Erst,als ein Schiedsrichterlehrgang des Fußballverbandes Niederrhein nur für Frauen

Fußball : Schiedsrichterinnen dringend gesucht

Zum ersten Mal bietet der Fußballverband Niederrhein einen Lehrgang nur für Frauen an. Dadurch soll langfristig etwas gegen das krasse Missverhältnis bei der Anzahl von männlichen und weiblichen Unparteiischen getan werden.

Der Fußballverband Niederrhein startet im Oktober ein neues Projekt. Da die weiblichen Schiedsrichterinnen unter den Unparteiischen des Landes weit unterrepräsentiert sind, hat sich der FVN dazu entschlossen, zum ersten Mal überhaupt einen zentralen Lehrgang nur für Mädchen und Frauen anzubieten. Der Verband lädt dazu vom 18. bis 20. Oktober in seine Sportschule nach Duisburg-Wedau ein und zeigt sich spendabel: Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung an den drei Lehrgangstagen übernimmt der Verband.

Wie groß das Ungleichgewicht ist, zeigen die aktuellen Zahlen: Derzeit gibt es unter 2.600 Schiedsrichtern im Fußballverband Niederrhein nur 94 Frauen. „Auf Grund dieser geringen Zahl haben wir uns entschlossen, einen Lehrgang ausschließlich für Mädchen und Frauen anzubieten“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses Boris Guzijan. Auch im Fußballkreis Kempen/Krefeld sind Schiedsrichterrinnen schon fast Exoten. 254 männlichen Kollegen stehen nur sechs Frauen gegenüber. Dazu zählt in Isabel Steinke vom SV St. Tönis eine Schiedsrichterin, die bereits im vierten Jahr in der 2. Frauenbundesliga unterwegs ist und gerade in ihre zweite Saison bei den Herren in der Oberliga gestartet ist. Steinke ist damit die am höchsten pfeifende Schiedsrichterin des Fußballverbandes Niederrhein. Die 25 Jahre alte Medizinstudentin hat sich 2010 dem Schiedsrichterwesen verschrieben und peilt inzwischen sogar den Aufstieg in die 1. Frauenbundesliga an. Der ehrgeizigen Schiedsrichterin ist dieser Sprung durchaus zuzutrauen. Zu den Karrierechancen von Frauen sagt Boris Guzijan: „Durch spezielle Förderprogramme des Verbandes und durch die geringere Konkurrenz im ganzen DFB können Frauen deutlich schneller aufsteigen.“

Ein Beispiel für einen schnellen Aufstieg bei guten Leistungen ist auch die 22-jährige Lena Mertens vom TSV Kaldenkirchen. Mertens ist erst seit 2015 Schiedsrichterin und leitet bei den Herren schon Spiele bis zur Landesliga und ist bei den Frauen in der Regionalliga unterwegs. Mertens sagt zum neuen Lehrgangsmodell: „Ich finde das Angebot des Verbandes sehr gut. Nur unter Frauen und Mädchen zu sein, das motiviert sicher auch die jüngeren Mädels. Bei einem zentralen Lehrgang wird man auch nicht durch die Schule und Beruf abgelenkt. Ich hoffe, dass sich viele Mädchen und Frauen anmelden.“ Unter dem Motto „Ergreife Deine Chance – Sorge für Ordnung auf dem Fußballplatz, stärke Dein Selbstvertrauen und halte Dich körperlich fit“ erhalten die Teilnehmerinnen bei dem neuen Angebot einen umfassenden Einblick in die Fußballregeln. Neben einem breiten theoretischen Teil geht es mit den Ausbildern auf den Fußballplatz, um auch praxisnah die Regeln zu erlernen.

Die 18-jährige Alicia Mindt vom Dülkener FC hat im Frühjahr 2019 bei einem Lehrgang in Nettetal-Lobberich ihre Schiedsrichterausbildung als einzige Frau unter 14 männlichen Kollegen absolviert. Auch sie steht dem neuen FVN-Projekt positiv gegenüber: „An einem Wochenende den Lehrgang zu absolvieren, das finde ich klasse. Wenn man nur unter Schiedsrichterinnen ist, wächst man auch als Gruppe schneller zusammen.“ Nach bestandener Prüfung genießen die Schiedsrichter selbstverständlich dieselben Vorteile wie die männlichen Kollegen. Die Ausrüstung wird vom Verein gestellt. Die Fahrtkosten zu den Spielleitungen werden ersetzt, daneben gibt es abhängig von der Spielklasse eine Aufwandsentschädigung. Der Schiedsrichterausweis berechtigt zum freien Eintritt zu allen Spielen des Deutschen Fußballbundes einschließlich der Spiele in der Fußballbundesliga.

Mehr von RP ONLINE