Wermelskirchen: Dr. Snuggels und das Selbstvertrauen

Therapiehund in der Schwanenschule : Dr. Snuggels und das Selbstvertrauen

Seit vergangenem Jahr hat die Schwanenschule einen Schulhund. Er ist der Star des Pfotenclubs – und hilft beim Lernen und Wachsen.

Micha ist unruhig. Hinter dem Neunjährigen liegt eine lange Schulwoche und in den letzten Stunden am Freitagmittag verlässt ihn die Geduld. Die Frustrationstoleranz ist niedrig, die Mitschüler gehen ihm auf den Keks, und Regeln will Micha jetzt auch nicht mehr einhalten. Er tobt, mag sich keinen Platz im Sitzkreis suchen – und dann bekommt er sich mit einem Mädchen in die Haare, dem auch schon eine Schulwoche in den Knochen steckt. Doch dann betritt Dr. Snuggels den Raum. Die Continental-Bulldogge schnüffelt sich durch den Klassenraum, erkennt bekannte Gefilde, und die Kinder beginnen, sich an Regeln zu erinnern.

„Wir dürfen ihn nicht anstarren und auch nicht einfach rufen oder streicheln“, erklärt Philipp. Schon gar nicht, während Dr. Snuggels sich noch im Klassenraum orientiert und dann für einen Augenblick in seiner Box verschwindet.

Vanessa Nuß, Sozialpädagogin und Hundehalterin, setzt sich zu den Kindern in den Kreis und bringt die Dose mit Leckerlis mit. Jeden Freitag ist sie mit Dr. Snuggels ehrenamtlich in der Schwanenschule im Einsatz – und zu Gast im Pfotenclub, den Sonderpädagogin Sarah Gilges gegründet hat. Deswegen wissen die Schüler genau, was jetzt kommt: die Begrüßungsrunde. Und plötzlich wird Micha ganz still, nimmt die Dose mit den Leckerlis in die Hand und wartet, bis Dr. Snuggels seinen Weg aus der Box in den Kreis gefunden hat. Dann sagt er freundlich und ganz bedacht: „Guten Tag, Dr. Snuggels“, klappert mit der Leckerlidose, nimmt einen Happen hinaus und hält ihn dem Hund vor die Nase. Der zögert nicht, schnappt sich die Köstlichkeit und wartet auf mehr. Micha strahlt.

Als der Hund seine Runde dreht, zieht dieses Strahlen nach und nach fast auf alle Gesichter der zehn Kinder im Pfotenclub. Manche sind noch ein bisschen zurückhaltender und werfen dem Hund das Leckerli lieber auf den Boden, andere versuchen ein kleines Kunststück. Vanessa Nuß freut sich über den Einsatz der Kinder, über das Glück in ihren Gesichtern und den Mut, den viele von ihnen aufbringen, um sich dem Tier zu stellen.

Seit einem Jahr befinden sich die Hundehalterin und Dr. Snuggels in der Ausbildung zum Therapiehunde-Team. „Ich habe schon früher erlebt, welche Wirkung Hunde auf Kinder und Jugendliche haben“, sagt die gelernte Sozialpädagogin, „deswegen habe ich Kontakt zur Schwanenschule aufgenommen.“ Als Dr. Snuggels 2018 zur Welt kam, besuchte sie den Pfotenclub zum ersten Mal. Die Begegnung zwischen Kindern und Welpen sei wunderbar gewesen. „Seitdem lernen sie zusammen“, sagt Vanessa Nuß. Der Hund lerne die Regeln kennen, die Kinder auch. Und weil Continental-Bulldoggen von Natur aus alltagssicher und neugierig seien und die Arbeit nicht scheuen würden, mache sich Dr. Snuggels als Therapiehund auch schon kurz vor seiner Abschlussprüfung bestens. Gleiches gilt auch für die Kinder: Wenn sie Freitagsmittags in den Pfotenclub kommen, dann prüfen sie als erstes das Brett mit ihren Aufgaben. Jeder hat etwas zu tun: den Klassenraum für den Hund vorbereiten, den Wassernapf aufstellen, Vanessa Nuß auf ihrer Runde mit dem Hund begleiten. Und wer die Regeln befolgt, der bekommt zur Belohnung bunte Pfoten. „Die können die Kinder gegen Alleine-Zeit eintauschen“, erklärt Vanessa Nuß. Das bedeutet: Wer ausreichend Pfoten hat, kann kleine Kunststücke versuchen, mit Dr. Snuggels spielen oder malen – während die anderen sich dem Programm mit Sarah Gilges widmen. Heute basteln die Kinder ein Pfoten-Club-Buch. „Für die Kinder ist der Pfotenclub eine Bereicherung“, sagt Sarah Gilges. Sie habe bereits in den ersten Wochen erlebt, wie die Kinder über sich hinauswachsen und sich anders wahrnehmen. Gleichzeitig würden die Schüler viel über Kommunikation lernen. Denn der Hund braucht klare Worte. „Wir können im Pfotenclub auch auf spielerische Weise Konzentrationsaufgaben lösen“, sagt Sarah Gilges und stellt fest, dass die Kinder beim Spielen mit Dr. Snuggels ganz anders motiviert seien. Und so wachsen Dr. Snuggels und die Schüler im Pfotenclub gemeinsam – und zuweilen auch über sich hinaus.

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