Wermelskirchen: Vorpremiere geglückt, Herr Sträter!

Kattwinkelsche Fabrik in Wermelskirchen : Vorpremiere geglückt, Herr Sträter!

In der ausverkauften Kattwinkelschen Fabrik präsentierte Torsten Sträter sein neues Programm „Schnee, der auf Ceran fällt“. Das Publikum sparte nicht mit kräftigem Applaus.

Vorpremieren können so eine Sache sein. Der Künstler hat sein Programm noch nicht ganz fertig und probiert sich und eben dieses Programm vor größerem Publikum aus. Kann schiefgehen, kann gutgehen. Er kann noch ein wenig nachjustieren, bestenfalls ist aber die Stimmung direkt im grünen Bereich, und das Programm kann in die Kleinkunst-Umlaufbahn.

Wenn man die Reaktionen bei Torsten Sträter am Dienstagabend in der ausverkauften Kattwinkelschen Fabrik bei der Vorpremiere seines dritten Programms „Schnee, der auf Ceran fällt“ zum Maßstab nahm, war der Dortmunder mit der schwarzen Schlumpfmütze auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Denn bis nach draußen hörte man das Jauchzen und Lachen des Publikums über Sträters teils skurrile, teils respektlose Geschichten. Sträter hatte nur eine grobe Idee, wie er das neue Programm gliedern könne. Deswegen nahm er sich die Wermelskirchener als Versuchskaninchen zur Brust. Wenn er etwa über den Fettgehalt in Käse philosophierte. „Ich dachte jahrelang, dass die Bezeichnung ‚48 Prozent Fett in Tr.‘ auf den Käsepackungen für ‚Fett in Trance‘ stünde. Also für völlig weggetretenes Fett, im Gegensatz zu den 52 Prozent total agilen Fetts.“ Der kurze, aber doch knackige Text kam beim Wermelskirchener Testpublikum sehr gut an, dürfte sich also künftig in „Schnee, der auf Ceran fällt“ wiederfinden. Auch wenn Sträter zugab: „Kürzlich hatte ich ein Publikum, das fand alles gut. Das hat mir natürlich nicht weitergeholfen.“ Tja, nun.

Aber auch der finale Abschiedstext über seinen 16-jährigen Sohn kam sehr gut an. „Mein Sohn kam immer wieder in meinen Texten vor, künftig will er das nicht mehr. Deswegen habe ich noch einen letzten Text über ihn geschrieben“, sagte Sträter. Schade eigentlich. Denn die Schilderungen von Vater und Sohn, die gemeinsam versuchten, das Eislaufen zu erlernen, oder aber die Weisheiten, die Sträter seinem Sohn über Lebensmittel, die dieser lieber nicht essen sollte – Erdnüsse in Bars und Bockwürste an Autobahnraststätten – mit auf den Weg gab, hatten es humortechnisch in sich. Einen Hoffnungsschimmer gab Sträter seinem Publikum zudem: „Ich finde das jetzt nicht so schlimm, denn diesen Text werde ich in den kommenden drei Jahren eiskalt jeden Abend bringen...“ Glück gehabt!

Dazu zeigte der Dortmunder sich überaus kommunikativ gegenüber seinem Publikum. „Mach mal anderes Licht, ich kann es nicht leiden, wenn ich nicht sehen kann, ob da jemand ist oder lacht“, sagte er in Richtung der Katt-Technik. Als an den Wänden indirektes Licht anging, kommentierte er launig: „Sehr gut, beleuchtete Wände in pissgelb, das ist wesentlich besser.“ Oder wenn er mit einem Besucher in der ersten Reihe kurz den Verlauf des Abends diskutierte: „Haben Sie Interessen, über die ich mich heute lustig machen kann?“ Der Zuschauer blieb weitgehend verschont, es gab genug andere Themen, denen der Dortmunder sich widmete. Etwa seinem Auftritt beim Heavy-Metal-Mekka Wacken: „Ich hatte nach zehn Sekunden verschissen, weil ich sagte: Sehr schön, dass ich hier sein darf, das ist mein erstes Techno-Festival.“ Ein Fauxpas, den er überlebte... Vermutlich war er in der Folge trotz musikalischer Legasthenie ähnlich witzig, wie in der Katt. Selbst wenn er immer noch auf der Suche nach dem Kernthema war: „Was ist das? Ich glaube, es ist ... nix Konkretes.“

Aber, mal ehrlich: Wenn „nix Konkretes“ mit Bonmots daherkommt, wie „Zucker ist der Hitler unter den Lebensmitteln“, dann gab es absolut nichts auszusetzen. Vorpremiere geglückt, Herr Sträter, Programm ist mehrheitstauglich!

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