Xanten: Bilder erinnern wieder an die Patrone

Xanten: Bilder erinnern wieder an die Patrone

Nach Reinigungs- und Renovierungsarbeiten können die Tafeln am Hochaltar des Xantener Doms wieder bewegt werden. Nach 15 Jahren sind die vier Barthel-Bruyn-Werke über die Heiligen Viktor und Helena wieder zu sehen.

Der Hochaltar im Xantener Viktor-Dom hat eine lange Geschichte. Das Stiftskapitel hatte ihn im Jahr 1529 in Köln in Auftrag gegeben. Und bis heute zeugt das grandiose Renaissance-Werk von dem Wert des bedeutenden Stifts in der damaligen Erzdiözese Köln und im Herzogtum Kleve. In den vergangenen Wochen versperrte ein Gerüst den Blick auf das kostbare Werk, das nach seiner Verschiffung über den Rhein (1533) im Jahr 1544 fertiggestellt worden war. Nach umfangreichen Arbeiten bietet sich dem Betrachter nun aber erstmals wieder ein Anblick, der in den vergangenen 15 Jahren nicht möglich war. Die je zwei Bildflügel rechts und links können wieder bewegt werden. So sind nun wieder die Gemälde von Bartholomäus Bruyn zu sehen, die Szenen aus dem Leben der Xantener Kirchenpatrone Viktor und Helena zeigen.

Retabel nennt sich jener Altar-Aufsatz, in dem der Schatz des Doms aufbewahrt wird - die im sogenannten Viktorschrein aufbewahrten sterblichen Überreste des Hl. Viktor, der erstmals im Jahre 590 von Gregor von Tours im Zusammenhang mit der Hinrichtung des Thebäers Mallosus in Birten genannt wurde, der im "Dom" beigesetzt wurde. Die Soldaten der Thebäischen Legion hatten nicht von ihrem christlichen Glauben ablassen und römischen Göttern Opfer darbringen wollen.

Im Jahr 863 jedenfalls rettete der damalige Propst die Reliquien Viktors vor den Normanneneinfällen. Er brachte sie nach Köln und einige Zeit später wieder zurück nach Xanten. Im nördlichen Seitenschiff der Viktorkirche taucht um das Jahr 1000 ein Kasten auf, in dem die zur Verehrung aufbewahrten Reliquien gelagert sein sollen. Und 1129 wurden sie in einen goldenen Sarg gelegt, der auf den Altar gestellt wurde. Das Retabel, so Propst Klaus Wittke, zieren dann noch versilberten Büsten von Viktor und Helena, weiterer thebäischen Soldaten, des Kaisers Konstantin, zweier Päpste sowie der Gottesmutter und des Apostels Johannes. Und im Untersatz werden 20 Häupter von Märtyrern aufbewahrt, die in rote Tücher gehüllt sind.

Das alles gilt es zu bewahren - und damit auch regelmäßig zu säubern. Das war gerade wieder der Fall, wobei etliche Teile wie die "Kopf-Reliquien-Tücher" in einer Spezialwerkstatt in Köln behandelt wurden, berichtet Propst Wittke. In diesem Jahr aber hat die Gemeinde eben noch einen wichtigen Restaurierungsschritt unternommen. Das Oberteil des Altaraufsatzes hatte sich nach vorn gegen die Oberwange gesenkt und verhinderte damit, dass die vier Seitentafeln in ihrer vollen Pracht geöffnet beziehungsweise vor der dem prächtigen Aufbau geschlossen werden konnten. Inzwischen ist der Aufbau wieder im Lot. "Das kostete zwar", so Klaus Wittke, "insgesamt einen fünfstelligen Betrag, aber es hat sich gelohnt."

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Sieben Meter breit sind jetzt die geöffneten vier Tafeln, die ein wunderbares Bild ihrer Zeit darstellen. Bartholomäus, (Barthel) Bruyn der Ältere (1493 -1555), der seine Kunst bei Jan Joest in Kleve, Kalkar und (Essen-) Werden erlernt hatte und dann nach Köln übersiedelte, machte sich besonders als Altarmaler und Porträtist einen Namen. Eine Kunst, die sich besonders auch in seinen Werken im Auftrag das Essener Damenstifts und eben für Xanten zeigt. Die detailreichen Arbeiten zeigen immer wieder bedeutende Persönlichkeiten ihrer Zeit, und in der Literatur über die Schätze des Domes immer wieder ausführlich beschrieben.

Die Bildertafeln des Hochaltars lassen sich wieder bewegen. Auf den beiden links geht es um das Leben und Sterben Viktors, auf den rechten um Helena. Foto: Foto. Fischer

Ganz links ist Papst Marcellinus in Rom zu sehen, der Viktor segnet. In dieser Szene nimmt der Soldat auch Abschied von Kaiser Maximilian. Auf der zweiten Tafel wird das Martyrium Viktors und seiner Gefährten auf dem Fürstenberg dargestellt. Im Hintergrund sind der Xantener Dom, die Bischofsburg und ein Stadttor ebenso zu sehen wie - weiter im Vordergrund - Bauten der Römer. Auf der rechten Seite sind wichtige Ereignisse aus dem Leben der Heiligen Helena zu sehen, auf deren Wirken viele Kirchbauten zurückgehen. Auch hier ist wieder Rom der Ort des Geschehens. Dort nimmt sie Abschied von Papst Sylvester, der sie mit der Suche nach dem Kreuz Jesu beauftragt. In die Szene "eingebaut" ist Imeza von Dorsten, eine Wohltäterin des Stifts aus dem 11. Jahrhundert. Die Edelfrau hat dem Kanonikerstift den Adelshof Dorsten und die dazugehörigen Unterhöfe vermacht. Im Hintergrund sind Porträts von Xantener Kanonikern zu sehen. Und schließlich findet Helena das Kreuz in Jerusalem. Wieder ist sie zu sehen; dahinter wieder Stiftskanoniker, Schöffen und Bürgermeister aus Xanten sowie deren Frauen und Töchter. Und wer einmal sehen möchte, wie des Künstlers Familie aussah: Ganz rechts hat sich Barthel de Bruyn mit seiner Frau Agnes selbst verewigt. Daneben steht einer seiner Söhne, Arnt oder Bartholomäus, die noch weitere drei Geschwister hatten.

Sehenswert ist das im Dom allemal.

(RP)