Elita Grafke (Nabu) hat Grundschüler der Astrid-Lindgren-Schule in Sachen „wilder Müll“ ausgebildet

Astrid-Lindgren-Schule : Wilder Müll: Junge Experten klären auf

Das Kinderparlament der Astrid-Lindgren-Schule hat seinen ersten Experteneinsatz gemeistert. Elita Grafke bildete die Grundschüler zu Experten in Sachen „wilder Müll“ aus. Jetzt informierten die Schüler ihre Klassenkameraden über das Thema.

„Wenn wir Fußball spielen, der Ball kaputtgeht und wir diesen nicht mitnehmen und in die Mülltonne schmeißen, sondern draußen liegen lassen, dann können Tiere daran sterben“, erklärt Leo mit ernster Stimme und deutet auf den ausgestopften Fuchs, der die Problematik verdeutlicht. Er steckt nämlich mit dem Kopf in einem kaputten Ball. Der Zweitklässler informiert darüber, dass das Tier, das den Kopf neugierig in die offene Fußballhülle gesteckt hat, sich nicht mehr befreien kann und so elendig verdursten und verhungern muss. „Das passiert wirklich“, betont Leo und zeigt auf ein Foto an der Pinnwand, das genau diese Situation widerspiegelt. Das tote Tier wurde in Dortmund gefunden und fotografiert.

Aber nicht nur in Dortmund macht wild in der Natur entsorgter Müll Probleme. „Das ist in Willich im Stahlwerk Becker passiert. Da hat jemand den Plastikring einer Getränkeverpackung weggeworfen. Eine Ente hat ihn aufgepickt und über den Kopf gezogen“, sagt Ava. In diesem Fall hatte die Ente Glück. Beherzte Menschen lockten sie und schnitten den Plastikring auf. Das Foto der Ente mit Ring zieht die Aufmerksamkeit der Schüler aus der 3a der Astrid-Lindgren-Grundschule auf sich, die sich in der Aquarienhalle der Schule um die Ausstellung „Wilder Müll“ versammelt haben. Der dazugehörige gelbe Plastikring macht zudem die Runde durch die Kinderhände. In den Kindergesichtern spiegelt sich Betroffenheit wider, und es wird aufgeregt miteinander gewispert. „Dass so etwas passieren kann, habe ich nicht gewusst“, ist ein leiser Kommentar zu hören.

Genau auf diese Art der Wissensvermittlung und Aufklärung setzt Elita Grafke. Die Naturtrainerin der Nabu-Ortsgruppe Willich hat nicht nur mit den Naturdetektiven, wie ihre Gruppe von Grundschülern heißt, die sie an der Astrid-Lindgren-Grundschule betreut, die bekannte Ausstellung „Wilder Müll“ ins Leben gerufen und um die Themen Gefährdung durch Zigarettenkippen und Luftballons erweitert, sondern bildet auch junge Experten aus. In diesem Fall sind es die 18 Grundschüler von der Kinderkonferenz der Astrid-Lindgren-Grundschule.

Seit dem Schuljahr 2017/18 nennt die Grundschule eine Kinderkonferenz ihr Eigen. „Alle Klassensprecher von der ersten bis zur vierten Klasse gehören unserer Kinderkonferenz an. Wir haben die Lehrerkonferenz und die Schüler die Kinderkonferenz. Von dort werden Wünsche und Anregungen an uns Lehrer herangetragen, und umgekehrt machen wir es auch“, sagt Lehrerin Christa Röhrscheid. Es entstand die Idee, die Kinder des Kinderparlaments als Experten in Sachen „Wilder Müll“ auszubilden. „Alle Kinder haben mit Begeisterung zwei Stunden nach dem normalen Unterricht mit mir verbracht, und wir haben uns gemeinsam mit dem Thema auseinandergesetzt“, berichtet Elita Grafke. Nun gingen die Experten erstmals in den Einsatz. Aufgeteilt in Teams, klärten sie ihre Mitschüler, die die Ausstellung klassenweise besuchten, darüber auf, was es heißt, wenn jemand Müll in der Natur zurücklässt, welche Gefahren von mal eben weggeschnipsten Zigarettenkippen ausgehen und wie gefährlich Luftballons, die Menschen oftmals bei Festlichkeiten in den Himmel steigen lassen, für Tiere sind.

„Es ist spannend, ein Experte zu sein und sein Wissen den anderen mitteilen zu können. Auf diesem Weg erfahren sie, wie schlimm es für Tiere sein kann, wenn Müll weggeworfen wird“, sagt der neunjährige Lasse. Viele wüssten auch gar nicht, wie gefährlich Luftballons seien, und daher sei es wichtig, das zu erklären, schließt sich die gleichaltrige Ava an. Elita Grafke und die Kinder machen dabei deutlich, dass Schimpfen nichts nützt, sondern dass man vielmehr den Menschen erklären muss, was sie unwissentlich tun, wenn sie eine Kippe oder einen Coffee-to-go-Becher in der Natur entsorgen oder Ballons steigen lassen. „Wir passen auf und erzählen es anderen weiter“, bringt es Katharina aus der 3a am Ende der Präsentation auf den Punkt.

Die Kinderkonferenz hat indes ein erstes Projekt in Sachen Müll auf den Weg gebracht und ein Schreiben an die Stadt Willich aufgesetzt, in dem sie darum bittet, die Außenmülleimer der Schule, die noch ohne Deckel sind, durch Modelle mit Deckel zu ersetzen. So soll vermieden werden, dass Müll durch Wind oder Tiere herausgeholt und damit wieder zur Gefahr wird.

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