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Die Weseler Freimaurer bereiten ihr Jubiläum vor und öffnen die Tür

Loge bereitet Jubiläumsjahr vor : Freimaurer werden 250 und öffnen sich

Am 25. Januar 1776 wurde die Loge „Zum Goldenen Schwerdt“ in Wesel eröffnet. Ihr Konstitutionspatent trägt das Datum 15. Juni 1775. So besteht der älteste Verein der Stadt nun 245 Jahre. Für das große Jubiläumsjahr 2025/26 öffnet er sich schon jetzt.

Ende August 1774 traten in der Festung Wesel 16 jüngere Männer zusammen, um eine Freimaurerloge zu gründen. Es handelte sich um Offiziere der drei hier in Garnison stehenden preußischen Infanterieregimenter. Das Anliegen fand die Billigung und Unterstützung der preußischen Mutterloge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin, die am 15. Juni 1775 das Konstitutionspatent für die Weseler Tochter ausfertigte. Das Patent kam aber erst ein halbes Jahr später hier an. Am 26. Januar 1776 erfolgte die feierliche Eröffnung und Einweihung der Loge „Zum Goldenen Schwerdt“ unter „Trompeten- und Paukenschall“.

Die Freimaurerei war seinerzeit ziemlich angesagt. Die ständig wachsende Anzahl privater oder gar „geheimer“ Gesellschaften war ein charakteristisches Merkmal dieser Epoche. Sie boten einen Schutzraum ohne staatliche oder kirchliche Überwachung und eröffneten ihren adligen und bürgerlichen Mitgliedern Gelegenheit zu einem neuen, ständeübergreifenden Dialog, der in der damaligen Öffentlichkeit so noch nicht möglich war. Die historisch bedeutsamste unter diesen verschiedenen Sozietäten war die Bruderschaft der Freimaurer. Ihre Ursprünge liegen in den Dombauhütten des Mittelalters (engl. Lodges), in denen Maurer, Steinmetze und andere Kirchenbauspezialisten zusammengeschlossen waren. Diese Organisationen sicherten sich eine gewisse soziale und berufliche Exklusivität, die auch durch ein System von Bräuchen und Regeln, geheimen Zeichen und Begriffen gewahrt wurde. Während des 17. Jahrhunderts nahmen die englischen Bauhütten vermehrt auch Adlige, Geistliche, Gelehrte und andere Bürger auf, die den Tempelbau nun nur noch symbolisch weiterführten: Der Tempel als immerwährende „Bauaufgabe“ steht für die Vervollkommnung des Individuums wie auch für die gesamte, brüderlich zu vereinigende Menschheit. 1717 schlossen sich in London vier Bauhütten zu einer Großloge der spekulativen Maurerei zusammen.

Von hier aus breitete sich die Freimaurerei rasch auf dem Kontinent aus. Ihr Anwachsen erfolgte in engem Zusammenhang mit der großen modernen Geistesströmung des 18. Jahrhunderts: der Aufklärung. Auch die Freimaurer vertraten die humanitären und moralischen Ziele der Aufklärung. Sie verstanden und verstehen sich als Mitglieder eines ethischen Bundes, der für Humanität und Toleranz eintritt, für Friedensliebe und für soziale Gerechtigkeit. Sie setzen dabei jedoch nicht nur auf rationale Erkenntnis, sondern ebenso auf das Empfinden und Erleben des Einzelnen. Die nicht öffentliche Logenarbeit mit ihren vielfältigen Riten, Zeichen und Symbolen soll auch vertiefend auf die Gemüter der Mitglieder einwirken.

Die in Preußen zahlreich entstehenden Freimaurergesellschaften konnten auf das Wohlwollen des Monarchen setzen, der bereits als Kronprinz im August 1738 der Hamburger Loge „Absalom“ beigetreten war. Nachdem er als Friedrich II. den Thron bestiegen hatte, zog sich der König von der aktiven Freimaurertätigkeit zurück, bekannte sich aber weiterhin zu ihren Zielen und Werten.

Im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts entstanden am preußischen Niederrhein in schneller Folge Logen in Kleve, Wesel, Emmerich, Ruhrort, Duisburg und Krefeld.  Die Loge „Zum Goldenen Schwerdt“ in Wesel war die 93. deutsche „Bauhütte“. Bereits 1744 hatten Offiziere hier mit der Loge „Zu den drei ehernen Säulen“ eine sehr frühe Freimaurervereinigung begründet, die erste im heutigen Nordrhein-Westfalen überhaupt, die jedoch bald darauf wieder einging.

Auch die 30 Jahre später gebildete Vereinigung „Zum Goldenen Schwerdt“ war, im Gegensatz zu den übrigen Logen am Niederrhein, zunächst eine reine Militärloge. Gerade auch junge Offiziere fühlten sich nach dem Beispiel ihres Königs von der Freimaurerei angezogen. Sie versprach Weiterbildung und individuelle Vervollkommnung. Darüber hinaus lockten das Geheimnisvolle und die Geselligkeit ohne militärische Hierarchie.

Die Mitglieder versammelten sich im „Logenquartier“ am Klever Tor, wo man vom Militärfiskus ein kleines Haus am Festungswall angemietet hatte. Schon im August 1777 stieß dort das erste bürgerliche Mitglied zu den Leutnants und Fähnrichen: der Arzt Christian Georg Marlé aus ‚s Heerenberg in den Niederlanden. Bereits 1802 besaß die Loge einen Anteil bürgerlich-ziviler Mitglieder von etwa 41 Prozent (15 von 29), darunter auch Weseler Honoratioren wie der spätere Bürgermeister Johann Hermann Westermann und der lutherische Pfarrer Johann Friedrich Landgraf. Im Oktober 1801 erwarb die Loge das Haus Nr. 1218 am Entenmarkt, das bis 1933 als Quartier diente.

Von 1808 bis 1814 gehörten Stadt und Festung Wesel zum Kaiserreich Frankreich, die neue Mutterloge der Weseler Vereinigung wurde nun der „Grand Orient de France“ in Paris. Die Weseler Loge wurde nun umbenannt in „Le Glaive d’Or“. Man schickte das Gründungspatent von 1775 nach Paris und erhielt daraufhin ein „Rekonstitutions- und Affiliationspatent“, ausgestellt am 24. Dezember 1810, das im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin aufbewahrt wird.

Nach dem Ende der französischen Herrschaft 1814 kehrten die Weseler Freimaurer wieder unter den Schirm der preußischen Mutterloge zurück. Das Original des Gründungspatents jedoch ist offenbar nicht an die Loge in Wesel zurückgegangen und muss derzeit noch als verschollen gelten.

Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Loge „Zum Goldenen Schwerdt“ zu einer einflussreichen gesellschaftlichen Institution Wesel, der Offiziere, höhere Beamte, freiberufliche Akademiker und Kaufleute angehörten. Die Mitgliederzahl bewegte sich bis zum Ersten Weltkrieg um die 130 und nahm auch danach nicht wesentlich ab. Dem Verbot aller Organisationen der Freimaurer durch das NS-Regime 1933 fiel auch die Weseler Loge zum Opfer.

1964 konnte die Logenarbeit wieder aufgenommen werden, und 1967 wurde die Rechtsnachfolge der 1775 gegründeten Loge amtlich festgestellt. Der Vereinszweck dient der sittlichen und geistigen Förderung der Mitglieder. Die Loge verfolgt „ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige und kulturelle Zwecke.“ So sieht die Freimaurerloge „Zum Goldenen Schwerdt“ ihrem 250. Gründungsjubiläum in wenigen Jahren stolz entgegen. Sie bekennt sich zu ihren „zeitlosen“ ideellen Werten und versteht sich auch weiterhin als Institution der Aufklärung und als Forum einer Debattenkultur, die auf gegenseitiger Achtung und Respekt vor der Meinung des Anderen gründet, sowie als Hüterin der liberalen Demokratie in unserem Land.

Der älteste Verein der Stadt will sich – ganz zeitgemäß – der Öffentlichkeit näher darstellen, über seine Aktivitäten und Geschichte informieren, Interesse wecken und noch bestehende Vorurteile abbauen – nicht nur im Jubiläumsjahr 2025/26, sondern bereits auch zuvor.