Wesel: Umgehung: Ausbau später

Wesel : Umgehung: Ausbau später

Staus programmiert: Die Umleitungen auf der B 58 in Büderich finden nicht in den Sommer-, sondern vor und in den Herbstferien statt. Ursachen sind Wetter, Lieferprobleme und Untersuchungen im Ex-Kriegsgefangenenlager.

Wäre alles normal gelaufen, hätten am ersten Ferientag nächsten Montag auf der B 58 die Anschlussarbeiten für den Bau der Umgehungsstraße Richtung Xantener Straße beginnen sollen. Damit verbunden wäre eine Vollsperrung zwischen Grünthal und Büderich. Doch das Wetter, Lieferschwierigkeiten von Rohren und aufwendige archäologische Arbeiten im Bereich des früheren Kriegsgefangenenlagers auf dem Meerfeld machen die Pläne von Projektingenieur Helmut Reinsch vom Landesbetrieb Straßen NRW zunichte. "Da kommen wirklich mehrere Faktoren zusammen. Jetzt sieht es so aus, dass wir die Arbeiten in den Herbst verlegen müssen und dabei auch die beiden Wochen der Herbstferien nutzen müssen", erklärt Reinsch. Das Verkehrsproblem: Die B 58 muss auch einige verkehrsreiche Wochen vor den Ferien gesperrt werden — da sind Staus programmiert. Auch wenn der Verkehr ab der Kreuzung Grünthal in Richtung Birten und dann über Ginderich nach Wesel umgeleitet wird.

In Erdmulden Schutz gesucht

Dass die Umgehungsstraße durch das eingetragene Bodendenkmal "Kriegsgefangenenlager" führt, hat einen ganz einfachen Grund: "Wir konnten die Straße nicht umlegen, weil sich dort ein Naturschutzgebiet befindet", weiß Reinsch. Straßen NRW halte sich an Recht und Gesetz und habe deshalb den Essener Archäologen Ulrich Ocklenburg mit den vom LVR-Landesamt für Bodendenkmalpflege in Bonn vorgeschriebenen Arbeiten beauftragt, die mehrere Wochen Zeit in Anspruch nehmen. Ein Bagger muss eine nur wenige Zentimeter dicke Erdschicht zur Seite schieben, damit Ocklenburgs Team loslegen kann.

77 000 deutsche Kriegsgefangene

Gestern, kurz bevor die RP zum Ortstermin erschien, entdeckte der Essener im Erdreich eine Trinkflasche. "Die wird einem der rund 77 000 deutschen Kriegsgefangenen gehört haben, die hier in dem 1500 langen und 600 Meter breiten amerikanischen Lager von April bis Juni 1945 unter freiem Himmel unter unvorstellbaren Bedingungen gelebt haben." Die Flasche lag in einem der zahllosen Gruben, die die Soldaten selbst gegraben hatten, um in den Erdmulden Schutz vor Wind und Wetter zu suchen. Die Umrisse der später zugeschütteten Gruben werden von den Archäologen fotografiert, in Karten eingezeichnet und landen später im Bonner Bodendenkmal- und auch im Weseler Stadtarchiv.

(RP)
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