Wermelskirchen: Kunst mit der Straßenwalze

Kattwinkelsche Fabrik in Wermelskirchen : Kunst mit der Straßenwalze

Die Kattwinkelsche Fabrik zeigt ein Kunstprojekt, das die Entstehung von Druckarbeiten in den Mittelpunkt rückt. Fünf Künstler arbeiten im öffentlichen Raum an ihrem Werk. Die Druckmaschine kommt aus dem Straßenbau.

In der Katt – so wie die Wermelskirchener die Kattwinkelsche Fabrik gerne nennen – gab es wohl schon einiges zu sehen an Kunst und Kultur. Wer aber am Samstag, 19. Oktober, in die Kattwinkelstraße 3 kommt, könnte doch überrascht sein: 1,5 Tonnen an Straßenwalze rollen dort über den Parkplatz, und was vielleicht auf den ersten Blick nach Baustelle aussieht, ist der Höhepunkt einer Kunstaktion, in deren Mittelpunkt der Entstehungsprozess des Kunstwerks steht.

„Unter_DRUCK“ heißt die Gemeinschaftsausstellung in der IV. Kunsthalle Katt. Sie ist von Dienstag, 22. Oktober, bis Sonntag, 27. Oktober, geöffnet und zeigt – das sagt schon der Name – Druckarbeiten, und zwar von fünf verschiedenen Künstlern. Doch das ist nur die Schlussphase eines viel umfangreicheren Projekts: Von Montag, 14. Oktober, bis Freitag, 18. Oktober, wird der Besucher im Rahmen von „Work in Progress“ nämlich Zeuge der Entstehung dieser Arbeiten. Die Künster Daphna Koll, Petra Mohr, Horst Dieter Gölzenleuchter, Martin Di Georgi und Michael Dangel fertigen großformatige Holzschnitte im öffentlichen Raum an. Jeweils zwischen 15 und 18 Uhr kann man ihnen in der Bogenbinderhalle dabei zusehen, Fragen stellen und Anmerkungen machen. „Die Interaktion zwischen Künstler und Zuschauer ist bewusst gewünscht“, sagt Achim Stollberg, Kulturmanager der Katt. An zwei Tagen, nämlich Mittwoch, 16. Oktober, und Donnerstag, 17. Oktober, finden außerdem Workshops der Kunstschule statt, die den Besuchern die Kunstform des Drucks näherbringen sollen. Anmelden braucht man sich dafür nicht.

Petra Mohr, Holzschnitt, Else Schüler, 1875. Foto: Katt/Petra Mohr

Dass künstlerische Druckarbeiten mithilfe einer Straßenwalze entstehen, gab es schon öfter. Schließlich braucht man für großformatige Drucke ausreichend Platz – und was in Handarbeit wahrscheinlich mehrere Stunden dauert, erledigt die Walze in wenigen Minuten. Der Prozess des Einfärbens und Druckens mit der Großwalze aus dem Straßenbau sei nicht nur besonders publikumswirksam, sagt Stollberg. Er berge auch einen ganz besonderen Überraschungseffekt. „Schließlich ist unvorhersehbar, ob der Holzschnitt der Belastung standhält und nicht etwa berstet“, sagt er.

Nicht allein deshalb wird das Ergebnis der Kunstaktion wahrscheinlich sehr vielfältig sein. Vielfältig ist aber auch der Stil, in dem die Künstler arbeiten: Der Bochumer Grafiker und Autor Horst Dietrich Gölzenleuchter sammelt das Material seiner Holzschnitte überall – auf dem Sperrmüll, an der Nordsee oder im Esszimmer seines Nachbarn. „In den verschiedenen Holzmaterialien wohnen die verschiedensten Geschichten“, sagt er. „Jedes Holz hat seine eigene Ästhetik, auf die ich mich einlasse.“

Ein Holzschnitt von Michael Dangel. Foto: Katt/Michael Dangel

Der Remscheider Künstler Michael Dangel ist eigentlich Diplom-Ingenieur für Druckereitechnik und entwickelt Printkampagnen. In seiner künstlerischen Arbeit konzentriert er sich auf großformatige Linol- und Holzschnitte sowie Radierung und Zeichnung.

Daphna Koll aus Wipperfürth hat an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Joseph Beuys gelernt, sie arbeitet mit zerschnittenen Figuren-Reihen. Petra Mohr aus Wuppertal konzentriert sich auf figurative Darstellungen und druckt vielschichtig und in unterschiedlichen Farbgebungen.

Das Ergebnis ihrer Arbeit stellen die Künstler in einer Vernissage, am Sonntag, 20. Oktober, zusammen.

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