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Karl Lauterbach: Maskenpflicht für Partys statt für Jobs

Corona-Bekämpfung : Maskenpflicht für Partys statt für Jobs

SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach fordert, die Regeln für Feste statt für den Arbeitsplatz zu verschärfen. Auch Kassenärzte-Chef Bergmann und die Deutsche Telekom warnen vor pauschalen Masken-Vorschriften im Job.

Die Einführung einer Maskenpflicht am Arbeitsplatz, die CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer fordert, stößt auf breite Kritik. Mediziner halten nichts von einer pauschalen Regelung. „Eine generelle Maskenpflicht am Arbeitsplatz halte ich für nicht erforderlich“, sagte Frank Bergmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KV). „Ob eine Maske geraten ist, hängt davon ab, ob es der Arbeitsplatz und die Tätigkeit erforderlich machen. Das muss man von Fall zu Fall entscheiden.“ Überall, wo entsprechende Hygienestandards gelten, etwa in der Fleisch verarbeitenden Industrie, sei die Maske ja ebenso Pflicht wie an Arbeitsplätzen, an denen Menschen wenig Abstand halten können, weil sie beispielsweise am Fließband arbeiten, wo sie viel kommunizieren müssen oder Arbeitsplätze schlecht belüftet sind. Eine pauschale Antwort sei nicht sinnvoll, so der KV-Chef.

Auch der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach winkt ab: „Die Maskenpflicht am Arbeitsplatz ist nur in Ausnahmefällen sinnvoll. Dazu zählen Arbeitsplätze, wo ein regelmäßiges Lüften und Mindestabstände nicht möglich sind. Es ist den Arbeitnehmern nur dann die Maskenpflicht zuzumuten, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind“, sagte der Epidemiologe unserer Redaktion. Er forderte stattdessen, lieber über eine Maskenpflicht für Partys nachzudenken: „Im Vordergrund sollte jetzt eher das Verbot von spontanen Partys oder die Maskenpflicht dort stehen. Auch eine Obergrenze von Feiern im privaten auf maximal 50 Personen ist sinnvoll. Es kann nicht sein, dass eine kleine Gruppe durch rücksichtsloses Verhalten die Pandemie vorantreibt und dass dafür Schüler und Arbeitnehmer stundenlang die Maske tragen müssen.“

Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte am Wochenende erklärt: „Viele Unternehmen haben diese Maskenpflicht am Arbeitsplatz schon eingeführt. Das könnte auf jeden Fall ein Schritt sein, der auch bundesweit verpflichtend wird, jedenfalls wenn damit die Schließung ganzer Branchen verhindert werden könnte.“ Der Gesundheitsminister des Landes, Karl-Josef Laumann, sieht dagegen keinen Regelungsbedarf und verweist darauf, dass nur sechs Prozent der Neuansteckungen auf den Arbeitsplatz zurückgehen.

Entsprechend stößt die Forderung von Kramp-Karrenbauer auch in der Wirtschaft auf Ablehnung. So zum Beispiel bei der Deutschen Telekom, die wie viele Unternehmen ein differenziertes Konzept für die verschiedenen Arbeitsbereiche hat. „Das Tragen der Maske ist wesentlicher Bestandteil unseres Hygienekonzepts. Sie müssen in den Shops getragen werden und auch in den allgemein zugänglichen Bereichen der Bürogebäude, wie zum Beispiel Teeküchen oder Flure“, sagte Birgit Bohle, Personalvorstand der Telekom. Sie betonte aber weiter: „Die Masken müssen nicht am Büro-Arbeitsplatz getragen werden: Wir haben jeden zweiten Arbeitsplatz gesperrt, um ausreichend Sicherheitsabstände zu gewährleisten.“ Derzeit habe der Konzern die Bürokapazitäten auf 50 Prozent heruntergefahren. „Im Schnitt haben wir in den Büros derzeit eine Auslastung zwischen 30 und 40 Prozent.” Auch das macht das Abstand halten leichter.