Brüggener Heilpraktiker soll 3-BP dem Mann einer Patientin abgekauft haben

Brüggen : Heilpraktiker soll 3-BP dem Mann einer Patientin abgekauft haben

Möglicherweise haben eine Patientin und ihr Ehemann den Heilpraktiker Klaus R. – etwa zwei Jahre vor den Todesfällen von Bracht – auf den Wirkstoff 3-Bromopyruvat (3-BP) aufmerksam gemacht. Das zumindest legt die Zeugenaussage eines 39-jährigen Physikers nahe, der am Dienstag im Prozess gegen den 61-jährigen Heilpraktiker aussagte.

Klaus R. werden fahrlässige Tötung in drei Fällen und Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. Im Juli 2016 waren drei Menschen nach der Behandlung in Brüggen-Bracht gestorben. R. hatte ihnen in seinem Krebszentrum 3-BP verabreicht. Laut Staatsanwalt soll er beim Abwiegen einen Fehler gemacht haben, durch den es zu einer Überdosis von 3-BP in der Infusionslösung gekommen sei.

Der 39-jährige Zeuge ist promovierter Physiker. Seine Frau erhielt im Oktober 2013 die Diagnose Nierenkrebs. Nach einer Operation sei der Krebs im Januar 2014 erneut aufgetreten. „Die Ärzte gaben ihr noch wenige Monate“, sagte der 39-Jährige. Im Internet sei er auf wissenschaftliche Berichte gestoßen, die beschrieben, dass 3-BP das Wachstum von Krebszellen hemmen könne. In einer Klinik in Frankfurt habe seine Frau erstmals 3-BP erhalten. Im Anschluss seien sie in Bracht gewesen; seine Frau habe dort aber zunächst kein 3-BP erhalten. Der Physiker selbst brachte den Wirkstoff mit ins Krebszentrum. Er wog eine Menge von „0,4 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht“ ab und bestand darauf, dass das Pulver, das er in den USA bestellt habe, der Infusion beigegeben wurde. Danach hätten er und seine Frau die 3-BP-Infusionen etwa zwei Jahre zu Hause fortgeführt. Seine Frau sei drei Jahre nach der ersten Krebsdiagnose gestorben, also viel später, als „die Ärzte prognostiziert hatten“.

Der Heilpraktiker soll in der Zwischenzeit begonnen haben, sich für 3-BP zu interessieren, weil es bei der an Nierenkrebs erkrankten Frau gut angeschlagen habe. Laut Aussage des Zeugen kaufte der Angeklagte ihm den Wirkstoff „vier- bis fünfmal“ ab. Als Dosierung habe er Klaus R. „höchstens 2,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht“ empfohlen. Einmal habe ihm R. gesagt, dass sich einige Patienten nach Infusionen sehr müde gefühlt hätten. Dabei soll von fünf Milligramm die Rede gewesen. Der Angeklagte sagte dazu, dass ein Patient auf einer höheren Dosierung bestanden habe. Der Richter entgegnete, dass sich die E-Mails zwischen dem Zeugen und dem Heilpraktiker nicht so lesen, als würden sich die fünf Milligramm nur auf einen Patienten beziehen.

Als Zeugin sagte außerdem eine 59-jährige Ernährungsberaterin aus Roermond aus. Eines der Opfer, der 55-jährige Niederländer, der an Bauchspeicheldrüsenkrebs litt, kam wegen Unterernährung zu ihr. „Er war sehr schwach und wurde im Verlauf der Gespräche immer müder“, erinnerte sich die Zeugin. Nach eigener Aussage habe der Mann kurz vor den Treffen jeweils eine 3-BP-Infusion erhalten.

Der Prozess wird am Dienstag, 4. Juni, 9.15 Uhr, fortgesetzt.

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