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Aktionstag "Ausbildung live erleben" in Wermelskirchen

Aktionstag "Ausbildung live erleben" in Wermelskirchen : Schüler treffen auf Unternehmer

Zum ersten Mal hatte die heimische Wirtschaft Schüler und Eltern zum Aktionstag „Ausbildung live erleben“ eingeladen. Die Begegnung fand in den Unternehmen statt – rund 30 Jugendliche waren dabei.

Ben (14) macht gerade ein Praktikum beim Garten- und Landschaftsbauer. „Das macht mir Spaß“, erzählt der Sekundarschüler, „vielleicht geht es beruflich für mich in diese Richtung.“ Weil es für den 14-Jährigen aber nach den langen Corona-Monaten und zwei kurzfristig abgesagten Praktika die erste Gelegenheit ist, um praktische Erfahrungen zu sammeln, hat der Neuntklässler Fragen – zu Ausbildungsberufen, Angeboten in Wermelskirchen, zu den Konzepten der Unternehmen und den Möglichkeiten für seine Generation. Also hat sich Ben mit seiner Mutter am Samstagvormittag rund vier Stunden Zeit genommen, um seine Fragen zu stellen. Wie rund 30 andere Jugendliche und ihre Eltern sitzt die beiden schließlich im Charterbus ins Industriegebiet. Denn zum ersten Mal setzt das IHK-Wirtschaftsgremium statt auf Messestände auf die persönliche Begegnung in den Unternehmen.

Insgesamt neun Ausbildungsbetriebe hatten sich für den Aktionstag „Ausbildung live erleben“ angemeldet – um ihre Türen zu öffnen. Am Ende waren die Anmeldungen zurückhaltend ausgefallen, deswegen wurden aus drei geplanten Touren zwei. Jeweils drei Stationen gehören zu jeder dieser Touren: Die eine führt nach dem Startschuss mit Impulsvorträgen im Rathaus zur Diakoniestation, zu Compuserv und zu Steinco. Die andere von der Firma Suer zu Memotech und schließlich in die Verwaltung des Rathauses. Ben und seine Mutter haben sich für die zweite Tour entschieden. Vom Bürgerzentrum aus haben Michael Flanhardt, Vorsitzender des IHK-Wirtschaftsgremiums, und Bürgermeisterin Marion Lück die Jugendlichen und ihre Eltern auf Entdeckungstour geschickt. „Wir hoffen, dass wir so die Hemmschwellen für die Jugendlichen abbauen können“, sagt Flanhardt, als er schließlich mit den Teilnehmern im Charterbus sitzt, „wir wünschen uns persönliche Begegnungen und den Raum, um Fragen zu stellen.“ Der Plan geht auf: Die Jugendlichen, die anfangs noch etwas verhalten ihre Umgebung mustern, beginnen, Fragen zu stellen. Mit Peter Suer machen sie sich an der ersten Station auf den Weg durch Produktions- und Lagerhallen, werfen einen Blick in das beachtliche Hochregallager und kommen mit Ausbildungsleiterin Ricarda Bartsch und Auszubildenden ins Gespräch. Die machen ordentlich Werbung für das Unternehmen.

 Von hier aus haben die Memotech-Mitarbeiter rund 30.000 Computer in aller Welt im Blick - falls ein Problem auftaucht. Am Samstag nahmen die Jugendlichen des Aktionstages an den Schirmen Platz.
Von hier aus haben die Memotech-Mitarbeiter rund 30.000 Computer in aller Welt im Blick - falls ein Problem auftaucht. Am Samstag nahmen die Jugendlichen des Aktionstages an den Schirmen Platz. Foto: Theresa Demski
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„Wir sind auf Wachstum ausgerichtet“, betont Peter Suer, „und wir sind gut aufgestellt für die Zukunft.“ Er bietet einen Einblick in Zahlen und Investitionen, in Familiengeschichte und Firmen-Philosophie. „Seit rund 15 Jahren bewerben wir uns bei den Jugendlichen, nicht mehr andersherum“, sagt Suer. Und dann wirbt er engagiert dafür, nicht einfach den Weg zur Universität zu wählen, sondern mit einer Ausbildung ins Arbeitsleben einzusteigen und sich von dort weiter zu entwickeln. „Wir suchen händeringend“, sagt Peter Suer und hofft, dass im nächsten Jahr die ein oder andere Bewerbung aus dem Besucherkreis in seiner Personalabteilung ankommt.

 Kommissionieren lernen: Bei der Firma Suer entdeckten die Jugendlichen bei einer Rallye die Hallen.
Kommissionieren lernen: Bei der Firma Suer entdeckten die Jugendlichen bei einer Rallye die Hallen. Foto: Theresa Demski

Am Ende drückt er den Jugendlichen Scanner in die Hand und schickt sie auf eine Rallye durch die Halle: Ben sammelt erste Erfahrungen im Kommissionieren. Währenddessen kommt seine Mutter Manuela Schulz mit den Ausbildern ins Gespräch. „Ich finde das Angebot, das uns die Unternehmen heute machen, toll“, sagt sie und erinnert sich an ihre eigene Berufsentscheidung. „Wir hatten ein dickes Buch und wurden vor einen PC gesetzt um herauszufinden, was wir machen wollen“, sagt sie. Umso mehr wisse die Möglichkeiten, die ihr Sohn an diesem Aktionstag nutze, zu schätzen.

So geht es auch Christian Germann, der mit Sohn Oliver am Aktionstag teilnimmt. Zu Fuß machen sich die beiden mit dem Rest der Gruppe nach der Station bei der Firma Suer auf den Weg zum IT-Dienstleister Memotech – nur ein paar Straßen weiter. Dort kümmern sich die IT-Experten zum Beispiel um sämtliche Computer des Obi-Konzerns. Christian Gehrmann ahnt schon, dass sein Sohn dort Interesse zeigen könnte. „Wir haben ihn ermutigt, seinen eigenen Weg zu gehen“, sagt Gehrmann, „seine Entscheidung aus dem Bauch heraus zu treffen, zu entdecken, was er gerne macht.“ Und so macht sich Oliver an diesem Tag also auf Entdeckungstour.

Ausbildungsleiter Marc Braches stellt sich den Fragen der Schüler, die inzwischen mutiger geworden sind. Wie lange die Ausbildung dauern würde? Wie hoch der Verdienst sei? Und ob man, in der Lehre zum Fachinformatiker auch das Hacken lerne? Marc Braches lacht und wirbt dann für seinen Beruf, empfiehlt ein Fachabi. Und er betont: „Wir achten nicht so sehr auf die Noten, sondern auf Interesse, logisches Denken und echte Begeisterung.“

Als er am Ende fragt, wer sich denn ernsthaft eine Ausbildung bei Memotech vorstellen könne, melden sich zwei Jungs. Unter ihnen auch Oliver.