Xanten: Viktorschrein gibt sensationelle Geheimnisse preis

Untersuchung eines Archäologen : Knochen einer Frau im Viktorschrein gefunden

Sechs Jahre nach der Öffnung liegen nun weitere Ergebnisse von wissenschaftlichen Untersuchungen vor. Im Schrein liegen Knochen weiterer Menschen und von einem Schwein.

(pek) Clive Bridger nutzte die Gunst der Stunde. Vor sechs Jahren zog die Viktortracht durch Xanten, und nach der Messe konnte er den Inhalt des Schreins begutachten, in dem die Gebeine des Heiligen liegen sollen. „Leider hatte ich nur 70 Minuten“, bedauert der Archäologe. Doch diese Zeit reichte aus, um an zwei Knochen Proben zu entnehmen. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern gewann Bridger einige ungewöhnliche, teilweise sensationelle Erkenntnisse. Der Dombauverein veröffentlicht sie in einer Broschüre, die ab Mitte Dezember an der Domkasse für fünf Euro angeboten wird. (ISBN 978-3-00-064029-2).

Erkenntnis eins: Zähne waren nicht mehr vorhanden. Sie hätten Aufschluss geben können, wo der Mensch seine Jugend verbracht hatte. So konnte anhand der Knochen nur das ungefähre Sterbedatum ermittelt werden, etwa zwischen 240 und 381 nach Christus.

Erkenntnis zwei: Zahlreiche Reliquien sind entgegen früherer Annahme im Schrein nicht mehr vorhanden. Irgendwann während des 27-maligen Öffnens seit 1129 seien sie entnommen und teilweise an andere Orte abgegeben worden, sagt Bridger, „ohne dass wir nachvollziehen können, um welche Knochen es sich handelte und wohin sie gegeben wurden.“

Erkenntnis drei: Im Schrein liegen auch sterbliche Überreste eines weiteren Mannes, die vermutlich ursprünglich in einem Doppelgrab in der Krypta des Doms gelegen haben. Außerdem wurde der Beckenknochen einer Frau gefunden. Ungewöhnlich ist ein Knochen aus dem Kleinen Viktorschrein. „Es handelt sich um den rechten Oberarmknochen eines Schweins und ist deutlich jünger, etwa zu datieren von 646 bis 766 nach Christus“, erläutert der Archäologe. Den Grund dafür kennt Bridger nicht.

Erkenntnis vier: „Eine erste Voruntersuchung zu den Textilien hat geradezu sensationelle Ergebnisse gebracht.“ Teilweise stammen sie aus dem heutigen Usbekistan; Bridger datiert sie auf das 8. oder 9. Jahrhundert. Ähnliches gebe es nur noch in der Laterankapelle in Rom.