Auf dem Willicher Friedhof sind Umstrukturierungen geplant. Nicht jeder Betroffene ist einverstanden.

Bürgermonitor : Schock über neue Friedhofsregeln

Auf dem Willicher Friedhof sind Umstrukturierungen geplant. Evelyn Esch gehört zu den 135 Betroffenen. Eine Sargbestattung im Familiengrab ist für sie nicht mehr möglich.

Als Evelyn Esch im vergangenen Monat Post von der Friedhofsverwaltung der Stadt Willich bekam, war die Willicherin schockiert. In dem Schreiben wurde ihr mitgeteilt, dass in dem von ihr gemieteten Grabfeld keine weiteren Sargbestattungen mehr vorgenommen werden können. Urnenbestattungen sind hingegen aufgrund ihrer kürzeren Ruhefrist dort noch bis zum 30. Juni 2026 möglich. Für die Seniorin nicht nachvollziehbar, hat sie doch das Nutzungsrecht für das Grab bis zum Jahr 2046. Eine auf sie von der Willich ausgestellte Urkunde belegt dies schwarz auf weiß.

„In der Vierergruft liegen eine Tante von mir sowie mein früh verstorbener Mann und mein Lebensgefährte. Für mich war es immer klar, dass ich eines Tages ebenfalls in dieser Gruft beerdigt werde – und zwar in einem Sarg. Eine Urnenbestattung käme für mich nie infrage“, sagt Evelyn Esch. Immer, wenn sie das Grab besuche, sage sie ihrem Mann und ihrem Lebensgefährten, sie sollten sich vertragen, sie komme auch bald, und dann habe man noch 30 Jahre zusammen. Es sei für sie ein Stück Trauerbewältigung zu wissen, dass sie einst ebenfalls dort liegen werde, so die 84-Jährige.

In dem Schreiben der Stadt Willich heißt es indes: „Es ist politisch entschieden worden, einige Grabfelder auf dem Willicher Friedhof zu schließen, um eine zeitgemäße Umstrukturierung auf den Friedhöfen im Zuge der sich wandelnden Bestattungskultur zu ermöglichen. Dies betrifft auch Ihre Grabstätte, da wir in diesem Grabfeld auch Schwierigkeiten für Arbeiten mit dem Bagger haben.“ Ein Anschreiben, das für Evelyn Esch neben der Aufregung, die es bei ihr auslöste, auch Fragen aufwarf: „Wann ist das von wem entschieden worden? Und warum gibt es Schwierigkeiten mit dem Bagger? Mein Lebensgefährte ist dort vor vier Jahren beerdigt worden, und es gab keine Probleme, das Grab auszuheben“, sagt sie.

Der Hintergrund des Schreibens ist tatsächlich in den Veränderungen der Bestattungskultur zu finden. Der Trend zu Urnen hält weiterhin an. Früher benötigte die Stadt Willich große Flächen für Wahlgräber. Das ist nicht mehr nötig. Etliche Flächen, einst als Friedhofserweiterungsgebiete geplant, konnten so schon aufgegeben werden. In Willich wurden diese Flächen für Wohnbebauung genutzt. Bei den Friedhöfen kommt nun aber ein weiteres Problem hinzu: In den Grabreihen entstehen immer mehr Lücken – und zwar dort, wo Gräber aufgegeben werden, wenn die Ruhezeiten abgelaufen sind. Die Nachkommen, wenn vorhanden, wollen diese nicht weiter pflegen und ziehen selbst eine spätere Urnenbeisetzung vor. „Wir säen zwar Gras auf diese leeren Felder und mähen es auch, aber trotzdem entsteht ein unschöner Eindruck, und dem wollen wir frühzeitig entgegenwirken“, sagt Bernd Kuhlen, Leiter des Geschäftsbereiches Gemeinschaftsbetriebe Willich, dem auch die Friedhofsverwaltung unterliegt.

Reihengräber laufen nach 30 Jahren automatisch aus und können nicht verlängert werden. Das heißt: Hier können Grabreihen auslaufen, wenn dort nicht weiterbestattet wird. Entsprechende Umgestaltungen wären dann möglich. Wahlgräber hingegen können immer wieder verlängert werden. Es könnte in einigen Jahren daher so aussehen, dass in einer solchen Reihe nur noch einige wenige Gräber belegt sind und auf den restlichen Bereichen lediglich Gras wächst. Ein unschöner Anblick, gerade in den Hauptachsen der Friedhöfe. Daher stellt die Stadt schon jetzt die Weichen für entsprechende Veränderungen. In den Hauptbereichen könnten später Kolumbarien stehen und das Entree auf den Friedhof bilden.

Was den Willicher Friedhof betrifft, schrieb die Stadt 135 Nutzungsberechtigte an, deren Gräber im Hauptbereich der Anlage liegen, nachdem die Politik im entsprechenden Ausschuss am 11. April 2018 grünes Licht dafür gegeben hatte. „Wir haben ein knapp gehaltenes Schreiben gewählt, um eine erste Reaktion hervorzurufen, um überhaupt einmal zu erfahren, wie die betroffenen Bürger das sehen“, sagt Bernd Kuhlen. 20 der angeschriebenen Personen haben sich bei der Stadt gemeldet und ihren Unmut kundgetan. Diese Reaktionen sollen nun in den Ausschuss getragen werden, wo ein weiteres Vorgehen besprochen wird. Bernd Kuhlen spricht von Härtefallregelungen und Möglichkeiten der Umbettungen, bei denen die Stadt Willich die Kosten übernimmt, wobei das Bestattungsgesetz NRW und die Satzung der Gemeinde berücksichtigt werden müssen. Zudem will die Stadt Willich Kontakt zu allen Bürgern aufnehmen, die sich gemeldet haben.

Probleme mit Baggern auf den Friedhöfen rühren daher, dass schon seit mehreren Jahren die Gräber zwar mit dem Bagger ausgehoben werden, aber der Aushub per Hand in Karren weggefahren werden muss, weil es für die Bagger, die technischen Veränderungen unterliegen, zu eng geworden ist.

Betroffene Bürger können sich an die Stadt Willich wenden. Entweder schriftlich an: Gemeinschaftsbetriebe Willich, Friedhofsverwaltung, Niersplank 5 in 47877 Willich oder per E-Mail an michaela.rahnefeld@stadt-willich.de. Telefonische Anmerkungen der angeschriebenen Bürger werden unter der Nummer 02156 949503 entgegengenommen.