen. Auch Frankreich, Russland, die Schweiz und die Niederlande und mehr als ein Dutzend weiterer Staaten werten das Blutbad an den Armeniern als Völkermord. Die Südkaukasusrepublik Armenien fordert seit langem von der Türkei, die Gräueltaten als Genozid anzuerkennen.

(sbl/dpa)