Sozialer Wohnungsbau in Hückeswagen nicht rentabel

Neubaugebiet : Brunsbachtal ohne sozialen Wohnungsbau 

Im Planungsausschuss sollte es eigentlich um das Neubaugebiet im Brunsbachtal gehen, dessen aktueller Plan vorgestellt wurde. Die Diskussion drehte sich aber schnell um die Möglichkeiten bezahlbaren Wohnraums in der Schloss-Stadt.

Die Hückeswagener hatten entschieden. Aber auch ohne das knappe Ergebnis des Bürgerbegehrens im April zum Neubau der Löwen-Grundschule im Brunsbachtal wäre zwischen Bürgerbad und Kölner Straße ein Neubaugebiet geplant worden. Die Planungen sind in vollem Gange, im Juni hatte es zudem einen Ideenworkshop unter Bürgerbeteiligung im Kultur-Haus Zach gegeben. „Dabei ist tatsächlich eine Idee entstanden, die nun im Planungsausschuss präsentiert wird“, sagte Bürgermeister Dietmar Persian. Demnach soll die Verbindungsstraße zwischen Brunsbachtal und Kölner Straße nicht zwischen Hallenbad und der neuen Grundschule geführt werden, sondern zwischen Schule und Bundesstraße.

Damit soll verhindert werden, dass die Kinder auf dem Weg zum Bürgerbad oder zur Mehrzweckhalle eine Straße überqueren müssen. „Es soll auch keinen Durchgangsverkehr auf dieser Straße geben“, betonte Persian. Deswegen werde die Verbindungsstraße auf halbem Weg – unterhalb des Reitstalls – mit Pollern abgsperrt sein. „Wer von unten ins Neubaugebiet fahren muss, kann das, genauso wie es von oben her möglich sein wird. Aber die Durchfahrt ist nur für Rettungswagen möglich“, betonte der Bürgermeister. Das soll den von der Stadtverwaltung gewollten Charakter der Siedlung erhalten und zudem verhindern, dass Autofahrer, etwa vom Fürstenberg kommend, eine Abkürzung nach Wermelskirchen oder Remscheid über die Kölner Straße nehmen würden.

SPD-Ortsvorsitzender Horst Fink zeigte sich mit dem Bebauungsplan nicht einverstanden. „Das gefällt mir nicht so gut“, sagte er. Es seien 48 Einfamilienhäuser geplant, es gebe vier Sackgassen mit Wendehämmern. „Da sind null öffentliche Flächen eingeplant, es ist alles verdichtet“, betonte er. Fink lobte hingegen den vorherigen Vorschlag, bei dem im Bereich hinter dem Hallenbad mehrere Mehrfamilienhäuser vorgesehen waren. „Die sind jetzt nicht mehr vorhanden – und der SPD-Fraktion ist es wichtig, dass es Wohnraum auch jenseits des Einfamilienhauses gibt“, stellte er klar. Ihm fehlten zudem grundsätzlich öffentliche Flächen bei Neubaugebieten. „Wenn ich Kind wäre – wo sollte ich denn in so einem Neubaugebiet zum Spielen?“

Der aktuelle Plan des Neubaugebiets Brunsbachtal sieht 48 Einfamilienhäuser, die neue Löwen-Grundschule sowie den Neubau der Feuerwache (r.) vor. Foto: Grafik: Stadt

Persian betonte, dass die Diskussion zu diesem Thema öffentlich geführt werden müsse. Er beachte aber auch den Bedarf auf dem Markt. „Kleine Wohneinheiten werden in Hückeswagen schlicht nicht in der Form nachgefragt, wie es bei Einfamilienhäusern der Fall ist. Der soziale Wohnungsbau ist uns wichtig, aber wir müssen auch entsprechend des Bedarfs am Markt planen“, sagte Persian. Er wies zudem darauf hin, dass bei der Planung im Brunsbachtal durchaus viele Grünflächen vorgesehen seien. „Der Klettergarten und der angrenzende Wald bleiben zudem vom Baugebiet her unberührt.“

Der soziale Wohnungsbau war durch die Fraktionen hinweg Thema. Grünen-Fraktionschef Egbert Sabelek sagte: „Das muss einfach in neu entstehenden Neubaugebieten berücksichtigt werden.“ Sein SPD-Kollege Hans-Jürgen Grasemann betonte: „Da müssen wir aber auch in Berlin Druck machen.“ FDP-Ehrenvorsitzender Gerhard Welp merkte an: „Man müsste ja zwei- bis dreigeschossig bauen, um die Mieten entsprechend günstig halten zu können. Darüber sollten wir im Planungsausschuss auf jeden Fall noch einmal reden.“ HEG-Chef Dieter Klewinghaus machte hingegen deutlich: „Sozialer Wohnungsbau ist wirtschaftlich derzeit nicht umsetzbar.“ Und Persian betonte: „Wollen wir das oder wollen wir es nicht? Das ist die Frage – und darüber müssen wir reden.“ SPD-Fraktionschef Grasemann forderte daraufhin: „Dann ermitteln Sie bitte den Bedarf in Hückeswagen!“

Ein weiterer Punkt betraf die Reithalle und die Tennisplätze an der Kölner Straße. „Beide wurden von der HEG nicht gekauft, sind somit auch nicht in der Planung mit einbegriffen“, sagte Persian. Man habe kurzerhand keine Einigung mit den Eigentümern erzielen können, die Möglichkeit einer Erschließung und Angliederung an das geplante Neubaugebiet sei aber grundsätzlich möglich. Nach dem derzeitigen Planungsstand sei auf der Fläche der Garagen an der Kölner Straße, gegenüber der Einmündung der Beethovenstraße, ein Kreisverkehr vorgesehen. Man sei mit dem zuständigen Planungsbüro in engem Austausch, sagte Persian. Im Frühjahr sollen die Arbeiten im Neubaugebiet schließlich beginnen.

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