Krefeld: Krefelder zeigt Willicher Baudezernentin an

Krefeld: Krefelder zeigt Willicher Baudezernentin an

Der Krefelder Unternehmer und Familienvater Farhad Jalalai kämpft gegen Windmühlen - seit dem Jahr 2013, als er den historischen Pimpertzhof in Willich-Anrath erwarb. Jetzt ist seine Geduld am Ende. Bei der Staatsanwaltschaft Krefeld hat er Anzeige gegen die Willicher Baudezernentin wegen Nötigung und Verleumdung erstattet.

Der 38-jährige Krefelder Farhad Jalali ist Inhaber der Firma Videowall GmbH. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Jägermeister und Karstadt Sport. Der studierte Betriebs- und Volkswirt hat 2013 den jahrhundertealten Pimpertzhof mit 1600 Quadratmeter Nutzfläche in Willich-Anrath gekauft, um dort zu leben und zu arbeiten.

Dazu wollte er viel Geld in die Hand nehmen, um die zum Teil marode Bausubstanz in Ordnung zu bringen. Die Scheune, in der etwa 30 Jahre lang ein Schlossereibetrieb beheimatet war, sollte zu einer Art Showroom für die Präsentation großer LED-Videowände hergerichtet werden.

Doch so einfach war die Sache nicht. Das 5000 Quadratmeter große Grundstück ist als "Fläche für die Landwirtschaft" ausgewiesen. Seitdem zieht die Willicher Stadtverwaltung offenbar alle bürokratischen Register, um den Krefelder Familienvater zu bremsen. Der Vergleichsvorschlag des Verwaltungsgerichts Düsseldorf bei einem Ortstermin führte zunächst vordergründig zum Ziel. Der Planungsausschuss votierte einstimmig für eine Änderung des Bebauungsplans.

Doch inzwischen haben sich die Fronten derart verhärtet, dass Fahrhad Jalalai in einer Strafanzeige gegen die Willicher Baudezernentin einen Ausweg sieht. Er hat bei der Staatsanwaltschaft in Krefeld Anzeige wegen Nötigung und Verleumdung eingereicht. Weitere Anzeigen gegen den Willicher Bürgermeister wegen Strafvereitelung im Amt und gegen Sachbearbeiter wegen Missbrauch der Amtsgewalt seien in Vorbereitung, berichtete der 38-Jährige gestern.

Trotz des politischen Beschlusses, den Bebauungsplan zu ändern, passierte nichts. Im Gegenteil, die Verwaltung erließ ein Betretungsverbot für die Immobilie und erklärte die Substanz öffentlich für "100 Prozent abgängig". Die Beigeordnete geißelte ebenso öffentlich den Vorstoß des Krefelders über die Medien und erklärte: "Wir können auch anders".

Der Krefelder Familienvater versteht das als Drohung. Nachdem der Hof gleichsam als wertlos bezeichnet worden war, habe die Bank den Kredit für den Hof gekündigt, berichtete Jalalai. Er ist daran nicht zerbrochen, hat Ersatz besorgt und kämpft weiter um sein Recht, sein Eigentum und seine Bau- und Nutzungsgenehmigung.

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Seine Eingaben werden ihm zufolge aber nicht mehr bearbeitet, seine Untätigkeitsklagen und Dienstaufsichtsbeschwerden ignoriert. "Mein Architekt hält die Sanierung des Hofes für machbar und finanzierbar", sagte der Geschäftsmann. Für relativ kleines Geld lasse sich auch die Verkehrssicherheit auf dem Grundstück herstellen, so dass das Betretungsverbot aufgehoben werden könnte.

Jalalai versteht nicht, wieso die Stadt Willich seine Bemühungen, einen kulturhistorisch wertvollen alten Hof zu sanieren nicht begrüßt. Denkmaleigentümer würden oftmals gegen ihren Willen dazu verdonnert, immense Summen in den Erhalt zu investieren, und sein freiwilliges Engagement sei offenbar unerwünscht. Die vier Jahre des Wartens auf Fortschritte hätten bereits eine Menge Geld verschlungen, betonte er.

Eigentlich müsste er einen versierten Verwaltungsrechtler mit seinen Interessen betrauen, aber dazu könne er sich im Moment noch nicht durchringen. "Das wäre mit einem großen finanziellen Risiko behaftet", sagte Jalali. In den sozialen Medien bekommt der Krefelder mit seiner Frau Mira und dem bald dreijährigen Töchterchen Lisa viel Zuspruch - auch aus der Willicher Politik. Unterstützung bekommt der Krefelder von ungeahnter Seite. Der Fernsehsender RTL habe für seine Sendung "Mario Barth deckt auf" Kontakt zu ihm aufgenommen.

Die Willicher Beigeordnete bleibt gelassen bei ihren bisherigen Entscheidungen, die Gebäude abreißen zu lassen. Den Bebauungsplan zu ändern, dazu gebe es keine Notwendigkeit. Christian Pakusch, Vorsitzender des Willicher Planungsausschusses, hält es für wenig hilfreich, Strafanzeigen in die Welt zu setzen und die handelnden Personen an den Pranger zu stellen. Er habe versucht zu vermitteln. Er kann den Frust des Eigentümers verstehen, aber die Rechtslage für Grundstücke im Außenbereich sei eindeutig. Da könne kein Präzedenzfall geschaffen werden.

Update: In einer vorherigen Version dieses Artikels hieß es, es sei Anzeige gegen die Baudezernentin wegen Untreue und Verleumdung erstattet worden. Das ist falsch. Es gab Anzeigen wegen Nötigung und Verleumdung.

(sti)
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