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Wieder Gottesdienstin St. Anrath Anrath

St. Johannes wieder geöffnet : Gottesdienst in Corona-Zeiten

Die ersten Heiligen Messen unter Einhaltung von Vorgaben, die dazu beitragen sollen, die Gesundheit der Gottesdienstbesucher zu schützen, fanden am Wochenende in den Kirchen der GdG Willich statt.

Noch bevor die Glocken in Anrath zur Messe rufen, sind die ersten Gottesdienstbesucher schon da. Sieben Wochen lang haben sie darauf gewartet, in St. Johannes wieder eine Heilige Messe feiern zu dürfen. Jetzt ist es soweit. Die katholische Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Willich ist die erste in der Region, die ihre Kirchen am vergangenen Wochenende wieder für Messen geöffnet hat.

Vorraum stehen Helmut Buttgereit und Hans-Peter Rolshoven. Sie geben Gebetszettel und Blätter mit den Vorschriften aus, etwa, dass die Besucher nur an den markierten Plätzen sitzen dürfen, den Mindestabstand einhalten sollen und im Gottesdienst nicht gesungen wird. Und sie kontrollieren die Einlasskarten, die sich jeder Kirchgänger zuvor im Pfarrbüro abholen musste. „So wissen wir, dass nicht zu viele Menschen in der Kirche sind und wir wissen, wer hier ist“, erklärt Buttgereit. Infektionsketten ließen sich dadurch leichter zurückverfolgen.

Die Anzahl der erlaubten Besucher richtet sich nach der Größe der Kirche: Pro Gast werden zehn Quadratmeter veranschlagt. Alle Gottesdienstbesucher tragen Mundschutz. Auch darum hatten die Verantwortlichen im Vorfeld gebeten. „Die Auflagen nimmt man in Kauf“, sagt Michael Schicks, der mit seiner Frau Anita gekommen ist. Beiden bedeutet es viel, dass es wieder Gottesdienste gibt. „Wir haben das sehr vermisst.“ So geht es auch Maritta Bisges. „Der Mundschutz ist zwar lästig, aber wir nehmen gerne Rücksicht“, sagt die Anratherin, „Hauptsache, es gibt wieder Messen.“

50 Menschen sind gekommen, Plätze gibt es in St. Johannes für 75 Gäste. Die Atmosphäre während des Gottesdienstes ist sehr konzentriert. Durch den räumlichen Abstand zum Nächsten ist jeder für sich, bei sich und bei Gott. In der Kirche ist es ungewöhnlich still, niemand scharrt mit den Füßen, niemand räuspert sich, aber vielleicht schluckt das auch der Mundschutz. Im Altarraum steht Pfarrer Markus Poltermann. „So sieht also in den kommenden Wochen eine volle Kirche aus“, sagt der Pfarrer und blickt in die Reihen: Nur jede zweite Bank ist besetzt und das auch nur mit zwei Personen. Ausnahmen gibt es bei Paaren und Familien. So wollen es die Sicherheitsregeln.

Der Gottesdienst verläuft dann aber fast normal. Kantor Marcell Feldberg spielt Orgel und singt das Gloria, die Gemeinde verzichtet aufs Singen und spricht den Liedtext. Im Johannes-Evangelium, das für diesen Sonntag vorgegeben ist, sagt Jesus: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben.“ „Ein Leben in Fülle“, sagt Pfarrer Poltermann, das sei ihm in den vergangen Tagen wie Hohn vorgekommen. „Alles, was unser Leben wirklich ausmacht, fehlt uns. Wir vermissen die zwischenmenschlichen Begegnungen.“ Und weil es im Evangelium auch um Türen geht, die sich öffnen, fordert der Pfarrer dazu auf, die Türen und die Herzen für andere weit zu öffnen, sobald das wieder möglich ist.

Etwas befremdlich verläuft die Kommunionausteilung. Pfarrer Poltermann trägt dazu einen kompletten Gesichtsschutz aus Plastik und bleibt bei der Übergabe der Hostie stumm. Die Gläubigen nehmen die Hostie mit weit vorgestreckten Händen und Mundschutz entgegen. Erst in den Bänken wird der Mundschutz kurz ab- und die Hostie aufgenommen.

An den Ausgängen kommt es dann am Ende doch noch zu einem kleinen Auflauf, denn dort stehen die Kollekte-Körbe. Ansonsten aber verläuft alles nach Vorschrift und die Besucher verlassen die Kirche mit einem guten Gefühl.