Der soziale Wohnungsbau spielt in Willich eine wichtige Rolle.

Was sich in Willich getan hat : Mehr Wohnraum für jedermann

Der soziale Wohnungsbau spielt in Willich eine wichtige Rolle. Bezahlbaren Wohnraum soll es für Familien und Senioren geben. In den vergangenen Monaten hat sich in der Stadt viel getan, weitere Projekte laufen.

„Wir haben uns aufgemacht und sind in Willich auf einem guten Weg.“ Dieses Fazit zieht Willichs Erster Beigeordneter und Kämmerer Willy Kerbusch zum sozialen Wohnungsbau in der Stadt. In allen vier Stadtteilen gibt es solchen oder wird er geschaffen. Dass die Nachfrage hoch ist, zeigt allein der Neubau am Kirchplatz/Ecke Neersener Straße in Anrath: In dem Objekt entstanden 15 Wohnungen zwischen 70 und 90 Quadratmetern Größe für Familien und Senioren, die sehr schnell einen Mieter gefunden haben.

Auch der vor einigen Jahren entstandene Neubau am Kirchplatz, schräg gegenüber liegend, mit 24 Wohnungen weist keine Leerstände auf. Wobei es sich hierbei um Seniorenwohnungen im sozialen Wohnungsbau handelt. Fünf Einfamilienhäuser sind es in Neersen an der Nell-Breuning-Straße, die nach Rechtskraft des Bebauungsplans im dritten oder vierten Quartal 2019 nicht nur für Flüchtlinge, sondern auch für alle kinderreichen Familien genutzt werden können. Dazu könnten in absehbarer Zeit 24 Wohnungen kommen. Diese werden im Erstbezug derzeit für Flüchtlinge genutzt und könnten bei einem zweiten Bezug umgewidmet und für den sozialen Wohnungsbau eingesetzt werden. Dazu muss lediglich der Bebauungsplan stehen.

In Schiefbahn ist eine solche Umwidmung gegebenenfalls auch vorgesehen. Hier handelt es sich um neun Einfamilienhäuser an der Fontanestraße, in denen derzeit kinderreiche Flüchtlingsfamilien wohnen. Dazu kommen 20 Sozialwohnungen mit Größen von zwei bis vier Zimmern am Schiefbahner Dreieck, wo ursprünglich zehn Flüchtlingswohnungen geplant wurden, die aber inzwischen umgewidmet wurden und als sozialer Wohnraum zur Verfügung stehen. In Alt-Willich besteht Bedarf an öffentlich geförderten Wohnungen. „Wir hoffen hier auf gut 20 neue Wohnungen“, sagt Willy Kerbusch. Aktuell plant die Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft (GWG) des Kreises Viersen an der Neusser Straße den Neubau von sieben Einfamilienhäusern für kinderreiche Familien, die öffentlich gefördert werden. „Familien ein eigenes Haus für eine kleine Miete anbieten zu können, ist wichtig“, betont Willy Kerbusch. Während er Anrath und Neersen derzeit als gut versorgt bezeichnet, sieht er für Willich und Schiefbahn weiteren Bedarf.

Auch in diesen beiden Neubauten am „Schiefbahner Dreieck“ sind günstige Wohnungen entstanden. Foto: Marc Schütz

Beim sozialen Wohnungsbau, der durch öffentliche Mittel vom Land gefördert wird, bringt sich die Stadt Willich mit Zuschüssen ein. Dafür erhält die Stadt ein Belegungsrecht und kann mitentscheiden, wer eine solche Wohnung oder ein auf dieser Basis gefördertes Haus zu der entsprechend kleinen Miete erhält. Die Bindung samt der Ablösung für die Gebäude liegt bei 25 Jahren. Danach können sie frei vermietet werden und gehören nicht mehr dem sozialen Wohnungsbau an.

Willy Kerbusch sieht den öffentlich geförderten sozialen Wohnraum aber nur als eine Seite der Medaille. „Wir brauchen neben dem sozialen Wohnungsbau ein generelles System für bezahlbaren Wohnraum. Einfach pauschal zu sagen, 30 Prozent sozialer Wohnraum reiche, ist nicht richtig. Wir benötigen auch für Willich bezahlbaren Wohnraum für junge Familien und für Menschen, die knapp über dem Limit verdienen“, sagt der Kämmerer. Er spricht von einem gut durchdachten Mix aus frei finanziertem, preisgebundenem und sozialem Wohnraum. Dies kann er sich auch für das Neubaugebiet Katharinen-Höfe auf dem ehemaligen Krankenhaus-Gelände an der Bahnstraße vorstellen.

Generell solle man, so Kerbusch, in jedem Baugebiet auf einen solchen Mix achten, lautet sein Credo. Wobei es in seinen Augen den Stein der Weisen nicht gibt. Neue Konzepte ausprobieren, sehen was in anderen Städten bereits mit Erfolg läuft, modellartige Projekte entwickeln, Wohnraum für Jung und Alt, Singles, Paare und Familien schaffen, den sich Menschen leisten können, stehe ganz oben auf der Prioritätenliste der Stadt Willich. Wobei der Kämmerer bezahlbaren Wohnraum bei einer Kaltmiete von acht Euro pro Quadratmeter ansetzt. Barrierefreier Wohnraum für Senioren fehlt in seinen Augen in allen vier Willicher Ortsteilen. Die Nachfrage ist groß.

Der Kämmerer sieht die Altersarmut gerade bei alleinlebenden Senioren als gewaltiges Problem an. Hier sei wieder der barrierefreie soziale Wohnungsbau gefragt. „Die Betreuung älterer Mitmenschen bekommt gerade einen anderen gesellschaftlichen Stellenwert. Früher war sie eine Art Nebenbeigeschäft, jetzt steht sie im Mittelpunkt. Menschen wollen länger in ihren eigenen vier Wänden wohnen, und das wollen wir unterstützen“, sagt Kerbusch. Daher wird mehr Wohnraum in den Innenstädten gebraucht. Verdichtung im Quartier ist das Stichwort. Was wiederum bedeutet, das Innenstadtpotenzial anders zu erschließen. Kerbusch spricht von neuen Wegen, die zu gehen sind. Eine Wohnungsbörse, die andere Städte bereits nutzen, könnte sich der Kämmerer auch für Willich vorstellen.

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