Moussaoui-Prozess vertagt: US-Regierung verstößt gegen Verhahrensregeln

Moussaoui-Prozess vertagt : US-Regierung verstößt gegen Verhahrensregeln

Alexandria (rpo). Überraschende Wendung im Prozess gegen den Terrorverdächtigen Zacarias Moussaoui: Weil die US-Regierung Zeugen der Anklage mit vertraulichen Informationen vorbereitete, vertagte Richterin Leonie Brinkema den Prozess auf unbestimmte Zeit. Moussaoui muss sich wegen seiner mutmaßlichen Beteiligung an den Anschlägen auf das World-Trade-Center verantworten.

"Dies ist ein schwerwiegender Fehler der Regierung in Hinblick auf die verfassungsgemäßen Rechte des Angeklagten und das amerikanische Rechtssystem", erklärte die Richterin des Gerichts in Alexandria. Moussaouis Verteidiger forderte, als Konsequenz ein Todesurteil für seinen Mandanten auszuschließen. Die Alternative sei, dass die vier FAA-Mitarbeiter nicht mehr als Zeugen zugelassen werden dürften.

Dies wies Staatsanwalt David Novack zurück, da sich die Anklage zur Hälfte auf die Aussagen dieser vier Personen stütze. Er schlug vor, der Verteidigung stattdessen ein Kreuzverhör der Zeugen zuzubilligen. Richterin Brinkema erklärte, sie brauche zunächst Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. "In all den Jahren als Richterin habe ich niemals eine derart unerhörte Verletzung der Regeln erlebt", sagte sie.

Moussaoui bestreitet Beteiligung

Moussaoui ist die einzige Person, die in den USA wegen der Anschläge vom 11. September 2001 angeklagt ist. Der Franzose marokkanischer Abstammung wird beschuldigt, einen Terroranschlag mit einem Flugzeug geplant zu haben. Er hat sich für schuldig bekannt, dem Terrornetzwerk Al Kaida anzugehören, hat nach eigenen Angaben jedoch nichts mit den Anschlägen zu tun.

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wäre es jedoch möglich gewesen, die Terrorattacken zu vereiteln, hätte Moussaoui unmittelbar nach seiner Verhaftung über seine Al-Kaida-Verbindungen ausgepackt. Er war bereits im August 2001, also einen Monat vor den Angriffen auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon in Washington, wegen Verstoßes gegen die Einwanderungsbestimmungen festgenommen worden. Er hatte in einer Flugschule im Staat Oklahoma privaten Flugunterricht genommen.

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(ap)