Werbering St. Tönis braucht einen neuen Vorstand

St. Tönis : Werbering St. Tönis steht vor dem Aus

Der Vorstand des Werberings St. Tönis hat ein letztes Ultimatum gesetzt: Das Frühlingsfest organisieren die drei Mitglieder noch, danach ist Schluss. Sollte sich kein neuer Vorstand finden, wird der Verein aufgelöst.

Eine dramatische Versammlung erlebten die rund 30 Mitglieder des Werberings St. Tönis, die am Mittwochabend zur außerordentlichen Sitzung des Vereins gekommen waren. Vorsitzender Stefan Robben, der ebenso wie Finanzchef Uli Peeren bereits vor einem Jahr angekündigt hatte, das Amt aus Altergründen in jüngere Hände geben zu wollen, war nahe dran, endgültig alles hinzuschmeißen. „Ich bin maßlos enttäuscht, dass es die Einzelhändler offenbar überhaupt nicht interessiert, was aus dem Werbering wird“, sagte Robben.

Markus Ottersbach vom Einzelhandelsverband, der schon in der Vergangenheit immer wieder versucht hatte, dem amtierenden Vorstand des Werberings dabei zu helfen, den Verein neu aufzustellen, war es, der das Drama abwendete. Er konnte den Vorsitzenden davon überzeugen, wenigstens noch bis zum Frühlingsfest Ende März durchzuhalten. Schließlich seien die Vorbereitungen dafür bereits getroffen, und es wäre doch schade, wenn dieses Fest ausfallen müsste, wo doch der Weihnachtsmarkt schon abgesagt worden sei.

Für Robben, Peeren und auch Rino Caruana, den stellvertretenden Vorsitzenden, steht jetzt aber fest, dass danach endgültig Schluss ist mit der Vorstandsarbeit. „Wenn sich bis April kein neuer Vorstand gefunden hat, wird der Werbering aufgelöst“, sagt Robben am Tag nach der Versammlung, und die Verbitterung ist ihm anzuhören: „Wir haben so viel gemacht für die Händler in der Innenstadt und nie ein Danke gehört.“ Wahrscheinlich sei den meisten Mitgliedern gar nicht bewusst, wie viel Arbeit hinter den Stadtfesten und Aktionen stecke und wie wichtig das für eine lebendige Innenstadt sei.

„Ich würde mich nicht wundern, wenn auf der Hochstraße in drei, vier Jahren Leerstand herrscht“, sagt Robben. Der Internethandel erschwere den Einzelhändlern das Geschäft sowieso schon, und wenn dann eine Innenstadt keine Werbung mehr für sich mache und Menschen über Stadtfeste anlocke, komme bald niemand mehr. „Die werden erst wach, wenn es den Werbering nicht mehr gibt”, sagt Robben. Und auch Uli Peeren meint: „Ohne Feste, ohne Aktionen, ohne Weihnachtsverlosung ist der Kundenabfluss in andere Städte unausweichlich. Da wird sich manch einer noch wundern.“

Im Sommer vorigen Jahres sah es fast so aus, als habe der Werbering mit Reinhardt Rötgerkamp einen Kandidaten gefunden, der bereit ist, die Vorstandsarbeit zu übernehmen. Aber schon im September, bevor es zur Wahl kam, trat Rötgerkamp von der Kandidatur wieder zurück. Auch er bemängelte fehlendes Interesse und Engagement bei den knapp 110 Mitgliedern. Nun soll es im April eine weitere außerordentliche Mitgliederversammlung geben. Auf der Tagesordnung steht nur ein Punkt: Neuwahlen des Vorstands oder Auflösung des Werberings.

Stefan Robben, der der Händlervereinigung seit 26 Jahren vorsteht, hofft auf ein kleines Wunder. „Ich hoffe, dass sich zwei Leute für den Vorstand melden. Es wäre so schade, wenn sich der Verein auflöst. Wenn eine solche Organisation erst mal weg ist, wird es schwer, etwas Neues aufzubauen.“ Nicht nur für die Händler, die andere Wege suchen müssten, Menschen in ihre Geschäfte zu locken, auch für das Stadtleben wäre es ein Verlust, wenn es den Werbering nicht mehr gäbe. Er ist es, der Frühlingsfest, Weiße Nacht, Sommerfest, Frische-Markt mit Autoshow, Lichter-Nacht und Weihnachtsmarkt auf die Beine stellt.

Und durch die Weihnachtsmarken-Aktion und den Verkauf von Werbering-Gutscheinen, wofür ebenfalls der Vorstand vom Werbering verantwortlich zeichnet, werde ein Umsatz von 40.000 Euro pro Jahr generiert, der ausschließlich in Werbering-Geschäften verbleibe, weiß Uli Peeren.