CIA-Affäre: El Masri von Deutschem in Kabul verhört?

CIA-Affäre: El Masri von Deutschem in Kabul verhört?

Straßburg (rpo). Der Deutsch-Libanese Khaled el Masri, eigenen Angaben zufolge vom US-Geheimdienst nach Afghanistan verschleppt, hat seine Aussage bekräftigt, während der Gefangenschaft von einem Deutschen verhört worden zu sein. El Masri erklärte vor dem CIA-Sonderausschuss des Europaparlaments in Straßburg, er sei sicher, dass der "Sam" genannte Mann, der ihn in Kabul verhörte, ein Deutscher gewesen sei.

Der Mann habe "keinen Hauch von ausländischem Akzent gehabt". Er habe ihm auch erzählt, dass seine Frau eine Karte für den Großmarkt "Metro" besitze. Nach der Wahl von Horst Köhler habe ihm "Sam" zudem gesagt, "wir haben einen neuen Bundespräsidenten".

El Masri sagte weiter, er habe "Sam" auf einem Foto der Internet-Zeitung "Saar-Echo" erkannt. Nach deren Informationen heiße der Mann Gerhard Lehmann und sei ein "Hauptkommissar" des Bundeskriminalamts. El Masris Anwalt Manfred Gnjidic berichtete, er sei von dem Autor des Berichtes angerufen worden. Dieser habe sich als Journalist namens Frank Krüger vorgestellt und mit El Masri sprechen wollen. Das Interview sei jedoch nicht zustande gekommen und der Journalist seither verschwunden.

  • Bericht : Kanzleramt und BND hielten Informationen zu El Masri zurück

Zugleich sagte El Masri, er habe keine Erkenntnisse darüber, ob deutsche Behörden bereits während seiner Gefangenschaft über den Fall informiert waren. Fragen, ob er einer islamischen Organisation angehöre, verneinte El Masri nachdrücklich. Zwar habe er in den 80er Jahren während des Bürgerkriegs im Libanon in der Organisation El Tahwid gegen die syrischen Besatzer gekämpft. Seit 1985 sei er jedoch nicht mehr Mitglied dieser Gruppe.

Anwalt Gnjidic forderte politischen Druck auf Mazedonien, wo El Masri am 31. Dezember 2003 bei der Einreise gefasst wurde. Sein Mandant sei 23 Tage lang in einem Hotel in Skopje festgehalten worden. Dort sei er von neun Mazedoniern bewacht worden. Er habe in dieser Zeit weder mit einem Anwalt, noch mit seiner Familie oder dem deutschen Konsulat Kontakt aufnehmen dürfen. Die Regierung in Mazedonien müsse Stellung beziehen und sagen, welche Rolle sie spielte.

(afp)
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