Schwimmende Solaranlage auf Kiessee in Weeze

Strom vom Kiessee : Schwimmende Solaranlage im Test

Es ist ein echtes Pilotprojekt. Auf einem Kiessee in Weeze erzeugt die Weseler Kiesfirma Hülskens Strom durch eine Anlage auf dem Wasser. Jetzt läuft ein Antrag für eine Riesenfläche aus Photvoltaik-Modulen.

Die Kritik ist bekannt: Kiesbagger hinterlassen große Seen, die keiner mehr nutzen kann. Viele Bereiche sind abgezäunt, Baden ist nur an wenigen Stellen erlaubt. Was also tun mit den riesigen Wasserflächen? Das ist die Frage. „Strom erzeugen“ lautet die Antwort der Weseler Kiesfirma Hülskens, die ein besonderes Projekt gestartet hat. Schwimmende Solaranlagen sollen Energie liefern. Das ist die Vision, die in Vorselaer in Weeze im Testbetrieb ist. Hier sind im vergangenen Jahr Module auf einem Floß zu Wasser gelassen worden. Seitdem treiben sie in Ufernähe im See und nutzen die Kraft der Sonne.

„Alle Tests laufen einwandfrei“, sagt der geschäftsführende Hülskens-Gesellschafter Werner Schaurte-Küppers. Noch freilich wird der Strom nicht genutzt. Zudem ist die Anlage relativ klein. Das soll sich ändern. Die Firma GMG Grundbesitz, die zum Unternehmen Hülskens gehört, hat den Antrag beim Kreis Kleve gestellt, eine riesige schwimmende Photovoltaikanlage installieren zu können. „Aktuell stecken wir im Genehmigungsverfahren für eine etwas größere Anlage, wir hoffen auf eine Genehmigung und Umsetzung in diesem Jahr“, so Schaurte-Küppers. Die Anlage soll aus rund 250 Solarmodulen bestehen, die auf eine schwimmende Unterkonstruktion montiert werden. Sie hat eine Leistung, mit der 749.000 Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugt werden können. Die auf dem Wasser erzeugte Energie soll zum Betrieb der Transportbänder und der Schwimmbagger eingesetzt werden. Überschüssiger Strom soll in das öffentliche Netz eingespeist werden.

Die Anlage soll bald erweitert werden. Foto: Latzel

Der Naturbeirat des Kreises Kleve diskutiert am Dienstag, 28. Januar, darüber, ob es gegen die Anlage Bedenken gibt. Die Untere Landschaftsbehörde hat keine Bedenken. Die Nutzung von erneuerbaren Energien liege im öffentlichen Interesse. Zudem würden keine zusätzlichen Flächen in Anspruch genommen. Auch der Verlust von offener Wasserfläche sei für Fische, Vögel oder Wasserpflanzen unerheblich. Denn es würden nur 0,75 der derzeit 42 Hektar großen Wasserfläche genutzt. Brutplätze für Eisvogel, Uferschwalbe oder Flussregenpfeifer gebe es in dem Gebiet nicht. Daher habe die Behörde keine artenschutzrechtlichen Bedenken.

Vorbild Süddeutschland: In Renchen schwimmen bereits Solaranlagen auf dem Baggersee. Foto: Erdgas Südwest

Es gibt ein Vorbild für Hülskens’ pläne: In der süddeutschen Gemeinde Renchen in Baden-Württemberg hat der Unternehmer Armin Ossola gemeinsam mit der Erdgas Südwest GmbH ein solches Solarenergie-Projekt umgesetzt. Anfang Juli ist es offiziell eingeweiht worden. Im Kieswerk Maiwald werden auf zwei Prozent der Wasseroberfläche mit Solarmodulen pro Jahr rund 800.000 Kilowattstunden Strom erzeugt. 560.000 Kilogramm klimaschädliches CO2 werden auf diese Weise eingespart.

Auch das Weseler Traditionsunternehmen Hülskens sieht das Thema erneuerbare Energien als Chance, gerade auf dem Gebiet der Photovoltaik-Anlagen. „Wir kennen uns sehr gut auf dem Wasser aus und wollen das Know-how des Unternehmens mit in diese Entwicklung einfließen lassen“, erläutert Werner Schaurte-Küppers von Hülskens. „Ziel für Hülskens ist es mittelfristig, unseren eigenen Strombedarf in großen Teilen mit schwimmenden Photovoltaikanlagen-Anlagen zu decken.“

 Laut Experten hat eine Anlage auf dem See viele Vorteile: Durch Lichtreflexionen auf dem Wasser entstehe ein um bis zu zehn Prozent höherer Wirkungsgrad. Es müssten keine landwirtschaftlichen Flächen genutzt werden. Das Wasser könne außerdem zur Kühlung verwendet werden.