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Wermelskirchen: Seit 30 Jahren kümmert sich Bärbel Himmelrath um Bienen

Hobby-Imkerin Bärbel Himmelrath : In guter Gesellschaft mit Bienen

Seit fast 30 Jahren lernt Bärbel Himmelrath jeden Tag mehr über Bienen – und mit jeder Erkenntnis wächst die Faszination. Jetzt bekommt die 78-Jährige einen Preis verliehen.

Wermelskrichen Vorsichtig fächert Bärbel Himmelrath den Rauch über den Bienenstock. Mit routinierten Handgriffen hat sie in dem silbernen Smoker Papier und Pappe zum Brennen gebracht, dann den Deckel des Bienenstocks entfernt, um mit dem Rauch nun die fast 30.000 Tiere dazu zu bewegen, sich im unteren Teil des Kastens zu versammeln.

„Die Bienen gehen wegen des Rauchs von Gefahr aus“, erklärt sie, während sie die erste Wabenwand aus dem Kasten zieht. Weil sie ahnen, dass ihnen Gefahr droht, versammeln sich die Bienen in Windeseile um die Königin, um sie zu schützen und fluchtbereit zu sein. Das verschafft Bärbel Himmelrath die Möglichkeit, dem Besucher einen entspannten Blick in den Bienenstock zu erlauben. „Es ist einfach faszinierend“, sagt sie und deutet auf die Bienen, die sich auf den Weg zu ihren Artgenossen gemacht haben, auf die Waben und den Honig. „Die Individuen ordnen sich zum Gemeinwohl des Volks unter“, erzählt sie, „das habe ich von den Bienen gelernt: An erster Stelle steht die Gemeinschaft.“

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Bärbel Himmelrath hat viele dieser Momente beobachtet, wenn sich die Bienen für den Erhalt ihres Volkes ins Zeug legen: Dann treffen sie sich in einer großen Traube vor dem Bienenstock und fächeln Luft in das Innere, um für Abkühlung zu sorgen. Und wenn es der Brut andererseits zu kalt wird, dann beginnt ein engagierter Einsatz, um für Wärme zu sorgen: Die Bienen erzeugen durch Flügelbewegungen Hitze, nach 20 Minuten werden sie kraftlos und ohne eine erkennbare Form der Kommunikation kommt eine andere Biene zur Ablösung vorbei. „Es scheint so, als wüssten die Bienen aus dem Gespür heraus, was nötig ist. Und das System funktioniert“, sagt Bärbel Himmelrath – und auch nach all den Jahren ist das Staunen in ihrer Stimme deutlich zu hören.

Seit mehr als 30 Jahren leben im Garten von Familie Himmelrath Bienen. „Und seit dem lerne ich jeden Tag etwas dazu“, sagt die 78-Jährige. Weihnachten haben ihr die Kinder einen großen Bienen-Bildband geschenkt – mit unglaublichen Fotografien und mit einer ordentlichen Portion Information. „Ich schaffe jeden Abend nicht mehr als drei Fotos“, sagt sie, „da steckt so viel Neues drin.“ Und mit jeder Erkenntnis wächst die Faszination.

Eigentlich wollten Bärbel Himmelrath und ihr Mann sich von einem befreundeten Imker damals nur einige Bienen ausleihen, um die Obstblüte im Garten in Schwung zu bringen. „Wir waren immer naturverbunden“, erzählt sie. Und als sie für ihre große Familie ein neues Zuhause suchten, kam ihnen der große, naturbelassene Garten hinter dem Fachwerkhaus gerade recht. „Für mich war das Leben im Garten, das Anpflanzen von Obst und Gemüse und der Verzicht auf Pestizide immer eine Selbstverständlichkeit“, sagt Bärbel Himmelrath und erzählt von ihrer Kindheit im Nachkriegs-Deutschland. Natürlich seien da Kartoffeln aus dem Garten auf den Tisch gekommen.

Die Bienen allerdings waren Neuland: Statt einer Leihgabe entschied sich der befreundete Imker vor mehr als 30 Jahren für ein Geschenk. „Von einem Tag auf den anderen waren wir Bienenbesitzer“, erzählt Bärbel Himmelrath. Ihr Mann machte einen Imkerkursus, inzwischen hat sie selbst den unterhaltsamen Kursus schon mehrfach besucht. Am Anfang habe sie ihren Mann vor allem mit Hilfsarbeiten unterstützt – Honiggläser spülen und im Garten für ordentlich Bienen-Nahrung sorgen. Als ihr Mann 2006 starb, entschied Bärbel Himmelrath, die Bienen zu behalten. „Aber im ersten Winter sind sie mir alle eingegangen“, erzählt sie. Also fing sie von vorne an, trat dem Imkerverein bei, besuchte ihren ersten Kursus und bekam von einem Vereinspaten einen Ableger. Inzwischen leben drei Bienenstöcke – im Sommer also rund 100.000 Bienen – in ihrem Garten. Auf jeder der drei Kisten hat Bärbel Himmelrath eine Art Lockbuch befestigt, in dem sie jede Aktion notiert: jede Kontrolle, jede Behandlung gegen die Varoa-Milbe, jede Entdeckung.

Das beginnt im Herbst, wenn sie die Bienen fit macht für den Winter, der zweiten Behandlung gegen die Milbe im Dezember und geht im Frühjahr weiter, wenn die Bienen ihre ersten Ausflüge zu Krokus und Schneeglöckchen machen. „Im Mai und Juni wird es stressig“, sagt Bärbel Himmelrath, „dann muss ich sehr darauf achten, dass es den Bienen nicht zu eng wird.“ Entdeckt sie Weiselzellen, weiß die Imkerin: Es herrscht Schwarmstimmung. Dann teilt sich das Volk und die Hälfte der rund 40.000 Bienen fliegt aus – um ein neues Zuhause zu finden. Das bedeutet für Bärbel Himmelrath: Sind die Tiere in der Nähe geblieben, muss sie sie aufwändig wieder einsammeln. Im Sommer wird dann Honig geschleudert: Dafür hat sie längst auch ihre Enkel begeistert. „Inzwischen haben auch mein Sohn und mein Enkel einen Imkerkursus besucht“, erzählt sie.

Ohnehin liegt der 78-Jährigen daran, ihre Begeisterung für die Bienen weiterzugeben: „Vor allem den Kindern möchte ich die Angst nehmen“, sagt sie. Deswegen ist sie selbst als Patin im Bienenzuchtverein im Einsatz, in der Katholischen Grundschule, der Kinderstadt, bei Projekten in der Katt und in Kindergärten. Dafür zeichnet der Kreisimkerverein Bärbel Himmel nun aus: „Ich weiß nicht, warum ich dafür einen Preis bekomme“, sagt sie verwundert, „alles, was ich mache, mache ich doch mit anderen gemeinsam.“ Eben wie die Bienen.