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Hamminkeln: Betuwe-Plan bringt Mehrhoog in Wallung

Hamminkeln : Betuwe-Plan bringt Mehrhoog in Wallung

Dass die Bahn-Pläne in Mehrhoog für Wut sorgen, hat niemanden überrascht. Jetzt geht's darum, sein Recht zu wahren.

Die anrollende Planfeststellung für den Betuwe-Abschnitt 2.3 mobilisiert Mehrhoog. Auch wenn die Bahn den Info-Abend über die Ausbaupläne rund sechs Kilometer entfernt von der Strecke ins Bürgerhaus Friedenshalle in Hamminkeln verlegt hatte, war's rappelvoll im gut geheizten Saal. Die Ausführungen von Chef-Planer Stefan Ventzke trieben die gefühlte Temperatur bei vielen noch ein gutes Stück nach oben. Es war ein langer Abend mit einer Fülle von Informationen, die aufgrund ihrer Tragweite eine Menge Emotion hervorriefen. Ventzkes Power-Point-Präsentation machte aus den Zuhörern bisweilen Wutbürger. Die Vokabel "Stuttgart" fiel mehrfach — nicht weil dort Ventzkes Lieblingsklub VfL Bochum im DFB-Pokal die Segel streichen musste. Unterm Strich war's ein durchaus sachlicher Abend, der erwarten lässt, dass die Mehrhooger umfassend vom ihrem guten Recht Gebrauch machen, ihre Sorgen im anstehenden Planfeststellungsverfahren zu formulieren.

 Selten war der Saal im Bürgerhaus Friedenshalle so voll besetzt wie am Mittwochabend. Nach 20 Jahren voller Ungewissheit wollten die Menschen wissen, wie sich durch den Betuwe-Ausbau das Leben in Mehrhoog künftig verändert.
Selten war der Saal im Bürgerhaus Friedenshalle so voll besetzt wie am Mittwochabend. Nach 20 Jahren voller Ungewissheit wollten die Menschen wissen, wie sich durch den Betuwe-Ausbau das Leben in Mehrhoog künftig verändert. Foto: Bosmann

Das müssen sie tun, um gehört zu werden. Bürgermeister Holger Schlierf betonte, dass die Stadt zwar bei Offenlage der Pläne nach Kräften helfe, sich durch den Dschungel der 18 Ordner füllenden Pläne durchzumanövrieren, die Nichttechnikern eher wie "Strickmuster" vorkämen. Nur Rechtsberatung könne die Stadt nicht leisten. "Seine Belange muss jeder Bürger selbst vortragen", so Schlierf.

Hamminkeln: Betuwe-Plan bringt Mehrhoog in Wallung
Foto: Bosmann, Jürgen (bosm)

Gert Bork von der Weseler Initiative "Betuwe — So nicht!" forderte Betroffene auf, im Verfahren alles vorzutragen, was ihnen wichtig sei. "Was nicht drinsteht, ist raus", so Borks Formel. Niemand solle sich mit Lärmschutzfenstern zufriedengeben. "Die helfen nicht auf der Terrasse." Die Bahn müsse bewegt werden, in innovativen Lärmschutz zu investieren. Dass der Bahn-Planer stets die Wirtschaftlichkeit seiner Lösungen ins Feld führte, sorgte für großen Unmut. Viel hielten ihm vor, dass er die von vielen geforderte ortsverträgliche "Troglösung" für die Schiene "kaputt rechnet".

So schrecken vier Meter hohe Lärmschutzwände, die "hochabsorbierend" sein müssten und daher kaum transparent sein könnten. "Dann hat keiner mehr Bock auf Mehrhoog", sagte eine Streckennachbarin. Ein anderer schilderte, dass schon heute sein Geschirr im Schrank klappert, wenn ein Güterzug vorbeirattert. Der Erschütterungsgutachter stellte ein "weiches Gleisbett" in Aussicht, das vieles abfedere. Aber Glauben an Besserung vernahm er nicht, ebenso wie Ventzke für sein Versprechen, dass es durch den Ausbau der Strecke "leiser wird". Und das bei drastisch steigenden Zugzahlen. Auch die Prognose, dass sich bis 2025 die Zahl der Gütertransporte auf 186 binnen 24 Stunden verdoppelt, fiel auf massiven Zweifel. Richtig bleibt: Ohne Ausbau würde die Bahn weder an Lärm noch an Erschütterung einen Gedanken verschwenden.

(RP/ac)