Heimatministerium von Ina Scharrenbach sucht schönstes Rathaus in NRW

Kommentar zur Woche : Schön ist anders

Das NRW-Heimatministerium sucht in einer neuen Kampagne das schönste Rathaus von NRW. Wesel macht mit. Der Ehrlichkeit halber muss man schreiben: Es sollte eine andere Stadt gewinnen.

Wo ist das schönste Rathaus im ganzen Land? Das NRW-Heimatministerium geht auf die Suche nach den hübschesten Verwaltungssitzen in Nordrhein-Westfalen. Bürger konnten im Vorfeld Vorschläge einreichen. Tatsächlich fand sich offenbar ein heimatverbundener Weseler, der das Rathaus Wesels für preiswürdig hält. Die Stadtverwaltung machte vor wenigen Tagen darauf aufmerksam, dass jetzt auch ihr Weseler Rathaus im Rahmen der Kampagne mit einem Film im Internet präsentiert wird – auf den Profilen des Ministeriums bei Instagram, Facebook, Twitter und Youtube sowie auf www.wesel.de.

Die lobenswerte Idee ist es, Rathäuser als Mittelpunkt einer Stadt zu würdigen. Rathaus und Parlamentssaal sind immer auch die gute Stube der Demokratie. In Nordrhein-Westfalen gibt es insgesamt 396 selbstständige Städte und Gemeinden. Über 70 davon nehmen an der Kampagne teil.

Wer das Video zum Weseler Rathaus anschaut, der kann einer Bürgermeisterin zuhören, die von ihrem Dienstort behauptet, es sei ganz sicher der schönste in Nordrhein-Westfalen. Nun weiß man, dass eine gute Rathauschefs immer auch Lobbyisten für ihre eigene Stadt sind. Wenn Frau Westkamp aber ohne mit der Wimper zu zucken ihr Rathaus über den grünen Klee lobt, dann muss man ernsthaft besorgt fragen: Hat sie dieses Bauwerk einmal von außen gesehen – und darum geht es ja bei Schönheit? Architektonisch vereint die „gute Stube der Stadt“ viele der Bausünden der Siebziger. Verschachtelt wirkt das Bauwerk von außen. Es gibt keine einheitliche Fassadenstruktur, sondern ein buntes Sammelsurium von Farben und Steinen; wer die Eingangstür findet, erreicht eine geduckte Vorhalle. Die Gebäudestruktur gleicht bisweilen einem Labyrinth. Nein, ein Schmuckstück ist dieses 1974 am Klever-Tor-Platz errichtete Rathaus fürwahr nicht.

Ulrike Westkamp ist so klug, die Optik gar nicht zu erwähnen. In der Pressemeldung lobt sie, dass das Rathaus „wunderbar an die Innenstadt angebunden“ sei, dass fußläufig alle Schulen, Geschäfte und Kulturangebote erreichbar seien. Diese Begründung klingt arg bemüht – denn schön wird etwas ja nicht durch praktische Lage, sondern durch äußere Werte.

Wer dennoch für Wesel abstimmen will, der kann das tun auf der Internetseite des Ministeriums auf www.mhkbg.nrw. Das Gewinner-Rathaus wird am 28. März 2020 auf dem Heimat-Kongress des Ministeriums von Ministerin Ina Scharrenbach ausgezeichnet.

Sebastian Peters

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