Willicher Werbering sucht neuen Vorsitzenden

Jahreshauptversammlung der Händlergemeinschaft : Willicher Werbering sucht neuen Vorsitzenden

Die Willicher Händlergemeinschaft organisiert vier Veranstaltungen im Jahr. Das Engagement der Mitglieder schwindet allerdings. Bei der Jahreshauptversammlung gab es nun klare Worte des Zweiten Vorsitzenden Thomas Mathes.

Nachdem der Anrather Werbering lange nach einem neuen Vorsitzenden gesucht hat und dem Werbering St. Tönis die Auflösung droht, weil sich kein Nachfolger findet, brennt es jetzt auch beim Werbering Willich: Dessen Vorsitzender Christoph Smits hat zum 1. Februar sein Amt niedergelegt, weil er seine Selbstständigkeit als Immobilienmakler in Willich aufgegeben hat und nun als Angestellter in Kaarst arbeitet. „Ich habe nicht mehr die Zeit, die man für dieses Amt benötigt. Deshalb war es für mich die logische Konsequenz, dass ich mein Amt aufgebe“, sagte Smits jetzt bei der Mitgliederversammlung des Werberings im Café K7 am Kaiserplatz. Um es vorwegzunehmen: Beim Tagesordnungspunkt 8 fand sich niemand, der seine Nachfolge antreten möchte.

Thomas Mathes, Zweiter Vorsitzender des Vereins, der die Versammlung leitete, dankte Smits für dessen großes Engagement und zeigte Verständnis für diese Entscheidung: „Du hast Dich eingesetzt wie kaum jemand zuvor und hast viel Zeit investiert.“ Auch die städtische Citymanagerin Christel Holter dankte Smits. Denn ein solches Engagement sei nicht mehr selbstverständlich. Das zeigt nicht nur die Vakanz der Position des Ersten Vorsitzenden, sondern die Mithilfe im Verein allgemein. Und so war Mathes der Frust über das schwindende Engagement vieler Mitglieder anzumerken: „Ein Team funktioniert nicht, wenn sich niemand den Hut aufsetzen möchte.“ Er selbst sei als Studioleiter des Fitnessstudios Halle 22 zwar bereit, den Verein (gemeinsam mit Kassiererin Annett Hannemann und dem übrigen Vorstand) übergangsweise zu führen, doch auf Dauer sehe er einen Einzelhändler aus der Innenstadt an dessen Spitze. „Denn ein Werbering ist der Vertreter der Einzelhändler im Ortskern.“ Diese profitierten schließlich am meisten von den vier großen Veranstaltungen, die der Werbering Jahr für Jahr organisiere. Doch auch das werde immer schwieriger zu stemmen. Wenn das Engagement der Mitglieder nicht steige, müsse man darüber nachdenken, die Beiträge zu erhöhen oder die Anzahl der Events zu verringern, sagte auch Schriftführer Dirk Schumacher. Ein Beispiel von vielen: Die Weihnachtsbeleuchtung in der Innenstadt wird von einer Handvoll Leute aufgehängt – dabei profitieren alle.

Citymanagerin Christel Holter sagte zu, dass die Verwaltung helfen werde, wo es geht, man sei im engen Austausch. Allerdings seien auch dort die Kapazitäten begrenzt – weswegen es in diesem Jahr übrigens auch wieder keinen Weihnachtsmarkt in Alt-Willich geben werde. Als kleinen Ausgleich für den „Ausnahmezustand“, den der Umbau des Marktplatzes mit sich bringe, habe die Stadt dem Werbering einen Zuschuss von 3000 Euro gegeben, ergänzte Holter Hannemanns Kassenbericht.

Wie dringend der Werbering Verstärkung braucht, zeigte sich auch bei der Versammlung selbst: Gerade mal knapp 20 von 81 Mitgliedern waren gekommen. Das lag allerdings auch daran, dass viele per Post verschickte Einladungen aus unerfindlichen Gründen nicht beim Empfänger angekommen und E-Mails ins Leere gelaufen waren. Auch die Homepage des Vereins (Mathes: „Die digitale Visitenkarte“) ist derzeit eine Baustelle. Ein Zustand, der unbefriedigend, aber nicht ohne Weiteres abzustellen sei. „Uns fehlen einfach Menschen, die mit anpacken“, sagte Mathes.

Trotz allen Frusts hatte der Verein auch 2018 wieder einiges auf die Beine gestellt: das Blütenfest im Frühling, das Cityfest im Sommer (diesmal mit einem gut besuchten Abend mit dem Willicher DJ Leon Brooks) und das Herbstfest samt „Biathlon auf Schalke“-Tour. Diese fand 2018 zum dritten Mal statt, allerdings auch zum letzten Mal. Denn: „Es war nicht viel los. Da hatten wir uns mehr von versprochen“, sagte Mathes. Für dieses Jahr müsse man sich etwas Neues überlegen, da verkaufsoffene Sonntage nur dann genehmigt werden, wenn sie an eine besondere Veranstaltung gekoppelt sind. „Ideen werden gern entgegengenommen“, sagte Mathes. Gewinn hatte der Verein mit diesen Veranstaltungen, die hohe Kosten mit sich bringen, nicht gemacht, das sei aber nicht ungewöhnlich und auch nicht Zweck. Vielmehr sollen sie dafür sorgen, dass die Innenstadt belebt wird. Für den Werbering kostenfrei war die vierte Veranstaltung „Die Nikoläuse sind los“ am 6. Dezember.

Lutz Schönenborn (v.l.), Monika Fröhlich, Dirk Schumacher, Annett Hannemann, Thomas Mathes und Bernd Arnolds sind Vorstand des Werberings. Foto: Marc Schütz

Am Ende der Veranstaltung fruchtete Mathes’ eindringlicher Appell an die Mitglieder dann übrigens doch noch: Als die Wahlen des Zweiten Vorsitzenden und des Zweiten Schriftführers (Mathes und Monika Fröhlich wurden einstimmig wiedergewählt) schon längst abgeschlossen waren, erklärte sich Lutz Schönenborn bereit, den Posten des Zweiten Kassierers zu übernehmen. Auch er wurde einstimmig gewählt und ergänzt somit den Vorstand, zu dem als Sechster im Bunde Bernd Arnolds als Beisitzer gehört. Nun gilt es, einen Vorsitzenden zu finden.

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