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Kabarett-Quartett "Alte Mädchen" war zu Gast in der Motte von Schloss Neersen

Kabarett : Hemmungslose Frauen, untreue Männer

Zum Kabarettabend anlässlich des internationalen Frauentags haben die Gleichstellungsstelle und das Kulturteam der Stadt Willich in die Motte von Schloss Neersen eingeladen. 200 Besucher hatten viel Spaß mit der Gruppe „Alte Mädchen“.

„Alt werden muss Spaß machen, sonst ist es sinnlos“, wusste schon Dieter Hildebrandt. Das Kabarettquartett „Alte Mädchen“ sieht das offensichtlich genauso, jedenfalls machen die Frauen das Altern, speziell das weibliche Altern, in ihrem Programm zum Thema und haben damit in der Motte von Schloss Neersen die Lacher auf ihrer Seite. Und übrigens nicht nur die der Frauen im Publikum, auch die Männer haben viel Spaß an dem zweistündigen Programm der Damen, die so hemmungslos agieren.

Aufgegriffen werden Themen, die Frauen um die 50 beschäftigen: das Bindegewebe, die Wechseljahre, das Aussehen, Büstenhalter und natürlich die Männer. Den Eisbrecher macht Sabine Urig mit ihrem Song „Das Jahr, als ich bei Parship war“. Mit viel Schwung und guter Laune listet sie die Männer auf, die sie in Berlin kennenlernte und – welch Überraschung – die nicht alle so waren, wie sie sich im Netz dargestellt hatten. Aber es war auch ein „Jackpot“ dabei, der aber leider verheiratet war.

Gemeinsam mit den anderen „alten Mädchen“ Jutta Habicht, die die Romantisch-Naive spielt, Ines Martinez, die eine desillusionierte, alleinerziehende Mutter mimt, und Anna Bolk, bei der die Männer, die ihren Lebensweg kreuzten, vor allem Wut hinterlassen haben, gibt es im Anschluss ein Lied, das in die Welt der Werbung entführt. Slogans wie „Das beste Alter ist jetzt“, „Weil ich es mir wert bin“ oder „Das Gute daran ist das Gute darin“ werden in einen Song verpackt. Dabei zeigen die vier Frauen ihre Professionalität. Sie alle haben eine Schauspielausbildung, können singen und tanzen, und sind auf der Bühne zu Hause.

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Gemeinsam unterwegs ist das Kabarettquartett übrigens seit 2011. Damals stand es mit der St.-Pauli-Theaterproduktion „Heiße Zeiten – Die Wechseljahre-Revue“ unter der Regie von Gerburg Jahnke auf der Bühne. Dennoch kommen nicht alle Frequenzen des Programms bei den gut 200 Zuschauern an. Manchen Besuchern sind einige der Themen zu deftig präsentiert, andere zu intim, um sie auf der Bühne breitgetreten zu sehen. Auch das Lied über Scheidung, Trennung und Einsamkeit, das Ines Martinez mit großer Intensität singt, passt für einige Gäste nicht zu einem Kabarettabend, an dem man sich in erste Linie amüsieren möchte und lachen will. Einmal lässt auch Anna Bolk, die im Muskelanzug von einer Beziehung mit Bülent Ceylan träumt, ratlose Gesichter in den Zuschauerreihen zurück.

Aber zu lachen gibt es natürlich auch viel. „Schminke kannste vergessen, die setzt sich nur in die Runzeln rein“, sagt etwa Anna Bolk, während Jutta Habicht bemerkt: „Make up hilft bei mir sowieso nicht mehr, wenn müsste es etwas Operatives sein.“ Und Sabine Urig meint: „Ich sehe immer aus wie Frank Walter Steinmeier mit Lippenstift.“ Tatsächlich legten die vier Frauen auf der Bühne betont wenig Wert auf ihr Aussehen und haben damit sofort die Sympathien des Publikums, das es leid ist, im Fernsehen, Internet, in Zeitschriften und der Werbung all diese perfekten Körper, perfekten Haare und perfekten Gesichter zu sehen.

Die „alten Mädchen“ sehen nicht perfekt aus und sie arbeiten auch nicht daran. Sie zeigen sich und ihre Körper nicht von der besten Seite und wissen: „Im Alter reift man nicht, man verblüht.“ Dann sinnieren sie über Männer, die ihr Leben lang auf 28-Jährige stehen und fragen sich, ob es auch 28-jährige Männer gibt, die auf Frauen über 50 stehen. Ines Martinez aber ist überzeugt: „Männer wollen generell keine Beziehung. Beziehungen passieren ihnen, weil Frauen sie so sehr wollen.“