Wesel: Bergerfurth feiert am Wochenende sein fünftes Oktoberfest

Oktoberfest im Zelt an der Bundesstraße 8 : Das kleine Wunder von Bergerfurth

Im fünften Jahr laden die Bergerfurther Schützen jetzt zum dörflichen Oktoberfest ein. Aus dem großen Wesel schaut mancher neidisch rüber in das Dörfchen an der Bundesstraße 8: Wie machen die das?

125 Einwohner hat das Dörfchen Bergerfurth laut amtlicher Statistik und ist damit das kleinste Örtchen von Wesel. 52,5 Einwohner leben hier auf dem Quadratkilometer. Man muss also von einem kleinen Wunder sprechen, wenn man sich die Mitgliederzahl des örtlichen Schützenvereins St. Aloysius anschaut: „Wir haben rund 200 Mitglieder“, sagt Brudermeister Hans-Gerd Nakath. Das Wunder wird sogar noch ein wenig größer, wenn man die Besucherzahlen des Oktoberfestes betrachtet, das in diesem Jahr zum fünften Mal stattfindet. 500 Leute finden sich am kommenden Wochenende wieder im Zelt auf dem Festplatz ein. Bergerfurth feiert dann ein familiäres Fest, bei dem sich nicht nur der Ort trifft, sondern bei dem auch die Bewohner umliegender Orte zusammenkommen. „Das ist wie ein großes Wiedersehen“, sagt Nakath.

Ein großes Oktoberfest mitten in einem kleinen Niederrheindorf: Ganz ungewöhnlich ist das heute nicht mehr. Die Bergerfurther waren aber früh so clever, auf einen Trend zu setzen.

Brudermeister Nakath arbeitet bei der Akademie Klausenhof in Dingden. Er weiß, wie man Leute zusammenbringt. „Hier kommt jeder mit jedem gut klar“, sagt Nakath über sein Heimatdorf, das an der Bundesstraße liegt. Das Festzelt wird am Wochenende wieder gut sichtbar sein. Viele Besucher kommen auch von außerhalb. „Wir Bergerfurther sind bekannt dafür, nicht im eigenen Saft zu schmoren, auch mal mit anderen in Kontakt zu kommen“, sagt Nakath.

Bergerfurth und sein Schützenwesen: die Bruderschaft von St. Aloysius hat eine lange Geschichte, sie ist so etwas wie das Bindeglied des Ortes. Die Schützenfeste zu Pfingsten sind für viele Weggezogene ein Anlass, wieder einmal in den Ort zurückzukehren, alte Freunde zu treffen. „Zu Pfingsten muss man da gewesen sein, sonst weiß man nicht, was im Dorf passiert. Die Schützen und unsere Frauengemeinschaft halten das Dorf zusammen“, sagt Nakath. Beide Gemeinschaften wiederum seien eng mit der Kirche verbunden.

Das Oktoberfest, das jetzt wieder startet, war von Anfang an der Versuch, den Ort auch im Herbst noch enger zusammenzuschmieden. Mittlerweile ist daraus eine echte Erfolgsgeschichte geworden. Das liegt auch daran, wie die Bergerfurther das Fest interpretieren. Es soll eben keine Veranstaltung nur mit lauter Musik sein. Es geht um Geselligkeit und Gespräch. Am Samstagabend wird das eigentliche Oktoberfest gefeiert, am Sonntag gibt es einen Wiesenbrunch. Samstags spielen die Hüttenkracher und am Sonntag Niederrhein-Musikanten aus dem benachbarten Bislich.

Das Fest würde nicht so gut funktionieren, wenn nicht der Festwirt so aktiv wäre, lobt Nakath. Die Organisation obliegt Detlef Westerhoff, der in Isselburg-Heelden das Restaurant Langenhorst führt. „Er ist innovativ, bringt Ideen ein, sucht immer nach Attraktionen“, lobt Nakath. Westerhoff würde in seinem Stammrestaurant zeigen, wie man einen großen Gastronomiebetrieb konstant führt. Davon würden auch die Bergerfurther Schützen profitieren. „Stillstand ist auch bei uns Schützen Rückschritt“, sagt Nakath. „Als Vorstand muss man stets bereits sein, einen solchen Schritt mitzugehen.“

Westerhoffs Talent für die Organisation solcher Feste hat sich herumgesprochen. Die Kiebitze aus Wesel scheinen auch in Bergerfurth gewesen zu sein, denn Westerhoff ist nun auch in Wesel beim Oktoberfest tätig. In der Vergangenheit lief beim Oktoberfest in Wesel nicht alles rund. Mancher schaute neidisch nach Bergerfurth. „Die müssen sich gefragt haben, wie wir das in so einem kleinen Dorf hinbekommen“, sagt Nakath. Die Bergerfurther würden es mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen, dass Westerhoff das Betätigungsfeld in die Stadt erweiterte.

Es geht den Bergerfurther Schützen aber nicht um maximalen Profit. „Ein solches Oktoberfest ist keine Lizenz zum Gelddrucken“, sagt Nakath offen. Es gelte die Regel, dass man mehr als 600 Leute nicht ins Zelt lasse. Ohnehin sei das Publikum untereinander bekannt. „Es herrscht hier keine Anonymität. Wir haben hier keine Problemgruppen.“ So könne auch eine gewisse Sicherheit auf dem Fest garantiert werden. Dafür sorgt allein schon die Praxis der Kartenvergabe: Die Schützen werden ermuntert, mehr Karten zu kaufen als nur für den eigenen Bedarf. Diese Karten sollen sie dann unter Bekannten verkaufen. Diese Praxis sorgt für Kontinuität. Wie das eben so ist auf dem Dorf: Man kennt sich, man hilft sich. Und am Abend feiert man zusammen.

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