Leprahilfe Schiefbahn stellt Deckenproduktion ein

Wegen hoher Strafzölle : Leprahilfe stellt Deckenproduktion ein

Wegen immer höherer Strafzölle hat sich die Aktion Mission und Leprahilfe Schiefbahn entschieden, keine Wolldecken mehr zu produzieren und in arme Länder zu schicken. Die gute Nachricht: Das Spendenaufkommen ist hoch wie lange nicht.

Seit 1963 hilft das Schiefbahner Hilfswerk den Leprakranken in aller Welt. Sinnbildlich für die zahlreichen Hilfen, die auch im Vorjahr über 200.000 Euro betragen haben, sind die Garne, die die Frauen in der Schiefbahner Wickelstube zu Wollfäden werden lassen, aus denen dann Wolldecken hergestellt werden – und das seit mehr als 50 Jahren. Jetzt sind die zehn Schiefbahner Frauen ihren „Job“ allerdings los: Aufgrund immer größerer Einschränkungen bei der Einfuhr von Textilien in andere Länder musste jetzt notgedrungen das Wickeln und Stricken eingestellt werden.

„Wir mussten jetzt endgültig die Reißleine ziehen“, sagte Bürgermeister Josef Heyes, der seit 1985 der Vorsitzende des einst von Weihbischof August Peters (1931 bis 1986) gegründeten Hilfswerkes ist. Zuletzt hatte ihn Anfang März ein Hilferuf von Pater Evod Shao aus Tansania erreicht, nachdem textile Lieferungen mit vielen Wolldecken nur gegen hohe Strafzölle ausgeliefert werden durften und teilweise Hilfsgüter zurückgeschickt werden sollten. Ein Dilemma, das sich bereits vor einigen Jahren in Indien andeutete und jetzt auch immer mehr afrikanische Staaten erreicht. Denn die weltweite Textilproduktion war verstärkt in Billiglohn-Länder, die lange Zeit händeringend um diese Hilfen gebeten hatte, verlagert worden, wie zuletzt auch nach Kenia, Uganda und Namibia. „Und um die heimische Textilproduktion nicht zu schwächen, waren die Verbote, Restriktionen und Strafzölle im Laufe der Zeit immer größer geworden“, sagte Josef Heyes.

In der Schiefbahner Zentrale der Aktion Mission und Leprahilfe stapeln sich derzeit Hunderte dieser Wolldecken, die noch auf ihren Abnehmer warten. Aufgrund der Einschränkungen hatten diese Decken in den vergangenen Jahren auch Flüchtlingscamps in Deutschland erhalten. Eine große Lieferung von Hilfsgütern aller Art ist bald wieder vorgesehen - in Länder, in denen es diese massiven Einschränkungen und Einfuhrverbote noch nicht gibt. „Das war für unsere zehn ehrenamtlichen Wickeldamen natürlich ein schwerer Schlag, als sie von uns erfahren haben, ,arbeitslos’ geworden zu sein, zumal sich bei ihren Treffs in den einzelnen Gruppen viele soziale Kontakte ergeben hatten“, schildert die zweite Vorsitzende Sigrid Stegemerten. Die Damen im Alter von 65 bis über 80 Jahren sind Marlies Billen, Adelheid de Brouwer, Gertrud Deutmarg, Berta Küppers, Waltraud Saul, Inge Schroers, Marlene Tenten, Walburga Terhoeven, Traudel Westerfeld und Christel Wölke. Die Damen wollen sich aber weiter treffen, wenngleich mit etwas anderen Aufgaben. Sie helfen künftig bei den Büroarbeiten oder stellen Gehäkeltes und Gestricktes her, das auf Basaren für das Hilfswerk verkauft werden soll.

Natürlich macht die „Aktion Mission und Leprahilfe“ weiter. Mit welch großem Erfolg, wurde kürzlich bei der Mitgliederversammlung in der Kulturhalle deutlich: So wurden im vergangenen Jahr über 200.000 Euro für eine Vielzahl von Projekten ausgegeben, beispielsweise für ein Leprazentrum im ostindischen Bhubaneswar, für eine bessere Trinkwasserversorgung in Tansania und Kenia, für den Aufbau einer Gesundheitsklinik in Äthiopien, für Mais- und Getreidemühlen oder für Schul- und Ausbildungsprojekte. Allein für die Finanzierung von Medikamenten und medizinischen Hilfsgütern wurden über 70.000 Euro bereitgestellt. Noch vor wenigen Wochen brachte der Vorstand ein weiteres Hilfspaket von insgesamt rund 50.000 Euro auf den Weg. Was besonders erfreulich ist: An Spenden und Basarerlösen waren im Jahr 2018 über 270.000 Euro eingegangen – so viel wie schon lange nicht mehr. So verzichteten viele bei runden Geburtstagen, Ehejubiläen oder anderen Ereignissen auf Geschenke und baten ihre Gäste darum, stattdessen das Leprahilfswerk zu bedenken. Hinzu kam die Erbschaft einer Dame, die in der Heimatstadt von Weihbischof August Peters wohnte, in Kaldenkirchen.

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