Sia Korthaus plädierte auf Schloss Dilborn in Brüggen für etwas Lasterhaftigkeit

Comedy in Brüggen : Sia Korthaus plädiert für etwas Lasterhaftigkeit

In Schloss Dilborn gastierte die Kabarettistin vor ausverkauften Reihen. Besonders gelungen: ihr Puppen-Spiel mit Britta.

Im Mittelalter gab es eine klare Vorstellung vom dem, was nicht sein soll. Unbedingt zu vermeiden waren Stolz, Habsucht, Neid, Zorn, Wollust, Unmäßigkeit und Trägheit. Das waren die sieben Todsünden, abgeschwächt auch Laster genannt. Mit denen befasste sich jetzt Sia Korthaus in Schloss Dilborn vor ausverkauften Reihen – sie tat dies auf ihre ganz eigene, kabarettistische Weise.

Zunächst einmal stellte sie klar, dass diese Laster nichts mit denen zu tun haben, die heutzutage die Autobahnen verstopfen. Und dann ließ sie durchblicken, dass sie manchen Lastern durchaus Positives abgewinnen kann.  

Korthaus  bekannte freimütig, dass sie gegen die Trägheit keineswegs zu Felde ziehen will. Im Gegenteil. Vielmehr schrecke sie das Beispiel derer ab, die so viel arbeiten, „dass sie sich nicht einmal ein Burnout leisten können“. Sie selbst habe inzwischen eine ganze Reihe von „Arbeitsvermeidungsmaßnahmen“ entwickelt. So putze sie ihre Wohnung besonders ausgiebig dann, wenn es eigentlich höchste Zeit für ihre Steuererklärung ist.

Abschreckend sei auch das Beispiel des Bekannten, der sich wegen Überarbeitung einen Herzschaden zuzog. Ihm musste eine Herzklappe vom Schwein eingesetzt werden. Seine Frau habe deswegen „Subventionen aus Brüssel“ beantragt.

Auch bei der Wollust stellte sich ihr die Sache nicht so eindeutig negativ dar. Mit Kittel und Stock schlüpfte sie in die Rolle ihrer erfahrenen Alt-68er-Oma Emmi, deren erste Sex-Erfahrungen mit Doktor-Spielchen fast noch in wilhelminischer Zeit stattfanden.

Sia Korthaus brachte mit überraschenden, gut gesetzten Pointen ihr Publikum im voll besetzten Schloss-Saal immer wieder zum Lachen – auch wenn gelegentlich Längen vorkamen, in denen es im Publikum  recht still wurde. Umwerfend komisch war indessen ihr Spiel mit der Puppe Britta, die sie als „Show-Praktikantin“ einführte. Über die Puppe amüsierte sie mit einem herrlich komischen Sächsisch. Da galt es erst einmal, „Gomera“ und „Kamera“ auseinanderzuhalten.

Die „Lust auf Laster“ sei durchaus besser als die „Lust auf Zaster“, von der man letztlich doch nichts hat. Denn am Ende des Lebens, so die Erkenntnis von Sia Korthaus, geht es ja doch zu wie nach dem Schachspiel: „König und Bauer kommen gleichermaßen in die Kiste.“

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