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Coronavirus: NRW beginnt mit Studie zu Auswegen aus Corona-Lage

Fokus auf Kreis Heinsberg : NRW startet Studie zu Auswegen aus der Corona-Krise

Nordrhein-Westfalen lässt anhand einer Studie erforschen, wie die Corona-Krise am besten überwunden werden kann. Die Kontaktsperre berge auch Risiken.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung bringt gemeinsam mit dem Kreis Heinsberg und dem Institut für Virologie an der Universitätsklinik Bonn ein neuartiges Corona-Forschungsprojekt auf den Weg: Ab Montag wird der Bonner Virologe Hendrik Streeck mit einem Team von 20 medizinischen studentischen Hilfskräften die Infektionsverläufe im Kreis Heinsberg erforschen, wie Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag in Düsseldorf mitteilte.

Das Wissenschaftsteam wird demnach in dem vom Coronavirus besonders betroffenen Kreis Patienten befragen, um mögliche Kausalketten mit Vorerkrankungen zu erfassen und hieraus Präventionsempfehlungen für die gesamtdeutsche und europäische Bevölkerung zu entwickeln.

„Im Kreis Heinsberg gab es früher als an allen anderen Orten in Deutschland eine Vielzahl von Menschen, die mit dem Coronavirus infiziert waren“, betonte Laschet. Heinsberg sei damit „die Erstregion - von hier aus lassen sich wichtige Erkenntnisse für ganz Deutschland ableiten“.

Der Kreis im Westen Nordrhein-Westfalens könne als Forschungsbeispiel und Modellregion dienen. Ziel sei, „wissenschaftlich fundiert herauszufinden, welche Maßnahmen sinnvoll sind, um die Bürgerinnen und Bürger optimal zu schützen und gleichzeitig zu ergründen, welche der ergriffenen Maßnahmen und tiefen Einschnitte in das Leben der Bürger weiterhin virologisch und epidemiologisch sinnvoll sind - und welche nicht“, hob Laschet hervor.

Im Kreis Heinsberg waren zur Karnevalszeit die ersten Corona-Infektionen in Nordrhein-Westfalen aufgetreten. Der Kreis gilt mit dem bisher größten Cluster an Infizierten als „Epizentrum“ der Corona-Pandemie in Deutschland. Laschet zufolge werden aktuell im Kreis Heinsberg 1150 Erkrankte gezählt, 29 Menschen starben dort an den Folgen einer Coronavirus-Infektion.

An der Studie sind unter anderem auch der Leiter des Bonner Instituts für Hygiene, Martin Exner, und der Leibnizpreisträger Gunther Hartmann beteiligt. Das Forschungsprojekt ist für einen Zeitraum von vier Wochen angelegt. Die Arbeit erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt Heinsberg und dem Landrat des Kreises, Stephan Pusch.

Streeck betonte, er sehe es in der aktuellen Situation als Aufgabe der Wissenschaft an, „schnell Fakten zu schaffen“. „Der Kreis Heinsberg stellt eine ideale Situation dar, Antworten für den Rest von Deutschland zu finden.“

Ziele der Studie „Covid-19 Case-Cluster-Study“ sind unter anderem die Bestimmung der Dunkelziffer von Sars-Cov2-Infizierten und derjenigen, die bereits eine Infektion durchgemacht haben. Durch virologische Diagnostik und eine Fragebogenstudie soll bewertet werden, inwieweit die vorgenommenen Tests richtig waren und wie sich das Virus über Luft, Oberflächen, Bedarfsgegenstände, Lebensmittel und Wasser gegebenenfalls übertragen kann.

Zusätzlich sollen die Probanden im Hinblick auf Vorerkrankungen und Kausalketten wie Reisen, Nahrung und Tierkontakte befragt werden.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Leben in NRW in der Corona-Krise

(mba/AFP/dpa)