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Vandalismus: Erstaunen über Anzeigen-Verzicht in Brüggen

Vandalismus in Brüggen : Warum verzichtet die Gemeinde auf eine Anzeige?

Das ist erklärungsbedürftig: Die Verwaltung verzichtet auf Anzeigen nach Vandalismus rund um die Burg. Was das für die Polizei bedeutet.

Kaum sind die Burgweiherpromenade  und der Burgwall fertig, gab es laut Gemeindeverwaltung bereits die ersten Fälle von Vandalismus: Die neuen Sitzbänke wurden angekokelt, Hölzer aus der Befestigungsanlage zerstört. Was verwundert: Die Verwaltung hat gar keine Anzeige bei der Polizei erstattet. 

In den vergangenen beiden  Monaten gab es am und rund um den Burgwall einige Vandalismus-Delikte, erklärte eine Sprecherin der Polizei auf Anfrage. Dabei waren Privatleute betroffen, die Anzeige erstattet haben: Einmal hätten Jugendliche Spaziergänger beleidigt, ein weiteres Mal sei die Plane bei einem Anhänger aufgeschlitzt worden. Am 15. April und am 5. Mai sei jeweils ein Auto an der Klosterstraße und am Wolfsbend zerkratzt worden; am 15. Mai und am 6. Juni hätten Unbekannte Hecken an der Hagelkreuzstraße und an der Roermonder Straße in Brand gesetzt; die Polizei ermittelt wegen Brandstiftung.

„Nach dem Bericht in der Rheinischen Post müssen wir davon ausgehen, dass die Dunkelziffer an Vandalismus-Vorfällen deutlich höher ist“, so eine Sprecherin der Polizei. Die Gemeindeverwaltung bestätigte auf Anfrage unserer Redaktion, dass sie die jüngsten Vorfälle nicht zur Anzeige gebracht habe. Für die Polizei ist dieses Vorgehen problematisch. Sie könne nur dann handeln, wenn sie Kenntnis von Vorfällen hat, erklärte eine Sprecherin. Für das Beispiel des soeben umgestalteten Burgweihers bedeute dies: Wenn die Polizei weiß, dass dort mehrfach Sachbeschädigungen stattgefunden haben, könne sie den Bereich als problematisch einschätzen und etwa Streifen einsetzen. „Unsere  Daten rechtfertigen dies aber nicht“, erklärte die Sprecherin.

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Bereits in der Vergangenheit habe die Verwaltung laut Fachbereichsleiter Thomas Jäger  gehandelt, wenn es bei Sachbeschädigungen Hinweise auf Täter gegeben habe: Dann sei die Gemeinde an die Eltern herangetreten, die den Schaden übernommen hätten. Auch Bürgermeister Frank Gellen (CDU), früher selbst Polizeibeamter, hatte sich in die Strafverfolgung eingeschaltet: Im März 2020 veröffentlichte er ohne richterlichen Beschluss auf Facebook ein Video, das einen Einbruchsversuch zeigte und appellierte an den Täter, sich zu stellen. Er stellte sich. Gegen Gellen folgten eine Strafanzeige und eine Dienstaufsichtsbeschwerde, bei der Landrat Andreas Coenen (CDU) als Dienstherr kein Fehlverhalten erkannte.

Jäger betonte am Montag  die gute Zusammenarbeit mit der Polizei, auch wenn die Gemeinde für die jüngste Vorfälle keine Anzeigen erstattet habe. Für die Mitarbeiter etwa des Bauhofs sei eine Anzeige schwierig: Sie könnten meist keine genauen Angaben zu Tatzeit oder Täter machen. Auf dieser Basis halte er es für aussichtslos, dass die Polizei  Täter ermitteln kann. „Wir als Verwaltung tun, was wir können“, sagte Jäger. So seien Mitarbeiter des Ordnungsamtes mit Verstärkung in dem Bereich unterwegs gewesen, außerhalb der üblichen Bürozeiten.  Vermüllung werde mit Fotos dokumentiert; zudem gebe es Einsatzberichte des Ordnungsamtes.